Die anderen 50% von zehn Büchern, die man gelesen haben sollte

Mmh wieder kein leichtes Thema. Fangen wir erstmal damit an, dass hier glaub ich keine Klassiker erwartet werden dürfen. Mit Belletristik kann ich ja mal gleich gar nichts anfangen. Oder zumindest wenig. Auch meine lieben Deutsch (und Englisch-)lehrer haben es nicht geschafft, mich dafür zu begeistern. In der Grundschule sah es noch gut aus. Da war man noch kein Streber wenn man schon weiter gelesen hatte, sondern fast so was wie cool (ich glaub ich war in einer komischen Klasse). Danach ging aber mit der Lesebegeisterung für die Schullektüre rapide bergab, bis hin zu „lass uns mal das Video dazu ausleihen, dann müssen wir nicht lesen“. Was nicht heißen soll, dass ich nicht gerne lese. Allerdings doch eher in der Abteilung Sachbücher. Und was liegt da näher als die „wichtigsten“ Sportlerbiografien zu nehmen. Damit es nicht zu Fussballlastig wird, werde ich pro Sportart nur einen Vertreter ins Rennen schicken.

top5

Wenn ich mir die Top5 zu Sportlerbiografien angucke, dann habe ich 4 davon gelesen oder zumindest schonmal angeguckt. Allerdings zähle ich weder Pilgern zum Jakobsweg noch unsere Erde und die Jahreszeiten zu wirklich sportlichen Events. Deswegen ist das erste Buch:

„Ich bin Zlatan.“

In den letzten Jahren gab es immer 3 sichere Anwärter für den Titel Weltfussballer des Jahres. Der brave und von allen geliebte Lionel Messi. Der „schöne“ und nur von Frauen geliebte Christiano Ronaldo. Und der Bad Boy. Zlatan Ibrahimovic. Ein bosnischer Schwede. Was kann da rauskommen? Okay das Buch ist nur geghostwritet aber es trotzdem versteht man diesen komischen Typen danach besser.  Kindheit in der Sozialsiedlung und immer auf dem schmalen grad zwischen Genie und Wahnsinn. Letztendlich hat er es doch geschafft, einer der besten Fussballer der Welt zu werden. Aber bis heute ist er kein glatgebügelter Einheitsprofi, sondern eckt immer wieder an.

Buch 2 ist „Der Domestik“ von Charles Weglius.

Die dazugehörige Sportart ist, der Radsport. Als Sportler auf dem ersten Blick eher wenig erfolgreich (kein einziger Profisieg) hat er es doch zu einer langen Profikarriere im Radsport geschafft. Nach dem Buch weiß man auch, dass ihn das allein erfolgreich macht. Er ist einer der Role Player ohne den die oberflächlich erfolgreichen Fahrer bei weitem nicht so erfolgreich wären. Man bekommt Einblicke in die tiefen des Radsportgeschäfts ohne ständig über Doping nachdenken zu müssen. Ich fand das Buch sehr interessant und hab es auch in einem Rutsch durchgelesen. Und ich weiß auch, dass mindestens 2 weitere der Stammleser bzw. Autoren das Buch ebenfalls gelesen haben.

„Bad as I wann be“ von und mit Dennis Rodman

das Buch hab ich mit 14 glaube ich gelesen (oh Gott das ist schon 20 Jahre her) und bis heute ist es auch das Buch, welches ich am häufigsten gelesen hab. Mir gefällt der Mix aus persönlichem und sportlichem. Anstrengend hingegen fand ich den ständigen Wechsel der Schriftgröße, aber auch daran gewöhnt man sich. Worum gehts? Natürlich um Dennis Rodman und seinen Weg zum Paradiesvogel der NBA. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnisse, macht ein plötzlicher Wachstumsschub ihn zum Basketballer. Auf dem College noch Scoring King merkt er in der NBA schnell, dass sein „Lücke“ im System die Reboundarbeit ist. Die Drecksarbeit zum Geschäft machen. Natürlich kommt auch das Privatleben in dem Buch nicht zu kurz. Denn immerhin ist das ja der Punkt der ihn weltweit bekannt gemacht hat.

Das 4. Buch mag auf den ersten Blick nicht in die Sammlung passen. Guckt man sich aber „Rangers and the famous ICF“ genauer an, ist es genau so eine Sportlerbiografie wie die anderen. In den 80er gab es noch kein UFC um sich offiziel im regellosen Ganzkörperkampf zu messen. Also sind in ganz Großbritannien Gruppen unterwegs um sich gegenseitig „Aufs Maul zu hauen“. Nach dem Lesen des Buches wird man immer noch nicht verstehen, warum die das wirklich machen. Aber das wie, wo und wann lernt man schon. Alles unter dem Deckmantel des Fussballfanseins. Auch die sogenannten „Firms“ sind im weitesten Sinne nichts anderes als Sportvereine. An Spieltage muss ebenso eine Aufstellung und Strategie geplant werden wie beim Fussball.

Last but not Least ein Buch das ich selber noch nicht gelesen habe, aber auf jeden Fall in nächster Zeit angehen werde. „Aufgeben gilt nicht“ ist die Biografie über das Sportlerleben des Frank Busemann. Der ist einfach so sympathisch und immer noch auf dem Boden geblieben, dass ich mir seine Biografie einfach mal reinziehen muss.

Einige lose Gedanken zum Thema Fernsehserien am Beispiel von Mad Dogs

Ich habe keinerlei passende Fotos zum Thema Belize gefunden.
Ich habe keinerlei passende Fotos zum Thema Belize gefunden.

Mad Dogs ist eine von Amazon produzierte Serie, deren erste Staffel vor einer Weile veröffentlicht wurde. Eine ganze Weile zuvor gab es einen interessanten Ansatz, für mehrere Serien wurde eine Pilotfolge produziert, online gestellt und die Zuschauer wurden um Feedback gebeten, welche Pilotfolge wie gut gefiel. Und von den vermutlich beliebtesten wird eine ganze Staffel gemacht. Als erstes hatte es so die durchwachsene Philip K. Dick-Adaption The Man in the High Castle geschafft, danach gab es eben auch eine ganze Season Mad Dogs. Während ich bei erstgenannter gerade mal drei Folgen weit kam, habe ich bei zweitgenannter jetzt die komplette Staffel hinter mich gebracht. Die folgenden Zeilen enthalten vermutlich inhaltliche Vorwegnahmen, wenn Du also Spoiler vermeiden möchtest, geh flink zu Amazon, schau die Serie an, wir sehen uns in ungefähr 8 ½ Stunden wieder.

Ich habe keinerlei passende Fotos zum Thema Hunde gefunden.
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Erstmal zum offensichtlichen, Mad Dogs ist das US remake einer britischen Serie, die Handlung wurde von Mallorca nach Belize verlegt. Interessanterweise spielt Ben Chaplin sowohl im Original als auch in der Kopie mit. Die restliche Besetzung besteht aus diversen bekannten Gesichtern. Michael Imperioli (Sopranos), Romany Malco (Weeds), Steve Zahn (Nebenrollen in gefühlt jedem zweiten mittelprächtigen Film der letzten 20 Jahre), Billy Zane (Twin Peaks, Titanic, Back to the Future,…), Ted Levine (Schweigen der Lämmer, Monk). Die Serie stellt also gleich sicher, dass man ab Start ein vertrautes Gefühl hat, irgendwen kennt man ja auf jeden Fall schon.
Stilistisch wirkt Mad Dogs sehr wie Weeds, zwischen krass schockierenden und abstrakt komischen Momenten. Die Staffel ist zehn Folgen lang, was im Vergleich zu sonstigen Serien mit 20+ Folgen-Staffeln recht kurz wirkt. Allerdings waren mir schon die zehn Folgen zu viel, zwischendurch wirkt es arg, als müssten drei oder vier Folgen irgendwie gefüllt werden. Die Methode ist dabei stets, noch mehr Nebenhandlung, noch mehr sonderbare Ideen, noch mehr absonderliche Wendungen einzubauen. Und so hat Mad Dogs eine sehr moderne Erzählstruktur. Es ist ganz und gar keine prozedurale Serie, bis auf das vorspannersetzende Standbild gibt es keine Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Folgen. Auch ist die Handlung zu durchbrochen, als dass man von einem linearen Aufbau über die Staffel hinweg sprechen kann. Für mich wirkte daher die Einteilung der einzelnen Folgen etwas erzwungen, ein paar Folgen ähneln sich, einige stehen atmosphärisch allein. Ich glaube, mir hätte besser gefallen, wenn die story in weniger und größeren Häppchen erzählt würde. Drei oder vier 90-Minuten-Folgen à la Sherlock würden vielleicht gut passen. Ich finde, dieses Miniserienmodell eignet sich gut, um Inhalte einzufangen, die zu groß für einen Film und zu komplex für viele Serienfolgenhäppchen sind.
Glücklicherweise wird es von Mad Dogs keine zweite Staffel geben, die gestreckte erste Staffel würde mich vermuten lassen, dass eine Fortsetzung nicht besser würde. Auch war ich zufrieden mit dem Ende, in mir fragte nichts danach, wie es jetzt weiterginge.

Ich habe keinerlei passende Fotos zum Thema Drogen gefunden.
Ich habe keinerlei passende Fotos zum Thema Drogen gefunden.

Ich kann durchaus den Charm einer traditionellen Serie nachvollziehen. Dieses wohlige Gefühl, dass man nicht nur die vertrauten Darsteller immer wieder sehen kann, sondern auch stets den vertrauten Folgenaufbau vorfindet. Jedoch denke ich, dass bei so einer Serie mit formulaischem Aufbau gar nicht wichtig ist, ob sie einem überhaupt gefällt. Ich denke, beim Schauen einer Serie setzt nach einigen Folgen so etwas wie das Stockholm-Syndrom ein. Die reine Vertrautheit, die sich nach wenigen Folgen einstellt, sorgt meiner Meinung nach dafür, dass man die Serie dann doch mag, auch, wenn man sie initial doch gar nicht so gut fand.
Bei all dieses neumodischen Serien, die eine ambitioniertere Struktur vorweisen, bleibt das weitgehend aus. Zwar sieht man immer wieder die gleichen Leute, aber ich denke, dass gerade der immer gleiche Aufbau viel der schnell wachsenden Vertrautheit ausmacht.
Um das auszugleichen, müssen die Charaktere einer Serie mit ausschließlich folgenübergreifendem Handlungsbogen schnell viel Bindung herbeiführen. Das macht Mad Dogs ganz passend. Schon, dass der Hauptcast aus vier recht unterschiedlichen Typen besteht, bringt das Potential, dass sich jeder Zuschauer irgendwie wiedererkennt. Die Nebenrollen bestehen fast ausnahmslos aus sehr starken, sehr krassen Charakteren, was es einfach macht, sie sich sofort einzuprägen und so einen schnellen Bezug herzustellen.

Daher illustrieren diese zufälligen Vogelbilder den Artikel.
Daher illustrieren diese zufälligen Vogelbilder den Artikel.

Ich fand Mad Dogs spannend und spaßig genug, um die ganze Staffel dabei zu bleiben, und hatte auch zwei oder drei mal am Ende einer Folge das Bedürfnis, gleich weiter zu schauen. Allerdings, wie oben schon beschrieben, bei einigen Folgen blieb eher ein dezent gelangweiltes Gefühl zurück, ein bisschen mehr Kompaktheit hätte ich da schön gefunden, und das trotz meines offensichtlichen Hangs zu Abschweifungen.
Mir haben auch die Produktion und das Produktionsdesign gefallen, das war etwas, was mir die andere Amazonserie Man in the High Castle sehr verleidete, weil diese immer billig aussah.
Wo für mich Mad Dogs richtig brillierte, waren die Nebenrollen. Die Serie lebt sehr vom stetigen Strom dazukommender Charaktere und verliert an drive, wenn man eine ganze Folge ohne neue Personen verbringen muss. Allesamt sind ausgefallen und überzeichnet. Aushängeschild ist sicher der kleinwüchsige katzenkopftragende Auftragskiller, der schon in der ersten Folge auftaucht, aber bis auf die vier Haupthelden und wenige Ausnahmen ist in Mad Dogs keiner normal oder langweilig. Und so zeigt die Serie viele Folgen lang, wie vier vermeintlich langweilige Typen in einer Welt von bedrohlich sonderbaren Personen leben, die der Artenvielfalt der lokalen Flora und Faune entspricht.
Leider hat dies zum Nebeneffekt, dass die durchaus interessante Innendynamik der Gruppe etwas in den Hintergrund rückt, weil der Kontrast zwischen den normalen Touristen und der feindlichen Außenwelt einfach deutlich spektakulärer ist. Aber man kann nicht alles haben.
So oder so, von meiner Seite aus Schauempfehlung, auch wenn, wie eben beschrieben, nicht alles super-duper ist. Aber wo ist es das schon? Außerdem, Mad Dogs gibt es bei Amazon gratis für prime-Kunden.

Links aus dem Artikel:
Mad Dogs
The Man in the High Castle
Ben Chaplin
Michael Imperioli
Romany Malco
Steve Zahn
Billy Zane
Ted Levine
Stockholm-Syndrom

Ewige Helden Finale

Die Sendung beginnt mit einem Nightgame zwischen Uschi Disl und Faris al Sultan. Und gleich werden die zwei größten Schwächen der Sendung sichtbar. 1. Ruth Moschner und 2. das Nightgame. Sie ist langweilig und hat keine Ausstrahlung. Der Wechsel zwischen harte Showmasterin und mitfühlende Freundin die wirklich alle am liebsten hat ist einfach zu gekünzelt. Das Spiel ist langweilig und mit der Glaskugel sogar gefährlich. Gewonnen hat übrigens Faris al Sultan und steht damit ebenfalls im Finale.

Nach einem ewig (viel zu) langem Rückblick über die Staffel gibt es noch ein Spiel vor dem alles entscheidenden Hindernisparcour. Danny Ecker, der als Führender die „Vorrunde“ beendet hat, bekommt hier bereits 1 Minute Gutschrift für das Finale. In dem Spiel können weitere Gutschrift gewonnen werden. Gewinner ist Frank Busemann vor Danny Ecker. Ergebnis ist, dass beide 2 Minuten vor Faris in den Parcour dürfen. Auch diese Regelung ist unglücklich gemacht. Ich finde, alle sollten bei allen Disziplinen die gleichen Voraussetzungen haben, um den wirklichen Helden herauszufinden.

Beim abschließendem Parcours geht es mit Handschellen und Seil gefesselt einen Berg hoch, ein Turm aus Steinen muss gestappelt werden, eine Brücke muss 3 mal rückwertslaufend bewältigt werden und am Ende muss eine Gefäß mit einem Stein abgeworfen werden. Um den Stein zu bekommen, muss man sowohl auf dem Hin als auch auf dem Rückweg über ein Hindernis klettern. Als Faris seinen Rückstand aufgeholt hat und zum Steinewerfen kommt, haben die beiden anderen schon gefühlt 30 mal geworfen und sind aufgrund der Kletterei entsprechend fertig. Sehr witzig mit anzusehen, wie sich die Kerls nur noch schleppend vorwärts bewegen. Am Ende gewinnt Mr. Buseman. Durchaus verdient.
Fazit: Danny Ecker hab ich bei weitem nicht so gut eingeschätzt. Von daher sehr überraschend und er wurde auch zunehmend sympathischer. Buseman ist natürlich ein Freak was die Vorbereitung angeht und von Anfang an sympathisch. Faris al Sultan ist am Anfang eher wenig aufgefallen. Aber am Ende hätte ich ihm (auch aufgrund der blöden Regel mit dem Vorsprung der anderen) den Sieg durchaus gegönnt.Eine zweite Staffel ist im Bereich des Möglichen, nachdem in den letzten Woche die Quoten langsam gestiegen sind. Allerdings hoffe ich, dass dann ein wenig am Konzept gearbeitet wird. Ansonsten, tolle Sendung. Mir hats Spass gemacht. Und ich hab mir mal Gedanken um mögliche Teilnehmer einer zweiten Staffel gemacht. Ihr könnt eure Vorschläge gerne in den Kommentaren posten.Hier meine Vorschläge

  • Dieter Thoma (Skispringen)
  • Kati Witt (Eiskunstlauf)
  • Franziska Schenk (Eisschnelllauf)
  • Michael Groß (Schwimmen)
  • Magdalena Neuner (Biathlon)
  • Henry Maske (Boxen)
  • Christian Schwarzer (Handball)
  • Ole Bischoff (Judo)
  • Matthias Steiner (Gewichtheben)
  • Jens Voigt (Radsport)
  • Astrid Kumbernuss (Kugelstoßen)
  • Oli Kahn (Fussball)

50 % von zehn Büchern, die man gelesen haben sollte

Den Müll nicht richtig getrennt, schon kommt die Polizei. Darum geht es bei Dostojewski ungefähr.
Den Müll nicht richtig getrennt, schon kommt die Polizei. Darum geht es bei Dostojewski ungefähr.

Fjodor Dostojewski, Преступление и наказание, Verbrechen und Strafe / Schuld und Sühne / Raskolnikow, veröffentlicht 1866

Dieses Buch sollte man mal gelesen haben, weil es eigentlich immer cool ist, über russische Literatur reden zu können. Und dabei ist das gar nicht schwer, Dostojewskis Erstlingswerk liest sich einfach und recht flink und macht – Interesse vorausgesetzt – sogar Spaß. Zwar ist das setting antiquiert und recht fremd, es spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in Sankt Petersburg, das Grundmotiv hat aber noch immer eine ziemliche Relevanz. Das Konzept, dass die Gesellschaft einem definierten Verbrechen mit einer Strafe begegnet, ist ja noch immer unser kindlich-simpler Grundsatz. Am Buch nervt unter Umständen die übertriebene Symbolik und das zwar nicht richtig ausgesprochene aber doch deutlich spürbare religiöse Konversionsfazit.
Die verwirrend vielen deutschen Titel liegen daran, dass sich Преступление и наказание offenbar nicht so recht übertragen lässt, ich finde aber anhand des Inhalts des Buches “Verbrechen und Strafe” am passendsten.

Die Quelle beinahe sämtlicher Artikelinspiration, die Vorschlagsbox unten rechts, schlug vor, dass wir etwas zu 10 Büchern schreiben sollten, die man in seinem Leben gelesen haben sollte. Die Fragestellung klingt zwar sehr einschlägig, aber gibt es sowas überhaupt? Zehn Bücher, die wirklich jeder lesen sollte?
Eigentlich nicht, schließlich kommt man ja sogar durch das Leben, ganz ohne irgend ein Buch gelesen zu haben. Aber das wäre ja kein schöner Inhalt für einen Artikel, einfach nur “Gibt es nicht.” zu posten.

Das moderne Businesshotel ist ein guter Ort, um über die Sinnhaftigkeit des Daseins zu grübeln.
Das moderne Businesshotel ist ein guter Ort, um über die Sinnhaftigkeit des Daseins zu grübeln.

Jean-Paul Sartre, La nausée, Der Ekel, veröffentlicht 1938

Dieses Buch sollte man gelesen haben, weil Existentialismus der kleinste gemeinsame Nenner für uns alle ist. Ich mag das Buch etwas überhöhen, weil es, mit 14 oder 15 Jahren gelesen, der perfekte Untertitel für mein pubertierendes Wesen war. Es gibt keinen besseren Begeiter für den mittelschichtigen Teenager, der zornig auf einer Treppe der Fußgängerzone sitzt, als französische Zigaretten und die knallrote Ausgabe von Sartres Frühwerk.
Die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz sollte jeder von Zeit zu Zeit überdenken, dabei hilft dieses Buch.

Wir haben die zehn Bücher untereinander aufgeteilt, also muss ich mich nur auf fünf festlegen.
Für Inspiration habe ich bei mehreren mir irgendwie bekannten Personen nachgefragt, ob es so etwas gäbe, fünf Bücher, die man gelesen haben muss. Und wenig überraschend, die meisten antworteten intuitiv mit “Die Bibel!”. Das halte ich für Quatsch. Christlich-abendländische Prägung in allen Ehren, aber wenn bei weit über 50 % Christianisierungsquote in Deutschland nur 13 % die Bedienungsanleitung dazu lesen, sollte das keine Allgemeinempfehlung sein. Allein schon, weil sich die Bibel nicht eben mal so liest, viel zu fremd ist der Stil. Ist halt ein sehr altes Buch, egal ob altes oder neues Testament.

Als No Logo auf den Bestsellerlisten war, konnte man T-Shirts mit No Logo!-Logo darauf kaufen.
Als No Logo auf den Bestsellerlisten war, konnte man T-Shirts mit No Logo!-Logo darauf kaufen.

Naomi Klein, No Logo!, No Logo! – der Kampf der Global Players um Marktmacht – ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, veröffentlicht 2000

Dieses Buch sollte man gelesen haben, um auf “Wir wissen ja gar nicht, woher die Sachen kommen, die wir kaufen” mit “Doch.” antworten zu können. Außerdem wollte ich auch etwas non-Belletristik auf der Liste haben, um ausgeglichener zu wirken. Der Aufbau des Buchs wirkt etwas inkohärent, es liest sich aber ausgesprochen flüssig und schnell.
No Logo enthält viel Stoff für den werdenden Globalisierungsgegner, ironischerweise ist es in einem Verlag erschienen, der zur Bertelsmann gehört.
No Logo ist auch ein tolles Beispiel dafür, wie widerlich es endet, wenn sich deutsche Verlage bei der Übersetzung auch gleich mal einen schmissigen Titel für das Germanenvolk ausdenken. Volk der Dichter und Denker, my ass.

Überhaupt habe ich allzu alte Bücher verworfen, als Generalempfehlung herzuhalten. Ich finde, wenn man schon kämpfen muss, sich den Inhalt überhaupt zu erschließen, braucht es sicher mehrere Versuche, um das entsprechende Buch schätzen zu können. Deswegen haben es einige Superstars im Cocktailparty small talk nicht auf meine Liste geschafft, keine Bibel, kein Shakespeare, kein Sun Tsu, keine göttliche Komödie, kein verlorenes Paradies, keine Ilias. Ich habe mich da zwar überall mal versucht, durchzukämpfen, aber das will ich echt niemanden empfehlen. Nach wochenlangem Gewürge durch die Gesänge der Ilias war mein Fazit nur, dass die coolen Geschichten des Trojanischen Krieges vor oder nach dem Buch passiert sein müssen, ich wartete bis zur letzten Seite auf das Pferd. Das soll nicht heißen, dass das Buch nicht lesenswert und relevant sei, ganz im Gegenteil, aber in meine persönliche Top 5 ist es nicht geraten.

Bei 1984 denken immer alle nur an Überwachung,  die zahlreichen fantasiebenannten Behörden kommen mir in alltäglichen Referenzen zu kurz.
Bei 1984 denken immer alle nur an Überwachung, die zahlreichen fantasiebenannten Behörden kommen mir in alltäglichen Referenzen zu kurz.

George Orwell, Nineteen Eighty-Four, 1984 / Neunzehnhundertvierundachtzig, veröffentlicht 1949

Dieses Buch sollte man gelesen haben, um die ständigen aktuellen Referenzen nachvollziehen zu können. Videoüberwachung vor dem Kaufhof? 1984-Verhältnisse! NSA liest Emails? 1984-Verhältnisse! Interpretierbare Fakten in einem Geschichtsbuch? 1984-Verhältnisse!
Ich glaube, dass die 1984-Rufer oft gar nicht speziell dieses Buch meinen, sondern es exemplarisch für die Vielzahl von dystopischen Zukunftsvisionen nennen. Animal Farm, Brave New Word, Fahrenheit 451; all das sind lesenswerte Bücher, 1984 ist aber das Aushängeschild. Und das durchaus zu recht, von den genannten ist George Orwells Roman von 1949 mein Favorit der hoffnungslosen Zukunftsvisionen.

Unter dem Strich ist meine Liste recht wahllos geworden, ich habe mehr oder weniger fünf Bücher herausgesucht, die ich sowohl allgemein lesenswert, als auch relevant finde. Für besonders gute Bücher halte ich nicht alle, aber literarische Qualität ist für mich kein K.O.-Kriterium bei einer Empfehlung. In der Tat sind es alles auch keine ausgesprochenen Lieblingsbücher von mir, aber die Aufgabenstellung beschrieb ja Bücher, die man gelesen haben sollte, nicht Bücher, die mir gut gefallen. Das wäre ein ganz anderer – und gegebenenfalls recht eintöniger Artikel.
Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr so recht, warum es genau diese fünf geworden sind, seit dem Losschreiben sind mir fünf weitere eingefallen, die eigentlich noch lesenswerter sind. Das finde ich allerdings tröstlich, es gibt eigentlich immer noch fünf weitere Bücher, die man gelesen haben sollte.

Je länger man liest, desto schlimmer und gruseliger stellt man sich das Anwesen in Sturmhöhe vor.
Je länger man liest, desto schlimmer und gruseliger stellt man sich das Anwesen in Sturmhöhe vor.

Emily Brontë, Wuthering Heights, Sturmhöhe, veröffentlicht 1847

Dieses Buch sollte man gelesen haben, weil jeder wissen sollte, welche der Brontë-Schwestern besser ist. Im direkten Vergleich der jeweils populärsten Werke, Wuthering Heights und Jane Eyre, gewinnt Emilys Sturmhöhe bei mir. Mir gefallen die doppelte Erzählerperspektive und die Generationen überspannende Handlung, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie verstörend schonungslos das Buch beim Erscheinen 1847 gewirkt haben muss. Die Erzähltechnik wirkt viel moderner als bei anderen Büchern des 19. Jahrhunderts, ganz anders als bei den tediös realistischen Gesellschaftsromanen, die so einschlägig für das britische 19. Jahrhundert sind. So recht gibt es in Wuthering Heights keine sympathischen Personen, keine Hauptheldin, was den Verlauf des Buchs so trostlos wie das darin beschriebene Wetter macht.
Übrigens, wahrscheinlich war dies das erste Mal, dass ich ein ë getippt habe. Und dann gleich drei mal!

Links aus dem Artikel:
Religionsverteilung in Deutschland
Anteil Bibelleser
Leidenschaftliche Beschreibung der Ilias (Video, Englisch, 14 Minuten)

Wikipedia zu:
Verbrechen und Strafe
Der Ekel
No Logo!
1984
Sturmhöhe

88. Oscarverleihung

Was ich in der Berichterstattung über die Oscarverleihung nie wieder lesen möchte: "Unser Mann in Hollywood"
Was ich bei der Berichterstattung über die Oscarverleihung nie wieder lesen möchte:
„Unser Mann in Hollywood“

Ich bin schockiert, dass offenbar noch keiner auf das mittelmäßige Wortspiel kam, aus dem Slogan der diesjährigen Verleihung “We all dream in gold” ein “We all dream in white” zu machen.
Diese Zeilen werden veröffentlicht, während die 88. Oscarverleihung gerade läuft, ich schreibe das also, bevor wir wissen, wer was gewonnen hat. Allerdings können wir sicher sein, und das war auch das große Thema im Vorfeld des Events, der Oscar für den besten Hauptdarsteller wird an einen weißen Mann gehen. Beste Hauptdarstellerin? Weiße Frau. Passend wird als beste Nebendarstellerin eine weiße Frau ausgezeichnet werden. Keine Überraschung beim besten Nebendarsteller, weißer Mann, gegebenenfalls sogar Sylvester Stallone, was ich neben aller Rassismusdiskussion sehr verstörend fände.
Der beste Film wird generell sehr weiß sein, soll vor allem heißen, dass es Straight Outta Compton nicht sein wird. Immerhin werden dessen vier weiße Drehbuchschreiber eine Chance auf das beste Originaldrehbuch haben.
Die größte Abwechslung gibt es bei der besten Regie, einer der fünf nominierten Regisseure ist aus Mexiko. Immerhin wird keine Frau gewinnen, das relativiert die Diversität doch ein wenig.

"Stars und Sternchen"
„Stars und Sternchen“

Die Farblosigkeit der Nominierungen wurde intensiv diskutiert. Viel mehr als die gewöhnlichen Prognosen, war effektive Ausschluss von schwarzen Schauspielern das Thema der Berichterstattung. Und wie zu erwarten, ist dies ein polarisierenden Thema mit sehr verschiedenen Meinungen. Schnell gab es die unvermeidlichen Statistiken, die zeigen, wie hoch der Anteil von schwarzen, asiatischen, lateinamerikanischen Leuten an der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung ist, und den Ansatz, diese Quote auf die Oscarnominierungen umzulegen. Diese Strategie provoziert natürlich eine Gegenargumentation, dass man dann ja gleich passend zur Quote die Auszeichnungen herschenken könne, dass es dann auf die jeweilige Leistung gar nicht ankäme. Was natürlich in den USA, wo competitiveness ja quasi teil der gemeinschaftlichen DNA ist, selbst den dort Linkesten suspekt vorkommt.

"Leonardo DiCaprio&quot:
„Leonardo DiCaprio hat wieder nicht gewonnen“

Mit so einer schwarz-weißen Sichtweise kommt man ja zu nichts, daher differenzierter.
Der Oscar geht ja weder an den erfolgreichsten Film eines Kinojahres, noch an einen von den Kritiken als den besten Film eingeschätzten Film, sondern an den Film, der einer Jury von knapp 6000 Personen am besten gefallen hat. Oder von dessen Produzenten sich die Mehrheit der 6000 Personen hat bestechen lassen, aber das ist ein anderes Thema.
Die jurierenden 6000 sind Clubmitglieder, die hauptberuflich irgendwie beim Film arbeiten. Vor allem Schauspieler, aber auch Kameraleute, Beleuchtung, Ton, Make Up und so weiter. Diese 6000 sind nicht veröffentlicht, aber nach einer 2012er Statistik sind 94 % davon weiß, 77 % sind Männer, da liegt die Schlussfolgerung nah, dass eine Gruppe von weißen Männern natürlich nur weiße Männer für begehrte Preise auswählt. Oder notgedrungen auch weiße Frauen, wenn die Kategorien “Beste Haupt- und Nebendarstellerin” es erforderlich machen. Immerhin, bei den “kleinen” Kategorien wie Kostüm und Make Up sind Frauen offenbar auch wählbar.
Und genau an der Stelle soll jetzt die Lösung für die unausgeglichen weiße Auswahl der Nominierungen angesetzt werden – die Jury soll diverser zusammengestellt werden, mit mehr Frauen, Schwarzen, Latinos und Asiaten. So soll sichergestellt werden, dass die Quotierung der auswählenden Personen eine Entsprechung des Kinopublikums ist.

Ich bin mir aber gar nicht sicher, dass das viel ändern sollte. Ich finde die Unterstellung, dass ein weißer Juror ausschließlich weiße Männer in Filmen gut findet, und dass sich auch das Kinopublikum nur mit der eigenen Rasse und dem eigenen Geschlecht zurechtfindet, klingt einleuchtend – aber ist meiner Meinung nach nicht zutreffend.
Hinter zehn Filmen, die irgendwie menschliche Antagonisten haben, ist Shrek 2 der finanziell elfterfolgreichste Film aller Zeiten in den USA. Ich wage zu bezweifeln, dass viele Oger die Einnahmen an den Kinokassen klingeln ließen. Also scheint es doch die menschliche Fähigkeit zu geben, einen Film gut zu finden, obwohl der Hauptdarsteller nicht der eigenen Rasse und dem eigenen Geschlecht entspricht. Wenn sich Millionen von Kinogängern mit einer grünen, computeranimierten Figur identifizieren können, warum dann nicht mit einem Menschen mit anderer Hautfarbe?

Ob es also hilft, als Maßnahme die Jury heterogener zu besetzen, mit dem Ziel, dass die Demographie des Auswahlkomitees der der gesamten Kinogänger in den USA entspricht?
Ich hoffe eigentlich, dass diese Maßnahme nichts bringt. Ein Erfolg würde ja nur bestätigen, dass selbst professionelle Filmschaffende nur das gut finden, was zu ihrem Geschlecht, Ihrer Hautfarbe und Herkunft passt – und das fände ich ziemlich peinlich. Und außerdem ist das natürlich ein sehr nationaler Ansatz, der internationale Kinogänger wäre dann ja im Umkehrschluss egal.
Überhaupt wäre es doch merkwürdig, wenn die Oscar-Jury farbenfroh besetzt würde, während die überragende Mehrheit der in Hollywood produzierten Filme doch schneeweiß daherkommt.

"Auf dem roten Teppich" Übrigens, Fotos haben nichts mit dem Thema zu tun, bitte nicht nach Sinn suchen.
„Auf dem roten Teppich“
Übrigens, Fotos haben nichts mit dem Thema zu tun, bitte nicht nach Sinn suchen.

Neben Straight Outta Compton war Beasts of No Nation mit Idris Elba in Nebenrolle der Film, dessen Fehlen bei den Nominierungen kritisiert wurde. Neben der ausschließlich schwarzen Besetzung, die inkompatibel zur Juryzusammensetzung sein soll, bleibt mir unklar, ob der Film überhaupt bei der Oscarauswahl berücksichtigt werden könnte. Die Regeln dafür erscheinen mir relativ komplex, ein Film muss soundsolang in den amerikanischen Kinos gelaufen sein, um nominiert werden zu dürfen. Beasts of No Nation kam nur sehr eingeschränkt in den Kinos, dafür kam er gleichzeitig auf Netflix raus. Ich finde die Frage interessant, ob Filme, deren Verleih von streaming services wie Netflix übernommen werden, für den Oscar berücksichtigt werden dürfen. Denn ist das derzeit vor allem ein Modell für Serien, aber zukünftig wird es sicher zunehmend Filme geben, die trotz Onlinepremiere qualitativ gut genug sind, um der bis dann farbenfrohen Jury gut genug zu gefallen, um eine Nominierung zu bekommen.
Bis dahin kann sich dann ohnehin keiner mehr über irgendwelche rassistisch motivierten Entscheidungen beschweren, schließlich durfte uns Chris Rock ja schon mehrfach bei der Verleihungszeremonie unterhalten. Diese Begründung gab es allerdings vor 50 Jahren auch schon.

Links aus dem Artikel nochmal zum weiterlesen:
Statistik zum Thema Film und Rasse
Zusammensetzung der Jury 2012
Finanziell erfolgreichste Filme aller Zeiten
Hollywood whitewashing
Entertainment vor 50 Jahren

TV Tipp: „Ewige Helden“

So hier dann auch mal ein seichtes Thema, das gute alte Fernsehen. Frau Horst und ich gucken seit einiger Zeit „Ewige Helden“ auf VOX. Am Anfang war es eher so „Mal schauen wie die sich zum Affen machen“. Aber mittlerweile gucken wir die Sendung sehr gern.

Worum geht es? 10 ehemalige Sportstars (Welt-, Europameister, Olympiasieger, Sportler des Jahres) verbringen eine nette gemeinsame Zeit in einer Finca in Andalusien. Das ist natürlich noch nicht alles. Wäre auch echt langweilig. Nein, Sie treten in jeder Folge in 3 Disziplinen zu einem Thema (Ausdauer, Durchhaltevermögen, Teamgeist, Strategie etc.) an. Die Disziplinen gehen von „Steintürmchen bauen“ über „Tauchen“ bis hin zu „Nagel einschlagen“. Die Sportler kriegen jeweils Punkte und am Ende des Tages müssen die Beiden mit den wenigsten Punkten zu einem Nightgame. Dabei wird versucht eine Glaskugel im Feld des Gegners so unterzubringen, dass sie kaputtgeht. Der Verlierer verlässt die Show.

Wer sind die Sportler?

Einziges Manko aus meiner Sicht ist, die Spezialisierung auf Einzelsportler. Der einzige Teamplayer der dabei ist/war, ist/war Thomas „Icke“ Häßler. Allerdings musste der kleine Mann gleich als erstes gehen. Wahrscheinlich hätte er sonst das Training zu Let’s Dance nicht geschafft. Ansonsten ist die Leichtathletik stark vertreten mit Frank Busemann (10 Kämpfer), Danny Ecker (Stabhochsprung), Heike Drechsler (Weitsprung), Lars Riedel (Diskuswurf). Dazu kommen der Traithlet Faris al-Sultan und die Snowboarderin Nicola Thost. Die zweite Wintersportlerin ist Biathletin Uschi Disl. Aus dem Schwimmbecken ist noch Britta Steffen dabei. Und der Haudrauf darf mit Markus Beyer auch nicht fehlen. Zumindest meine Generation und älter dürfte mindestens einen der 10 kennen.

Die Show?

Tatsächlich ist die Sendung so schön schlicht. Es gibt keine Zickereien. Wie Frau Horst aufgefallen ist, laufen die fast alle immer ungeschminkt rum und unterstützen sich gegenseitig. Mal abgesehen von der Thost, die den Sinn eines Wettkampfes teilweise nicht verstanden hat. In jeder Sendung wird dann natürlich auch noch die sportliche Geschichte von 2 Protagonisten erzählt. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es bei jedem Tiefschläge gab, die aber symphatischerweise auch bei den Anderen zu Tränen führen.

Fazit:

Ich finde die Show sehr erfrischend vor allem wegen den symphatischen Sportlern (Nr.1 Herr Busemann), die zeigen, dass sie nur normale Menschen sind. Seichte angenehmens Abendfernsehen. Okay perfekt ist die Sendung natürlich nicht. Um den wirklich besten der Ewigen Helden rauszufinden, hätte man auf das Rausschmeißen verzichten sollen. Mal abgesehen davon, dass das Nightgame nicht nur langweilig sondern auch saugefährlich ist. Auch die Regel einzelner Spiele sind teilweise unglücklich gewählt. Genauso wie übrigens auch Frau Moschner als Moderatorin. Da bitte für die zweite Staffel (sofern es denn aufgrund der mangelnden Zuschauer eine gibt)  nachbessern

World Press Photo of the Year 2015

Was stell ich denn für Fotos zu diesem Thema ein? Ich will ja nicht den Eindruck erwecken, meine Bilder hätten etwas mit dem World Press Photo zu tun.
Was stell ich denn für Fotos zu diesem Thema ein? Ich will ja nicht den Eindruck erwecken, meine Bilder hätten etwas mit dem World Press Photo zu tun.

Für mich ist die Bekanntgabe des World Press Photo of the Year immer eine große Sache, und endlich ist wieder ein Jahr herum – seit 18. Februar wissen wir, was das Weltpressefoto des Jahres 2015 ist.
Für diejenigen, die zu bequem sind, dem Link oben zu folgen: World Press Photo ist eine gemeinnützige Stiftung, die seit 1955 das Weltpressefoto des Jahres durch eine Jury auswählt und auszeichnet. Diese Dekorierung gilt als höchste Würdigung im Fotojournalismus, die Liste enthält so gut wie alle Reportagefotografien, die sich in unser kollektives Gedächtnis der letzten 60 Jahre eingebrannt haben.
Neben meinem Interesse am Thema Fotojournalismus, dem ich sicher noch einen eigenen Artikel widmen werde ist die fast ununterbrochene Kontinuität noch mehr als bei den schon mehrfach angesprochenen James-Bond-Filmen eine Gelegenheit, Zeitgeist und gesellschaftliches Interesse am Verlauf der Weltpressefotos der jeweiligen Jahre abzulesen. Und dies sowohl bezogen auf die Sujets der ausgezeichneten Bilder, als auch auf den stilistischen Wandel im Laufe der Zeit. Und gerade das zweite ist ein großes Thema der letzten Jahre gewesen.

Mein Lösung: Pressefotos sind Bilder als Ergänzung des geschriebenen, um mich davon abzugrenzen, nehme ich Bilder von Geschriebenem.
Mein Lösung: Pressefotos sind Bilder als Ergänzung des Geschriebenen, um mich davon abzugrenzen, nehme ich Bilder von Geschriebenem.

Während das Dauerdiskussionsthema bei Reportagefotografien für gewöhnlich die Ethik des Themas war, explodierte nach der Auswahl des Photo of the Year 2012 eine sich schon lange anbahnende Auseinandersetzung zu der Frage, wann ein Foto noch ein Foto ist. Das Anfang 2013 für das Vorjahr ausgezeichnete Foto ist einem Maße nachbearbeitet, dass es fast schon einem Gemälde gleicht – und die Überlegung provoziert, was es ist, das Fotojournalismus ausmacht. Geht es um eine gutes Foto oder um eine wahrheitsgetreue Dokumentation? Kann ein ein Bild – das so lange in Photoshop editiert wurde, dass es überall perfekt ausgeleuchtet ist, dass alle Personen perfekten Teint haben, dass alles im Bild aussieht, als sei es inszeniert – überhaupt als Reportagefotografie dienen oder ist dies per se mehr Kunst als Journalismus? Kann es Fotojournalismus überhaupt in Photoshop und CGI noch geben? Romantisieren wir die Vergangenheit, in der wir alle Pressefotografen zu Heroen stilisieren, die in Lebensgefahr durch Kugelhagel robbten, um mit einem in seiner Imperfektion perfekten Bild unsere Aufmerksamkeit auf ein unangenehmes Thema zu lenken? Und auch stilistisch, soll ein Foto aus einem Krisengebiet überhaupt so gut aussehen?

"Jeder Star, Ich jetzt" wäre ein guter Name für ein medienkritisches Buch.  Keine Ahnung, was auf der vollständigen Werbung stand.
„Jeder Star, Ich jetzt“ wäre ein guter Name für ein medienkritisches Buch. Keine Ahnung, was auf der vollständigen Werbung stand.

Die letzte der Fragen kann jeder ja für sich selbst beantworten. Mir selbst gefallen überschärfte, super ausgeleuchtete, sauber aussehende Fotos generell nicht gut – und gerade im Zusammenhang mit einer Berichterstattung aus einem Unruhegebiet halte ich das stilistisch für nicht passend. Aber das ist halt Geschmackssache, ich mag auch kein HDR mit allen Reglern auf 11, die Sehgewohnheiten der Allgemeinheit scheinen da zu differieren, sonst wäre Trey Ratcliff nicht so erfolgreich.
Es ist sicher eine normale Entwicklung, durch die Durchsetzung der digitalen Bildbearbeitung und deren Weiterentwicklung bieten sich plötzlich neue Möglichkeiten, die es vorher noch nicht gab. Und es wäre ja blöd, diese nicht zu benutzen. Und klar, neue looks reizen und prägen die Sehgewohnheiten, und so bewertet das Publikum dann auch ein Foto nach seiner Schärfe, Farbenfreude und Perfektion, weil dies die sich entwickelnden Trends der letzten Jahre waren. Aber wie bei jedem Trend folgt ein Gegentrend. Jetzt, da jeder mit einer billigen Kamera und ein bisschen Bildbearbeitung ein better-than-real-life-Bild zusammenbauen kann, floriert eine Gegenkultur, die das ruppige, unschärfe und körnige Foto der Vergangenheit verehrt. Daher wäre meine Einschätzung, dass ganz von allein Fotos wie das unrühmliche Gemälde von Paul Hansen aus dem Wettbewerb verschwinden würden, ganz ohne Gegenmaßnahmen, weil sich die Jury an zu hübschen Fotos sattgesehen hat.

Ich finde, das "cheap" ist ein wenig zurückhaltend in der Reihung.
Ich finde, das „cheap“ ist ein wenig zurückhaltend in der Reihung.

Nach dem Aufschrei über das zu perfekte Foto des Jahres 2012 gab es dann letztes Jahr noch elementarere Probleme beim Weltpressefotowettbewerb, da eine hohe Anzahl von Teilnehmern – unter anderem auch der Gewinner einer Kategorie disqualifiziert wurden, weil die Bilder so weit editiert waren, dass sie als nicht mehr wahrheitsgetreu qualifiziert wurden. Und das natürlich war ein Problem, was jedem nachvollziehbar war. Und recht schnell wurde auch da das allmächtige Photoshop als Ursache festgelegt. Das editieren von Bildern, um etwas anderes als die Realität darzustellen, nennt man ja schließlich sogar photoshoppen…
Aber das finde ich zu kurz gegriffen, schließlich gab es auch in analogen Zeiten Bildbearbeitung. Und das nicht zu knapp. Wenn man sich die Zwischenarbeitsschritte berühmter Bilder etablierter Fotografinnen und Fotografen ansieht, fällt auf, dass das aufgenommene Negativ nur der Anfang für die Arbeit am gewünschten Bild war. Und festzulegen, wann eine Bildbearbeitung nur dient, damit das Bild besser aussieht, und ab welchem Zeitpunkt das Bild durch das Editieren einen anderen Inhalt bekommt, ist schwierig bis unmöglich.
Selbst die berühmten Bilder des Gottes der ungestellten Fotografie, Henri Cartier-Bresson, sind so beschnitten und bewedelt worden, dass sie gefielen und stellen trotz ihrer unscharfen-grobkörnigen Spontanität genauso das Ergebnis von gezielter Bearbeitung dar, wie das Gazastreifengemälde von 2012.
Aber passend zu dieser Diskussion des letzten Jahres kam dann die Trendwende im echten Leben, als mit Reuters eine der richtig großen Nachrichtenagenturen die Regeln für ihren Anspruch an Fotografien änderte.
Auch hier ein paar erklärende Vorworte die nonaficionados: Als Fotografienoob nimmt man – verkürzt dargestellt – seine Bilder als jpeg auf. Das ist dann eine handliche, anschaubare Bilddatei, die man ganz toll bei Facebook hochladen oder bei der Familie auf dem neuen Fernseher zeigen kann. Im Gegensatz dazu, als Profifotograf speichert man seine Fotos als raw. Das sind die aufgenommenen Rohdaten, die kann man zwar nicht so einfach anschauen, dafür lassen sie extrem viele Möglichkeiten für die Nachbearbeitung. Und da Nachbearbeitung in digital wie auch schon zuvor in analog ein Großteil des Fotos ausmacht, ist raw das dedizierte Profiformat.
Und genau das wollte Reuters nicht mehr. Freischaffende Fotojournalisten dürfen jetzt ihre Bilder nur noch in der Form von als jpegs aufgenommenen Dateien abgeben. Das heißt, die Profis müssen aufnehmen, wie der oben beschriebene Fotografienoob. Reuters verspricht sich davon, dass die Bearbeitungszeit zwischen Aufnahme und Veröffentlichung deutlich kürzer ausfällt – und dass die weniger bearbeiteten Fotos mehr Kredibilität haben.

Das Geschäft dazu war schon lange geschlossen. Ich wüsste gar nicht, wo ich heute Därme kaufen  könnte, wenn ich welche bräuchte.
Das Geschäft dazu war schon lange geschlossen. Ich wüsste gar nicht, wo ich heute Därme kaufen könnte, wenn ich welche bräuchte.

Als diese Dinge zielen in die gleiche Richtung, Pressefotografie soll wahrheitsgetreuer, weniger hochglänzend, näher an den jetzt idealisierten Gegebenheiten vergangener Tage sein. Und diese Bewegung kulminiert in der Auswahl des World Press Photos 2015. Der jetzt gekürte Gewinnerbeitrag von Warren Richardson zur Flüchtlingskrise ist ein unscharfes, grobkörniges, nachts aufgenommenes Foto, was wie der pixelgewordene Wunsch nach mehr Glaubwürdigkeit, Nähe und Realismus aussieht. Damit sollten die Diskussionen der letzten Jahre verstummen, denn dieses Bild sollte alle kritischen Stimmen verstummen lassen.
Schade nur, dass man gar nicht mehr so richtig auf den Inhalt des Bildes achtet, während man schaut, ob das Bild in angemessenen Maße nachgearbeitet wurde…

Fluch oder Segen?

Nach den 1139 Wörtern die sich mehr mit dem Mysterium Menstruation an sich beschäftigen, nun mein kleiner Versuch auf das Wunschthema Menstruationsbeschwerden einzugehen.

Wie schon treffend festgestellt wurde, sind auch meine Erfahrungen zu dem Thema eher Second-Hand und dann auch noch mit dem männlichen Auge betrachtet. Man(Frau) möge mir verzeihen. Meine erste Erfahrung mit dem Wort Menstruationsbeschwerde geht auf die 6. oder 7. Klasse zurück. Ich hatte allerdings keinen Enrico Lange (wenn wir den Namen in jedem Artikel benutzten, wird der Mann noch weltbekannt) sondern eher Mitschülerinnen die pünktlich zur Sport- oder Schwimmstunde „Menstruationsbeschwerden“ hatten. Gut damals hieß das noch „Mädchenprobleme“ und scheinbar konnten die nicht nur mehrmals monatlich auftauchen, sondern konnten sich an und abschalten lassen. Zumindest war sie 3 Stunden später am Baggersee wieder verschwunden. Kein Wunder das bei uns da Missverständnisse aufkommen.

Aber warum schreib ich das überhaupt? Zum Einen brauchte ich einen Einstieg in das Thema und zum Anderen war eine der ersten Erkenntnisse bei den Recherchen zu dem Artikel, dass bei Menstruationsbeschwerden Sport hilft. War es also nur eine billige Ausrede der Mitschülerinnen und die Menstruationsbeschwerden sind nur ein willkommener Segen? Oder ist es doch ein Fluch wie uns die Weiblichkeit erfolgreich weisgemacht hat?Vieles können Frauen auf die Arbeitsweise Ihres Körpers schieben. Keine Lust auf Sportunterricht? Regelbeschwerden. Kein Bock auf das Date? Regelblutung und kein Tampon dabei -> muss schnell nach Hause. Sexueller Unlust? „Ich hab meine Tage“.

Allein schon beim Lesen des Wikipedia Artikel zu Menstruationsbeschwerden hab ich das Gefühl, der Begriff ist ein Sammelbecken für alle Formen der physischen und psychischen Beschwerden. Spätestens beim Thema PMS könnte man glauben, jemand hat sich einen Scherz mit den Frauen erlaubt. Durch diese unglaubliche Vielzahl an Symptomen, die teilweise vollkommen widersprüchlich sind (“ Appetitlosigkeit oder Heißhunger“), sollte PMS in einer eigenen Wissenschaft ergründet werden und nicht einfach nur als Aussagensammelbecken von gelangweilten, abzockenden Gynäkologen dienen. Ich stell mir das ungefähr so vor. Die Frau kommt zum Gynäkologen. Der fragt erst gar nicht nach den Beschwerden, sondern in welcher Phase des Monatszyklus die Dame sich befindet. Ist die Dame vor der Regelblutung ist es PMS, während der Blutung gibts n Schmerzmittel und nur im Falle das die beiden Sachen nicht zutreffen, hört sich der Arzt die Beschwerden an. Ich schreibe hier mit Absicht DER Arzt, denn bis vor wenigen Jahren war der Großteil in der Gynäkologie noch männlich. Mittlerweile geht der Trend aber wohl zur weiblichen Frauenärztin. Finde nur ich das komisch, dass jahrzehntelang Männer Frauen behandelt haben, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen was da vor sich geht (also auf rein emotionaler Ebene zumindest)? Das wäre ja so, als ob eine Frau ernsthaft die Gefahr der weit verbreiteten oftmals lebensgefährlichen Männergrippe bzw. Männerschnupfens einschätzen könnte. Vielleicht sind viele der Symptome gar nicht auf die Menstruation zurückzuführen sondern es ist wirklich was kaputt?

Menstruationsbeschwerden können also sehr wohl Segen sein für die Frauen, als einfache Ausrede für alles. Aber eben auch Fluch weil der Mann an sich, damit nichts anfangen kann. Er weiß nicht wie schmerzhaft, anstrengend oder auch emotional aufwühlend diese Phase sein kann. Er wird es auch nie verstehen und dementsprechend auch nie richtig würdigen/bemitleiden können, geschweige denn ernst nehmen.

Menstruationsbeschwerden

Wie Bienen und Blüten ein angemessener Erklärungsversuch sein sollten, konnte ich nie nachvollziehen.
Wie Bienen und Blüten ein angemessener Erklärungsversuch sein sollten, konnte ich nie nachvollziehen.

Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Es fällt mir schwer, zu akzeptieren, dass Personen, die so viel jünger als ich sind, dass sie in den frühen Neunzigern noch keine Fernsehwerbungen sahen, nichts mit diesem Zitat anfangen können und mich stattdessen verstört anschauen, wenn ich darauf hinweise, dass irgendetwas eine Geschichte voller Missverständnisse ist. Spätestens, wenn ich ein erläuterndes “Ich meine die O.B.-Werbung” hinterherwerfe, lande ich auf der “creepy old guy”-Liste.
Glücklicherweise gibt es das Weltkulturerbe Youtube, um diese Wissensdefizite zu kompensieren.

Wie ironisch, dass gerade eine Tamponwerbung Menstruationsmissverständnisse annörgelte, wo doch eben jene Werbespots neben altertümlicher Literatur und den Ausführungen von Enrico Lange auf dem Schulhof der siebten Klasse größter Grund für Missverständnisse war. Für mich jedenfalls.
Denn die Annahme, dass menstruierende Frauen vor allem in hellen Sachen herumhüpfen oder diversen dekorativen Outdooraktivitäten nachgehen, so wie ich es häufig im Fernsehen sah, fand ich bisher im echten Leben noch unbestätigt. Auch die diskrete Menge blauer Flüssigkeit, die dem Anschein nach in der Hand abgegeben wird…
Stopp! Zu “Tamponwerbung ist doof” gibt es ausreichend Artikel im Internet. Das brauche ich nicht zu schreiben.

Gegebenenfalls hat dieses Bild etwas mit dem Thema des Artikels zu tun.
Gegebenenfalls hat dieses Bild etwas mit dem Thema des Artikels zu tun.

Da ich mich als Freund der übertriebenen Kritik von einem Thema mit “…beschwerden” trotzdem angezogen fühle, schreibe ich mal ganz unabhängig von bereits bestehender Tamponwerbungskritik weiter. Und da ich mich ja so gern in meinem eigenen Herumgemosere wälze, kommen erstmal meine Beschwerden.
Als “Menstruationsbeschwerden” als Themenwunsch in die nagelneue Wunschbox fand, ging ich davon aus, dass es mindestens halb als Scherzvorschlag gedacht war. Da ich quasi live bei der Vorschlagsidee dabei war, bin ich sogar ziemlich sicher, dass der Vorschlag von einem herausfordernden Lachen begleitet wurde, als er eingetippt wurde. Denn die Vorstellung ist natürlich witzig, wir würden über Menstruationsbeschwerden schreiben. Aber warum eigentlich?

Vielleicht ist die Vorstellung eines Beitrags zum Thema skurril, weil alles zum Thema Menstruation ein Nicht-Thema ist. Genau so schwer, wie sich die Produktionsfirma der O.B.-Werbung tut, die Periode anders als unfreiwillig komisch darzustellen, tun sich ja eigentlich alle Medien. Es gibt entweder die Entscheidung, dass man darüber nicht spricht, oder die offensive Taktik, stets begleitend darauf hinzuweisen, dass man trotz des Tabus darüber spricht. Mir gefällt beides nicht sonderlich. Beim stetigen Hinweis auf das Tabu, was man gerade bricht, manifestiert sich dieses weiter – allerdings mache ich ja gerade auch nichts anderes.
Zum Themenkomplex “Tabu Monatsblutung” gibt es ja mittlerweile erfrischend viele Untersuchungen und Erklärungsansätze. Da ich mich nicht für eine entscheiden will, hier drei gängige Versionen, bitte kreuzt die für Euch am sinnvollsten klingende Variante an:

  • Das Tabu ist ein Tabu, weil das männliche Meinungs- und Medienmonopol den weiblichen Körper und dessen exklusive Funktionen als suspekt empfindet, und seinen Berührungsängsten mit dem Thema nachgibt. So mischt sich Nichtkenntnis mit Furcht vor der Andersartigkeit und wir hören nichts mehr von Menstruation. Zwar sind gibt es mittlerweile einen Anteil von durch Frauen gesteuerte Medien, die schon lange bestehende Tabuisierung besteht allerdings weiter.
  • Das Tabu ist ein Tabu, weil wir, Männer wie Frauen, Blut in fast allen Fällen mit etwas negativem assoziieren. Verletzungen, Wunden, Unfälle, alles Vorkommnisse, die wir nicht mit einem hochgereckten Daumen in unserem Leben begrüßen. Und diese Abneigung zu negativen, blutbasierten Events projizieren wir auf die monatliche Blutung.
  • Das Tabu ist ein Tabu, weil wir alle bewusst oder unbewusst durch irgendeine monotheistische Religion geprägt sind. Und monotheistischen Religionen ist inhärent, dass es zwei verschiedene Varianten der AGBen gibt. Eine lockere Variante, die für Männer gilt, sowie die strenge Variante für die Damen. Und so kommt es auch, dass wir alle schon ab der Früherziehung unserer Kinder zwei konträre Moralvorstellungen haben. Kleine Jungen dürfen unbehelligt mit ihren Geschlechtsorganen, denen wir viele Spitznamen geben, herumspielen, während wir versuchen, kleinen Mädchen die Information vorzuenthalten, dass sie überhaupt ein Geschlecht haben. Dieser zweigeteilte Umgang zieht sich dann bis ins Erwachsenenalter weiter.
Der weibliche Körper. Ein detailliertes und akkurates Schaubild.
Der weibliche Körper. Ein detailliertes und akkurates Schaubild.

Während der Recherche für den Beitrag – und mit Recherche meine ich das Gelegentliche Lesen von Blogposts auf meinem Telefon – fühlte ich mich häufig, als würde ich durch die Unterlagen eines Vereins rascheln, dessen Mitglied ich nicht bin. Und ich mag keine Vereine, deswegen störte ich mich daran. Wie hieß es schon in “Skulls”, dem 2000er Flop, der ein gelungener Werbespot für den Rudersport war und mich bestärkte, dass Joshua Jackson in allen Rollen “Pacey” heißen sollte: “If it’s secret and elite, it can’t be good.”.
Sehr häufig sind Artikel, Meinungen, Posts ausschließlich von Frauen an Frauen adressiert, was ja vollkommen OK ist, aber sicherlich der Normalisierung des Themas nicht voranhilft. Ich finde die Frau, die einen zornigen Beitrag zum Thema “männliche Zyklusignoranz” mit “Hallo Mädels” titelt genau so impertinent, wie ihren beschriebenen Partner, der “nur wissen will, wann es nicht geht”. Ihr habt einander verdient. Leider finde ich den Post nicht mehr zum Verlinken, ein Nachteil meiner fluiden Recherchemethodik.
Auch gibt es verhältnismäßig wenig von Männern geschriebenes zum Thema Menstruation. Vermutlich, weil es keine eigenen Erfahrungen dazu gibt, aber das stört bei anderen Themen ja auch nicht. Ich kann auch halbstundenlang über die Auswirkungen der Sauerstoffarmut am Mount Everest auf den menschlichen Körper referieren, während ich in der Rheintiefebene sitze. Ist ja keine Raketentechnik. Und selbst über Raketentechnik kann man schreiben, ohne Wernher von Braun zu sein.

Das Nagelstudio, existiert auch weitgehend ohne männliches Wissen darüber.
Das Nagelstudio, existiert auch weitgehend ohne männliches Wissen darüber.

Jetzt habe ich fast den ganzen Artikel damit verplempert, zu ergründen, warum das Thema ein komisches und / oder schwieriges ist. Ich sollte langsam zum Thema Menstruationsbeschwerden selbst kommen, bevor alle eingeschlafen sind.
Schon das Wort finde ich nicht passend für den schmerzenden Aspekt des Themas. Also den zweiten Teil des Wortes, “Beschwerden” klingt so nebensächlich. Wenn ich Rückenbeschwerden habe, ist es ein bisschen unangenehm, wenn es mehr ist, habe ich Rückenschmerzen. Und nach meiner, zugegebenermaßen second hand-Erfahrung, lassen sich die als Beschwerde betitelten Krämpfe häufig auf der rechten Hälfte der Schmerzskala einordnen.
Im Gegensatz zu den vor kurzem beschriebenen Linkshändern gibt es zum Thema Regelschmerzen nur sehr wenige und oft sehr fragwürdige Statistiken.
Kostprobe? Bei 45 % bis 95 % aller Frauen treten Regelschmerzen auf. Ich frage mich, wie sich so eine Streuung bei einer Befragung ergeben kann.
12 % der 500 Frauen, 1963 befragt wurden, litten unter starken Regelschmerzen. Genau. Nur 500 Befragte. Vor über 50 Jahren. Und das sind die besseren Suchtreffer, immerhin gibt es dort eine Quelle für die Zahl, die meisten Angaben sind einfach so dahingeschrieben.
Immerhin scheinen all die nebulösen Zahlen in die gleiche Richtig zu deuten, ein Großteil aller Frauen leidet unter Regelschmerzen, aber nur ganz wenige versuchen, diesen medikamentös zu begegnen.

Mittlerweile habe ich schon meinen selbst vorgegebenen Rahmen von 1000 Wörtern satt gesprengt, und hab noch nicht mal mit den nicht-schmerzbezogenen Menstruationsbeschwerden wie Körpergefühl und Kleidungswahl, Sozialakzeptanz, Ausstattung öffentlicher Toiletten, … angefangen.
Ich muss aber ja auch was für den Doppelartikel von Horst aufheben. Von wegen Scherzthema.

Linke Sportler

Als ich die aktuelle Challenge vom Hasen vorgesetzt bekommen hab, dachte ich nur, dass wird nix. Dazu fällt mir nix ein.  Dann hab ich aber doch eine überraschende Parallele zwischen Hase und Horst gefunden.

Auch ich wollte eine Zeit lang Linkshänder sein. Gute bei mir hat es nichts mit Kunst oder Kreativität zu tun. Wer meine Bilder aus der Schulzeit sieht, könnte meinen, dass war ein Rechtshänder der mit Links gemalt hat. Und auch sonstige künstlerische Begabung sucht man bei mir vergebens. Aber ich wollte mit Links Bälle werfen können. Linkshänder haben es im Handball viel einfacher als Rechtshänder, weil die Konkurrenz nicht so groß ist. Wie oft hab ich mich geärgert, wenn der Trainer mich ausgewechselt oder gar nicht erst aufgestellt hat, während der Linkshänder mangels Alternativen weiter Fahrkarten schießen durfte. Der einzige Spieler, mit dem ich zusammenspielen durfte, der es später zu Nationalmannschaftsehren gebracht hat, war ein Linkshänder.

Gibt es also im Sport große Unterschiede zwischen links und rechts und wie wirkt sich das auf die Chance der Linkshänder aus?

Fangen wir an mit der Volkssportart Fussball und der Frage, sind Linkshänder auch gleichzeitig Linksfüssig. Tatsächlich habe ich bis zu diesem Artikel nie darüber nachgedacht. Es fällt auch weniger auf, ob man Links- oder Rechtsfuß ist, außer man spielt Fussball. Ich bin z.B. auch immer mit dem linken Fuss abgesprungen, aber den Ball hab ich trotzdem mit Rechts geschossen. Um die Frage zu beantworten, ja im Normalfall sind Linkshänder auch Linksfüßer. Zwar wird heute bei der Ausbildung der Spieler viel Wert auf Beidfüßigkeit gelegt, aber dennoch sind die Problempositionen, aufgrund der mangelnden Alternativen, doch eher links (vor allem in der Abwehr) zu suchen. Einen richtigen Linken ersetzt auch ein antrainierter Rechter nicht. Der Mangel an Linksverteidigern führt derzeit dazu, dass immer öfter von 4er auf 3er Kette (zurück-)gestellt wird. Und als Nebeneffekt sind die Linksverteidiger auch teurer als ihre Pendants auf der rechte Seite. Von daher denke ich, dass bei gleicher Eignung ein Linksfuss/händer eher Karriere machen wird als ein Rechsfuss/händer.

Bei den meisten Wintersportarten ist es wahrscheinlich bis auf „Kleinigkeiten“ eher unerheblich ob Links oder Rechts. Beim Biathlon würde mir Simon Eder als sogenannter Linksschütze einfallen. Einziger Nachteil ist wahrscheinlich die Sonderanfertigung des Gewehrs für Linksschützen. Allerdings fällt das ab einem gewissen Level nicht mehr ins Gewicht, weil alle Gewehre auf die Athleten zugeschnitten werden. Achja und ragt halt aus der Maße am Schießstand heraus, weil er genau andersherum liegt/steht. Beim Eishockey gibt es auch wie beim Fussball Positionen in denen Linkshänder Vorteile gegenüber den Rechtshändern haben. Allerdings ist es dort nicht so stark ausgeprägt wie z.B. beim Handball. Dort ist es ganz klar vom Vorteil, wenn man auf der rechten Seite Linkshänder hat. Auch hier gilt wieder, wenig Angebot, viel Nachfrage, so dass es die wenigen Linkshänder vielleicht einen Tick leichter haben.

Einen massiven Vorteil kommt hinzu, wenn es um Interaktion mit einem Gegner geht, wie z.B. Boxen, Tennis, Tischtennis, Fechten aber auch Volley- und Handball. Da der Großteil der Bevölkerung mit der rechten Hand agiert, ist auch das Training meistens auf rechtshändige Gegner eingestellt. Und selbst das Hirn kann die Bewegungen/Angriffe/Schläge einer Rechtshand besser antizipieren, als die der Linkshand. Klar weil das Gehirn (des Rechtshänder) ja weiß, was man selbst in diesem Augenblick machen würde. Dazu kommt, dass man im Training (aufgrund des größeren Angebotes) meistens mit Rechtshändern zu tun hat, so dass die Erfahrung gegen Linkshänder weitaus geringer ist und damit weniger Automatismen in den Bewegungen gegen Linkshänder drin sind. Das geht übrigens auch Linkshändern so, die gegen Linkshänder agieren. Ein weitere Vorteil für den Linkshänder ist oftmals die Taktik, die mehr auf Rechtshänder ausgerichtet ist. Da sei als Beispiel der Block beim Hand- oder Volleyball genannt, der darauf abzielt, „den Weg“ des Balles von der rechten Hand zum Ziel zu versperren.

Zum Abschluss noch ein paar sportliche Zahlen und Funfacts.

10-15% der Weltbevölkerung sind Linkshänder, beim Tennis,Tischtennis,Badminton, manchen Fechtdisziplinen, Boxen, Baseball und Cricket gehören aber 25 – 55 % dieser Randgruppe an

Maradonnas Hand Gottes 1986 war die linke Hand

Berühmte linkshändige Sportler sind z.B. Martina Navratilova, Monica Seles, Muhammad Ali,Henry Maske, Mesut Özil.