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Feb
20
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Ein im Herbst gestartetes Fernsehseriendrama ist Revenge, läuft seit September auf ABC und scheint erfolgreich genug zu sein, um weiter produziert zu werden. Geschrieben ist das ganze von Mike Kelley, der vorher einzelne Folgen O.C. und Providence geschrieben und produziert hat – und mit Revenge seine erste komplette Serie ausgedacht hat.
Der Inhalt ist einfach erzählt: Die kleine Amanda Clark wohnte mit ihrem Vater in einer sorgenfreien Welt in den Hamptons auf Long Island. Doch plötzlich plötzlich entspann sich eine Intrige, die ihren Vater als Terrorist beschuldigte und ihn ins Gefängnis und in Folge in den frühen Tod trieb. Die kleine Amanda verbrachte die folgenden Jahre in einer rauen Jugendstrafanstalt. Sie nutzte die Zeit, um einen genauen Racheplan auszuarbeiten. Um es für die zukünftigen Opfer und die Zuschauer etwas schwieriger zu machen, tauschte sie Namen und Identität mit einer Mitinsassin und so wurde aus der des Vaters beraubten Amanda Clark zu rachesuchende Emily Thorne, die zurück in ihr altes Haus in die Hamptons zieht, um mal richtig aufzuräumen.
Das klingt alles sehr nach Graf von Montechristo meets Kill Bill. Um es ein wenig zeitgemäßer zu gestalten werden noch ein paar gleichaltrige Spielgefährten für die Rächerin auf die Insel geworfen. Diese haben aber relativ wenig mit ihrer to-kill-Liste zu tun. Diese Liste besteht nämlich zunächst aus der etwas gealterterten High Society der Hamptons – angeführt von einer etwas in die Jahre gekommenen Madeleine Stowe, die vor Intrigantität (ja, das ist das einzig passende Wort) kaum laufen kann. Und so vergeht Folge um Folge und irgendwer stirbt, der mal entfernt mit der Inhaftierung von Papa Clark zu tun hatte.
Ansich könnte das eine wirklich spaßige Serie sein. Allerdings kommt der Spaß bei mir aus mehreren Gründen nicht so recht an.
Zunächst: Der Graf von Montechristo ist ein cooler Typ. Ohne Frage. Die namenlose Uma Thurman in Kill Bill? Keine Diskussion. Doch die rachesuchende Emily Thorne (Emily VanCamp aus Everwood) ist einfach langweilig. Sie wirkt weder sonderlich böse noch irgendwie attraktiv oder interessant. Im Vergleich kommt die fernsehfilmgestählte Madeleine Stowe als mitreißende Charakterdarstellerin rüber. Der Rest des casts steht in Farblosigkeit kaum nach.
Um dieses Defizit auszugleichen wird in Revenge ein Stilmittel angewandt, was man am besten aus mexikanischen Telenovelas kennt – man lässt die Darsteller von bösen Charakteren einfach mal jeden Satz wie ein Bösewicht aus Austin Powers aussprechen. Und so wird jede Wortmeldung von Frau Stowe zu einer immer gleichen Abfolge von “vielsagenden Starren – ganz langsames Aussprechen eines Satzes – vielsagendes Starren – böses Grinsen”. Das gleiche für alle Leute der Serie, die etwas Böses im Schilde führen. So weiß der handlungsherausgeforderte Zuschauer immer ganz genau, wann er denken soll, “Hui, die ist aber böse!”. Dieser Stil sorgte bei mir die ersten fünf bis zehn Mal für unfreiwillige Komik, mit der Zeit nutzt sich dieser Effekt allerdings ab. Passend dazu wird allzu überdramatische Hintergundmusik eingesetzt, um zu verdeutlichen, was Sache ist.
Auch bei der weiteren Handlung soll der Zuschauer nicht überfordert werden, größere Überraschungen spart man sich lieber. Jede Folge ist nicht viel mehr als Abfolge von statisch wirkenden Dialogszenen, unterlegt mit mysteriös aufwühlender Musik. Allerding bin ich überzeugt, dass man diese Serie auch ohne Ton schauen kann und dennoch 75 % der Dialoge deuten kann.
Um die Sache abzurunden, gibt es zum Ende jeder Episode noch einen zusammenfassenden bis philosophischen Off-Kommentar der Hauptheldin. Als überzeugter Abschluss-Off-Kommentar-Hasser ist das für mich der finale Dealbreaker – wenn ich mir nach einer vorhersagbaren und vollkommen übererklärten Episode noch mal von einer Stimme aus dem Off erklären lassen muss, was ich die letzten 40 Minuten passiert ist und was das für mich zu bedeuten hat, mag ich eine Serie nich.
Deshalb ist Revenge für mich eine hübsch bebilderte Montechristo-Variante mit langweiligen Leuten, die mich nach keiner Folge mit Vorfreude auf die nächste Woche zurücklässt. Alles wirkt wie die Hochglanzvariante eines sehr günstigen Fernsehfilms.

Februar 20th, 2012 at 13:53
Aber aber das kann ich doch garnich gucken, so im fernsehen, oder?
Februar 20th, 2012 at 15:59
Ich bin zuversichtlich, dass das bald übersetzt und im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird
März 9th, 2012 at 23:34
schreib neuen kommentar oder so, wenn du da was mitkriegst..