Sinistralität

Eins der Bilder im Artikel ist gespiegelt und damit gar keine linke Hand. Genieß die Ungewissheit.
Eins der Bilder im Artikel ist gespiegelt und damit gar keine linke Hand. Genieß die Ungewissheit.

Alle, die nicht wissen, was der Titel dieses Artikel bedeutet, heben bitte die Hand.
Und jetzt bitte schauen, welche Hand oben ist. Wenn es die linke ist, Treffer, genau darum geht es in diesem Artikel. Linkshändigkeit.
Es ist schwierig, etwas über Sinstralität zu lesen, was keine mit Sätzen verbundene Statistik ist. Das meiste sind Aneinanderreihungen von Prozentwerten. Deswegen werde ich versuchen, auf Prozente vollkommen zu verzichten.
Um trotzdem eine ungefähre Vorstellung zu entwickeln, stell Dir einen Raum mit sieben Personen drin vor. Nach der optimistischsten Statistik ist einer davon ein Linkshänder. Auf der anderen Seite: Wenn diese Personen im Raum die letzten sieben US-Präsidenten sind, sind fünf davon Linkshänder. Das wirkt gar nicht verhältnismäßig.

Ich traf beim Studium eine junge Frau, die sich ganz eindeutig rechtshändig verhielt. Schrieb, kämmte, zeigte mit rechts. Allerdings, so erfuhr ich von ihr, war auch sie eine geborene Linkshänderin, die ihre Sinistraliät nicht auslebte, da sie von der Gesellschaft diskriminiert wurde.
Außerdem war sie eine wiedergeborene Hexe.
Nicht dass das was miteinander zu tun hat, aber Linkshändigkeitswunsch und Okkultes scheint kein unbeliebtes Kombomenü zu sein.

Diese linke Hand äußert ihre Meinung.
Diese linke Hand äußert ihre Meinung.

Selbst nach langem Überlegen fallen mir nur sehr wenige Linkshänder ein, die ich kannte oder kenne. Dafür habe ich eine lange Liste von Leuten, die eine Stunde am Stück davon reden können, dass sie ja eigentlich linkshändig zur Welt kamen, aber von der Gesellschaft zur Rechtshändigkeit gezwungen wurden. Meist schließt sich daran die Schlussfolgerung an, dass nur durch diese Umerziehung statt des nächsten Andy Warhol nur der nächste Sparkassenschalterangestellte aus einem geworden ist. Denn nach meiner Erfahrung ist dies das Stereotyp, Linkshänder sind kreativer.
Das dachte ich auch, und weil ich in meiner Kindheit das feste Ziel hatte, Künstler zu sein, “wenn ich mal groß bin”, gab es eine Phase in meinem Leben, in der ich versuchte, mich auf Linkshänder umzuerziehen, in der Hoffnung, dieser umgekehrte Weg würde zum Ergebnis haben, dass ich an Kreativität und an Erfolgswahrscheinlichkeit meines Berufsplans gewänne. Doch während mein komplettes Umfeld offenbar erfolgreich von links auf rechts korrigiert werden konnte, mir gelang das Gegenteil nicht. Während ich meine Geschicklichkeit mit rechts schon nur schmeichelhaft als ausreichend bezeichnen würde, mit links ging gar nichts. Und so war ich ein elfjähriger, dem häufig das Essen von der Gabel in der rechten Hand fiel, während das Messer in Linken bedrohlich auf den Tischnachbarn deutete. Glücklicherweise setzte bald danach die Pubertät ein und damit meine Beschäftigung mit meiner beruflichen Zukunft aus.
Immerhin könnte ich jetzt jammern, dass ich jetzt nur am metaphorischen Sparkassenschalter arbeiten muss, statt im weißblonden Toupet teure Bilder zu signieren, weil ich mich nicht zum Linkshänder umerziehen konnte. Denn in der Tat, nach all den Studien scheinen Linkshänder tendenziell anteilig eher in kreativen Berufen zu finden sein, als Rechthänder. Diese verdienen wiederum im Schnitt ein Zehntel mehr, was aber gegebenenfalls auch etwas über den finanziellen Ertrag kreativer Berufe aussagt.

Um zu überprüfen, ob meine Selbsteinschätzung, dass ich ohne Frage ein Rechshänder bin, auch wahr ist, gibt es natürlich Onlinetests. Interessanterweise gibt es diese Tests wohl nur auf Linkshänderseiten. In dem einen habe ich 1 / 4, im anderen 3 / 14 Punkten. Das heißt jeweils, dass ich ganz klar Rechtshänder bin, aber immerhin nicht der rechtshänderigste Rechtshänder, den man sich vorstellen kann. Nur so lässt sich auch erklären, dass ich überhaupt ausreichend Kreativität habe, diese Zeilen zu tippen, bevor ich morgen wieder an den Sparkassenschalter muss.

Offenbar hat sich der erste König von Juda post fight mit Links in den Schritt gefasst, um Goliat zu verhöhnen.
Offenbar hat sich der erste König von Juda post fight mit Links in den Schritt gefasst, um Goliat zu verhöhnen.

Neben der vermeintlich gesteigerten Kreativität gibt es ein paar unschöne Nebeneffekte, Linkshänder sind häufiger krank, neigen eher zum Alkoholismus und haben vergleichweise häufiger “mental issues”. Wobei ich denke, all diese Statistiken bedeuten ja nicht, dass Sinistralität dafür ursächlich ist. Wenn ich mit einer verkehrtherummen Schere schneiden müsste, würde ich mich ständig verletzten und wäre dann krank. Kameras, die für die falsche Hand gemacht sind, trieben mich vielleicht auch in den Alkoholismus. Im Auto den Schalthebel auf der falschen Seite zu finden – davon bekäme ich “mental issues”. Der letzte Punkt erklärt gegebenenfalls auch einige Eigenarten der Briten.

Andere Tests: Ich habe kein dominantes Auge, bei den Ohren ist das linke mein Lieblingsgehörorgan. An einer grün werdenden Fußgängerampel laufe ich meist mit dem linken Bein los. Bälle trete ich mit rechts.
Ich erkenne da kein Muster.

Selbsttest ergab: Touchpad mit Links kann ich. Maus nicht.
Selbsttest ergab: Touchpad mit Links kann ich. Maus nicht.

Also bleibt, entweder ist man kreativ-kränklicher Linkshänder oder ideenlos-besserverdienender Rechtshänder? Nein, es gibt noch die rare Kombination von beidem. Wenn in dem ganz oben beschriebenen Raum statt sieben ganze 100 Personen sind, dann ist einer davon beiderhändig begabt, ambidextrös. Schon das Wort Ambidextrosität klingt exotisch, auch die unvermeidlichen Statistiken zu diesem seltenen Fall lesen sich, als wäre es die Beschreibung einer fremdartigen Elfenrasse in einem Rollenspiel. Ambidextröse Personen haben häufiger sinnesübergreifende Wahrnehmungsfähigkeiten, sind deutlich häufiger bisexuell und neigen vermehrter zu emotionaler Instabilität. Treffen des Ambi-Clubs sind bestimmt eine ausgesprochen interessante Erfahrung.
Vermutlich sind Ambidextrosität und diese Eigenschaften weitgehend unbekannt, sonst gäbe es bestimmt viel mehr Leute, die davon berichten, dass sie umerzogene Ambis sind.

Der letzte Absatz war übrigens ausschließlich mit der linken Hand getippt. Also in meinem Fall mit dem linken Zeigefinger, was gerade mal die Hälfte meines üblichen Zwei-Finger-Systems ist. Dabei kam es mit allerdings so vor, als ob die Mehrzahl der häufig benötigten Buchstaben eher links auf der Tastatur zu finden sind, auch da gibt es sicher eine Statistik zu.
Nach dem Lesen all dieser Statistiken freue ich mich, dass offenbar an ausreichend Universitäten noch genügend Budget übrig ist, um grünes Licht für eine weitere Studie wie “Können Linkshänder besser jonglieren?” zu geben.
Ich glaube, das ist auch ein Fazit meiner Beschäftigung mit dem Thema Sinistralität – Bei so vielen Studien, Statistiken und „surprising facts!“-Klickstrecken, wie es über das Thema gibt, muss bestimmt jeder Linkshänder schon mal ein so einer Untersuchung teilgenommen haben. Dahingehend ist es gut, dass mein Selbstkonvertierungsversuch nicht von Erfolg gekrönt war, auf die Teilnahme an sowas hab ich nämlich gar keine Lust. Dann lieber morgen am Sparkassenschalter stehen und der verpassten Künstlerkarriere nachweinen.

Charlie Harper-freie Suche

Gestern ist hier etwas denkwürdiges geschehen:

In den letzten fünf Suchbegriffen war nicht nur große Abwechslung, sondern vor allem kein einziger, der nach Bier und/oder Charlie Harper gesucht hat. Ich bin glücklich bis schockiert. Das könnte das erste Mal seit dem schicksalsträchtigen Artikel von Horst sein, dass die Suche radebergerfrei ist.

My name is Skwööörl

My Name is Skwööörl

Ich war mir dessen gar nicht bewusst: Offensichtlich können Deutsche nicht „squirrel“ sagen. Grund dafür ist laut des befragten Phonologen, dass unsere deutschen Sprachgewohnheiten den Laut „rl“ stets als Ende des Wortes vermuten. Also sagen wir „Skwööörl“, aber unserem Hirn fällt währenddessen auf, dass das unbefriedigend kurz für ein vermutlich zweisilbiges Wort ist. Also versuchen wir, das Ende des „ööö“s mit einem kräftigen „rrr“ anzureichern. Das endet dann in etwa so:

Oder auch so:

Ich hoffe, dass jetzt jeder nach dem Lesen sofort versucht, laut squirrel zu sagen. Mein Tipp: Wenn es beim ersten Mal komisch klingt, beschließt einfach, dass es vollkommen OK ist, skwööörl zu sagen. Schließlich sind circa 3/4 unserer Wörter für Nichtmuttersprachler gar nicht aussprechbar. Ich werd mal nach Videos suchen, in denen Amerikaner versuchen, Eichhörnchen zu sagen…

(Gelesen bei Life’s Little Mysteries)