Fluch oder Segen?

Nach den 1139 Wörtern die sich mehr mit dem Mysterium Menstruation an sich beschäftigen, nun mein kleiner Versuch auf das Wunschthema Menstruationsbeschwerden einzugehen.

Wie schon treffend festgestellt wurde, sind auch meine Erfahrungen zu dem Thema eher Second-Hand und dann auch noch mit dem männlichen Auge betrachtet. Man(Frau) möge mir verzeihen. Meine erste Erfahrung mit dem Wort Menstruationsbeschwerde geht auf die 6. oder 7. Klasse zurück. Ich hatte allerdings keinen Enrico Lange (wenn wir den Namen in jedem Artikel benutzten, wird der Mann noch weltbekannt) sondern eher Mitschülerinnen die pünktlich zur Sport- oder Schwimmstunde „Menstruationsbeschwerden“ hatten. Gut damals hieß das noch „Mädchenprobleme“ und scheinbar konnten die nicht nur mehrmals monatlich auftauchen, sondern konnten sich an und abschalten lassen. Zumindest war sie 3 Stunden später am Baggersee wieder verschwunden. Kein Wunder das bei uns da Missverständnisse aufkommen.

Aber warum schreib ich das überhaupt? Zum Einen brauchte ich einen Einstieg in das Thema und zum Anderen war eine der ersten Erkenntnisse bei den Recherchen zu dem Artikel, dass bei Menstruationsbeschwerden Sport hilft. War es also nur eine billige Ausrede der Mitschülerinnen und die Menstruationsbeschwerden sind nur ein willkommener Segen? Oder ist es doch ein Fluch wie uns die Weiblichkeit erfolgreich weisgemacht hat?Vieles können Frauen auf die Arbeitsweise Ihres Körpers schieben. Keine Lust auf Sportunterricht? Regelbeschwerden. Kein Bock auf das Date? Regelblutung und kein Tampon dabei -> muss schnell nach Hause. Sexueller Unlust? „Ich hab meine Tage“.

Allein schon beim Lesen des Wikipedia Artikel zu Menstruationsbeschwerden hab ich das Gefühl, der Begriff ist ein Sammelbecken für alle Formen der physischen und psychischen Beschwerden. Spätestens beim Thema PMS könnte man glauben, jemand hat sich einen Scherz mit den Frauen erlaubt. Durch diese unglaubliche Vielzahl an Symptomen, die teilweise vollkommen widersprüchlich sind (“ Appetitlosigkeit oder Heißhunger“), sollte PMS in einer eigenen Wissenschaft ergründet werden und nicht einfach nur als Aussagensammelbecken von gelangweilten, abzockenden Gynäkologen dienen. Ich stell mir das ungefähr so vor. Die Frau kommt zum Gynäkologen. Der fragt erst gar nicht nach den Beschwerden, sondern in welcher Phase des Monatszyklus die Dame sich befindet. Ist die Dame vor der Regelblutung ist es PMS, während der Blutung gibts n Schmerzmittel und nur im Falle das die beiden Sachen nicht zutreffen, hört sich der Arzt die Beschwerden an. Ich schreibe hier mit Absicht DER Arzt, denn bis vor wenigen Jahren war der Großteil in der Gynäkologie noch männlich. Mittlerweile geht der Trend aber wohl zur weiblichen Frauenärztin. Finde nur ich das komisch, dass jahrzehntelang Männer Frauen behandelt haben, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen was da vor sich geht (also auf rein emotionaler Ebene zumindest)? Das wäre ja so, als ob eine Frau ernsthaft die Gefahr der weit verbreiteten oftmals lebensgefährlichen Männergrippe bzw. Männerschnupfens einschätzen könnte. Vielleicht sind viele der Symptome gar nicht auf die Menstruation zurückzuführen sondern es ist wirklich was kaputt?

Menstruationsbeschwerden können also sehr wohl Segen sein für die Frauen, als einfache Ausrede für alles. Aber eben auch Fluch weil der Mann an sich, damit nichts anfangen kann. Er weiß nicht wie schmerzhaft, anstrengend oder auch emotional aufwühlend diese Phase sein kann. Er wird es auch nie verstehen und dementsprechend auch nie richtig würdigen/bemitleiden können, geschweige denn ernst nehmen.

Menstruationsbeschwerden

Wie Bienen und Blüten ein angemessener Erklärungsversuch sein sollten, konnte ich nie nachvollziehen.
Wie Bienen und Blüten ein angemessener Erklärungsversuch sein sollten, konnte ich nie nachvollziehen.

Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Es fällt mir schwer, zu akzeptieren, dass Personen, die so viel jünger als ich sind, dass sie in den frühen Neunzigern noch keine Fernsehwerbungen sahen, nichts mit diesem Zitat anfangen können und mich stattdessen verstört anschauen, wenn ich darauf hinweise, dass irgendetwas eine Geschichte voller Missverständnisse ist. Spätestens, wenn ich ein erläuterndes “Ich meine die O.B.-Werbung” hinterherwerfe, lande ich auf der “creepy old guy”-Liste.
Glücklicherweise gibt es das Weltkulturerbe Youtube, um diese Wissensdefizite zu kompensieren.

Wie ironisch, dass gerade eine Tamponwerbung Menstruationsmissverständnisse annörgelte, wo doch eben jene Werbespots neben altertümlicher Literatur und den Ausführungen von Enrico Lange auf dem Schulhof der siebten Klasse größter Grund für Missverständnisse war. Für mich jedenfalls.
Denn die Annahme, dass menstruierende Frauen vor allem in hellen Sachen herumhüpfen oder diversen dekorativen Outdooraktivitäten nachgehen, so wie ich es häufig im Fernsehen sah, fand ich bisher im echten Leben noch unbestätigt. Auch die diskrete Menge blauer Flüssigkeit, die dem Anschein nach in der Hand abgegeben wird…
Stopp! Zu “Tamponwerbung ist doof” gibt es ausreichend Artikel im Internet. Das brauche ich nicht zu schreiben.

Gegebenenfalls hat dieses Bild etwas mit dem Thema des Artikels zu tun.
Gegebenenfalls hat dieses Bild etwas mit dem Thema des Artikels zu tun.

Da ich mich als Freund der übertriebenen Kritik von einem Thema mit “…beschwerden” trotzdem angezogen fühle, schreibe ich mal ganz unabhängig von bereits bestehender Tamponwerbungskritik weiter. Und da ich mich ja so gern in meinem eigenen Herumgemosere wälze, kommen erstmal meine Beschwerden.
Als “Menstruationsbeschwerden” als Themenwunsch in die nagelneue Wunschbox fand, ging ich davon aus, dass es mindestens halb als Scherzvorschlag gedacht war. Da ich quasi live bei der Vorschlagsidee dabei war, bin ich sogar ziemlich sicher, dass der Vorschlag von einem herausfordernden Lachen begleitet wurde, als er eingetippt wurde. Denn die Vorstellung ist natürlich witzig, wir würden über Menstruationsbeschwerden schreiben. Aber warum eigentlich?

Vielleicht ist die Vorstellung eines Beitrags zum Thema skurril, weil alles zum Thema Menstruation ein Nicht-Thema ist. Genau so schwer, wie sich die Produktionsfirma der O.B.-Werbung tut, die Periode anders als unfreiwillig komisch darzustellen, tun sich ja eigentlich alle Medien. Es gibt entweder die Entscheidung, dass man darüber nicht spricht, oder die offensive Taktik, stets begleitend darauf hinzuweisen, dass man trotz des Tabus darüber spricht. Mir gefällt beides nicht sonderlich. Beim stetigen Hinweis auf das Tabu, was man gerade bricht, manifestiert sich dieses weiter – allerdings mache ich ja gerade auch nichts anderes.
Zum Themenkomplex “Tabu Monatsblutung” gibt es ja mittlerweile erfrischend viele Untersuchungen und Erklärungsansätze. Da ich mich nicht für eine entscheiden will, hier drei gängige Versionen, bitte kreuzt die für Euch am sinnvollsten klingende Variante an:

  • Das Tabu ist ein Tabu, weil das männliche Meinungs- und Medienmonopol den weiblichen Körper und dessen exklusive Funktionen als suspekt empfindet, und seinen Berührungsängsten mit dem Thema nachgibt. So mischt sich Nichtkenntnis mit Furcht vor der Andersartigkeit und wir hören nichts mehr von Menstruation. Zwar sind gibt es mittlerweile einen Anteil von durch Frauen gesteuerte Medien, die schon lange bestehende Tabuisierung besteht allerdings weiter.
  • Das Tabu ist ein Tabu, weil wir, Männer wie Frauen, Blut in fast allen Fällen mit etwas negativem assoziieren. Verletzungen, Wunden, Unfälle, alles Vorkommnisse, die wir nicht mit einem hochgereckten Daumen in unserem Leben begrüßen. Und diese Abneigung zu negativen, blutbasierten Events projizieren wir auf die monatliche Blutung.
  • Das Tabu ist ein Tabu, weil wir alle bewusst oder unbewusst durch irgendeine monotheistische Religion geprägt sind. Und monotheistischen Religionen ist inhärent, dass es zwei verschiedene Varianten der AGBen gibt. Eine lockere Variante, die für Männer gilt, sowie die strenge Variante für die Damen. Und so kommt es auch, dass wir alle schon ab der Früherziehung unserer Kinder zwei konträre Moralvorstellungen haben. Kleine Jungen dürfen unbehelligt mit ihren Geschlechtsorganen, denen wir viele Spitznamen geben, herumspielen, während wir versuchen, kleinen Mädchen die Information vorzuenthalten, dass sie überhaupt ein Geschlecht haben. Dieser zweigeteilte Umgang zieht sich dann bis ins Erwachsenenalter weiter.
Der weibliche Körper. Ein detailliertes und akkurates Schaubild.
Der weibliche Körper. Ein detailliertes und akkurates Schaubild.

Während der Recherche für den Beitrag – und mit Recherche meine ich das Gelegentliche Lesen von Blogposts auf meinem Telefon – fühlte ich mich häufig, als würde ich durch die Unterlagen eines Vereins rascheln, dessen Mitglied ich nicht bin. Und ich mag keine Vereine, deswegen störte ich mich daran. Wie hieß es schon in “Skulls”, dem 2000er Flop, der ein gelungener Werbespot für den Rudersport war und mich bestärkte, dass Joshua Jackson in allen Rollen “Pacey” heißen sollte: “If it’s secret and elite, it can’t be good.”.
Sehr häufig sind Artikel, Meinungen, Posts ausschließlich von Frauen an Frauen adressiert, was ja vollkommen OK ist, aber sicherlich der Normalisierung des Themas nicht voranhilft. Ich finde die Frau, die einen zornigen Beitrag zum Thema “männliche Zyklusignoranz” mit “Hallo Mädels” titelt genau so impertinent, wie ihren beschriebenen Partner, der “nur wissen will, wann es nicht geht”. Ihr habt einander verdient. Leider finde ich den Post nicht mehr zum Verlinken, ein Nachteil meiner fluiden Recherchemethodik.
Auch gibt es verhältnismäßig wenig von Männern geschriebenes zum Thema Menstruation. Vermutlich, weil es keine eigenen Erfahrungen dazu gibt, aber das stört bei anderen Themen ja auch nicht. Ich kann auch halbstundenlang über die Auswirkungen der Sauerstoffarmut am Mount Everest auf den menschlichen Körper referieren, während ich in der Rheintiefebene sitze. Ist ja keine Raketentechnik. Und selbst über Raketentechnik kann man schreiben, ohne Wernher von Braun zu sein.

Das Nagelstudio, existiert auch weitgehend ohne männliches Wissen darüber.
Das Nagelstudio, existiert auch weitgehend ohne männliches Wissen darüber.

Jetzt habe ich fast den ganzen Artikel damit verplempert, zu ergründen, warum das Thema ein komisches und / oder schwieriges ist. Ich sollte langsam zum Thema Menstruationsbeschwerden selbst kommen, bevor alle eingeschlafen sind.
Schon das Wort finde ich nicht passend für den schmerzenden Aspekt des Themas. Also den zweiten Teil des Wortes, “Beschwerden” klingt so nebensächlich. Wenn ich Rückenbeschwerden habe, ist es ein bisschen unangenehm, wenn es mehr ist, habe ich Rückenschmerzen. Und nach meiner, zugegebenermaßen second hand-Erfahrung, lassen sich die als Beschwerde betitelten Krämpfe häufig auf der rechten Hälfte der Schmerzskala einordnen.
Im Gegensatz zu den vor kurzem beschriebenen Linkshändern gibt es zum Thema Regelschmerzen nur sehr wenige und oft sehr fragwürdige Statistiken.
Kostprobe? Bei 45 % bis 95 % aller Frauen treten Regelschmerzen auf. Ich frage mich, wie sich so eine Streuung bei einer Befragung ergeben kann.
12 % der 500 Frauen, 1963 befragt wurden, litten unter starken Regelschmerzen. Genau. Nur 500 Befragte. Vor über 50 Jahren. Und das sind die besseren Suchtreffer, immerhin gibt es dort eine Quelle für die Zahl, die meisten Angaben sind einfach so dahingeschrieben.
Immerhin scheinen all die nebulösen Zahlen in die gleiche Richtig zu deuten, ein Großteil aller Frauen leidet unter Regelschmerzen, aber nur ganz wenige versuchen, diesen medikamentös zu begegnen.

Mittlerweile habe ich schon meinen selbst vorgegebenen Rahmen von 1000 Wörtern satt gesprengt, und hab noch nicht mal mit den nicht-schmerzbezogenen Menstruationsbeschwerden wie Körpergefühl und Kleidungswahl, Sozialakzeptanz, Ausstattung öffentlicher Toiletten, … angefangen.
Ich muss aber ja auch was für den Doppelartikel von Horst aufheben. Von wegen Scherzthema.

Linke Sportler

Als ich die aktuelle Challenge vom Hasen vorgesetzt bekommen hab, dachte ich nur, dass wird nix. Dazu fällt mir nix ein.  Dann hab ich aber doch eine überraschende Parallele zwischen Hase und Horst gefunden.

Auch ich wollte eine Zeit lang Linkshänder sein. Gute bei mir hat es nichts mit Kunst oder Kreativität zu tun. Wer meine Bilder aus der Schulzeit sieht, könnte meinen, dass war ein Rechtshänder der mit Links gemalt hat. Und auch sonstige künstlerische Begabung sucht man bei mir vergebens. Aber ich wollte mit Links Bälle werfen können. Linkshänder haben es im Handball viel einfacher als Rechtshänder, weil die Konkurrenz nicht so groß ist. Wie oft hab ich mich geärgert, wenn der Trainer mich ausgewechselt oder gar nicht erst aufgestellt hat, während der Linkshänder mangels Alternativen weiter Fahrkarten schießen durfte. Der einzige Spieler, mit dem ich zusammenspielen durfte, der es später zu Nationalmannschaftsehren gebracht hat, war ein Linkshänder.

Gibt es also im Sport große Unterschiede zwischen links und rechts und wie wirkt sich das auf die Chance der Linkshänder aus?

Fangen wir an mit der Volkssportart Fussball und der Frage, sind Linkshänder auch gleichzeitig Linksfüssig. Tatsächlich habe ich bis zu diesem Artikel nie darüber nachgedacht. Es fällt auch weniger auf, ob man Links- oder Rechtsfuß ist, außer man spielt Fussball. Ich bin z.B. auch immer mit dem linken Fuss abgesprungen, aber den Ball hab ich trotzdem mit Rechts geschossen. Um die Frage zu beantworten, ja im Normalfall sind Linkshänder auch Linksfüßer. Zwar wird heute bei der Ausbildung der Spieler viel Wert auf Beidfüßigkeit gelegt, aber dennoch sind die Problempositionen, aufgrund der mangelnden Alternativen, doch eher links (vor allem in der Abwehr) zu suchen. Einen richtigen Linken ersetzt auch ein antrainierter Rechter nicht. Der Mangel an Linksverteidigern führt derzeit dazu, dass immer öfter von 4er auf 3er Kette (zurück-)gestellt wird. Und als Nebeneffekt sind die Linksverteidiger auch teurer als ihre Pendants auf der rechte Seite. Von daher denke ich, dass bei gleicher Eignung ein Linksfuss/händer eher Karriere machen wird als ein Rechsfuss/händer.

Bei den meisten Wintersportarten ist es wahrscheinlich bis auf „Kleinigkeiten“ eher unerheblich ob Links oder Rechts. Beim Biathlon würde mir Simon Eder als sogenannter Linksschütze einfallen. Einziger Nachteil ist wahrscheinlich die Sonderanfertigung des Gewehrs für Linksschützen. Allerdings fällt das ab einem gewissen Level nicht mehr ins Gewicht, weil alle Gewehre auf die Athleten zugeschnitten werden. Achja und ragt halt aus der Maße am Schießstand heraus, weil er genau andersherum liegt/steht. Beim Eishockey gibt es auch wie beim Fussball Positionen in denen Linkshänder Vorteile gegenüber den Rechtshändern haben. Allerdings ist es dort nicht so stark ausgeprägt wie z.B. beim Handball. Dort ist es ganz klar vom Vorteil, wenn man auf der rechten Seite Linkshänder hat. Auch hier gilt wieder, wenig Angebot, viel Nachfrage, so dass es die wenigen Linkshänder vielleicht einen Tick leichter haben.

Einen massiven Vorteil kommt hinzu, wenn es um Interaktion mit einem Gegner geht, wie z.B. Boxen, Tennis, Tischtennis, Fechten aber auch Volley- und Handball. Da der Großteil der Bevölkerung mit der rechten Hand agiert, ist auch das Training meistens auf rechtshändige Gegner eingestellt. Und selbst das Hirn kann die Bewegungen/Angriffe/Schläge einer Rechtshand besser antizipieren, als die der Linkshand. Klar weil das Gehirn (des Rechtshänder) ja weiß, was man selbst in diesem Augenblick machen würde. Dazu kommt, dass man im Training (aufgrund des größeren Angebotes) meistens mit Rechtshändern zu tun hat, so dass die Erfahrung gegen Linkshänder weitaus geringer ist und damit weniger Automatismen in den Bewegungen gegen Linkshänder drin sind. Das geht übrigens auch Linkshändern so, die gegen Linkshänder agieren. Ein weitere Vorteil für den Linkshänder ist oftmals die Taktik, die mehr auf Rechtshänder ausgerichtet ist. Da sei als Beispiel der Block beim Hand- oder Volleyball genannt, der darauf abzielt, „den Weg“ des Balles von der rechten Hand zum Ziel zu versperren.

Zum Abschluss noch ein paar sportliche Zahlen und Funfacts.

10-15% der Weltbevölkerung sind Linkshänder, beim Tennis,Tischtennis,Badminton, manchen Fechtdisziplinen, Boxen, Baseball und Cricket gehören aber 25 – 55 % dieser Randgruppe an

Maradonnas Hand Gottes 1986 war die linke Hand

Berühmte linkshändige Sportler sind z.B. Martina Navratilova, Monica Seles, Muhammad Ali,Henry Maske, Mesut Özil.

 

Sinistralität

Eins der Bilder im Artikel ist gespiegelt und damit gar keine linke Hand. Genieß die Ungewissheit.
Eins der Bilder im Artikel ist gespiegelt und damit gar keine linke Hand. Genieß die Ungewissheit.

Alle, die nicht wissen, was der Titel dieses Artikel bedeutet, heben bitte die Hand.
Und jetzt bitte schauen, welche Hand oben ist. Wenn es die linke ist, Treffer, genau darum geht es in diesem Artikel. Linkshändigkeit.
Es ist schwierig, etwas über Sinstralität zu lesen, was keine mit Sätzen verbundene Statistik ist. Das meiste sind Aneinanderreihungen von Prozentwerten. Deswegen werde ich versuchen, auf Prozente vollkommen zu verzichten.
Um trotzdem eine ungefähre Vorstellung zu entwickeln, stell Dir einen Raum mit sieben Personen drin vor. Nach der optimistischsten Statistik ist einer davon ein Linkshänder. Auf der anderen Seite: Wenn diese Personen im Raum die letzten sieben US-Präsidenten sind, sind fünf davon Linkshänder. Das wirkt gar nicht verhältnismäßig.

Ich traf beim Studium eine junge Frau, die sich ganz eindeutig rechtshändig verhielt. Schrieb, kämmte, zeigte mit rechts. Allerdings, so erfuhr ich von ihr, war auch sie eine geborene Linkshänderin, die ihre Sinistraliät nicht auslebte, da sie von der Gesellschaft diskriminiert wurde.
Außerdem war sie eine wiedergeborene Hexe.
Nicht dass das was miteinander zu tun hat, aber Linkshändigkeitswunsch und Okkultes scheint kein unbeliebtes Kombomenü zu sein.

Diese linke Hand äußert ihre Meinung.
Diese linke Hand äußert ihre Meinung.

Selbst nach langem Überlegen fallen mir nur sehr wenige Linkshänder ein, die ich kannte oder kenne. Dafür habe ich eine lange Liste von Leuten, die eine Stunde am Stück davon reden können, dass sie ja eigentlich linkshändig zur Welt kamen, aber von der Gesellschaft zur Rechtshändigkeit gezwungen wurden. Meist schließt sich daran die Schlussfolgerung an, dass nur durch diese Umerziehung statt des nächsten Andy Warhol nur der nächste Sparkassenschalterangestellte aus einem geworden ist. Denn nach meiner Erfahrung ist dies das Stereotyp, Linkshänder sind kreativer.
Das dachte ich auch, und weil ich in meiner Kindheit das feste Ziel hatte, Künstler zu sein, “wenn ich mal groß bin”, gab es eine Phase in meinem Leben, in der ich versuchte, mich auf Linkshänder umzuerziehen, in der Hoffnung, dieser umgekehrte Weg würde zum Ergebnis haben, dass ich an Kreativität und an Erfolgswahrscheinlichkeit meines Berufsplans gewänne. Doch während mein komplettes Umfeld offenbar erfolgreich von links auf rechts korrigiert werden konnte, mir gelang das Gegenteil nicht. Während ich meine Geschicklichkeit mit rechts schon nur schmeichelhaft als ausreichend bezeichnen würde, mit links ging gar nichts. Und so war ich ein elfjähriger, dem häufig das Essen von der Gabel in der rechten Hand fiel, während das Messer in Linken bedrohlich auf den Tischnachbarn deutete. Glücklicherweise setzte bald danach die Pubertät ein und damit meine Beschäftigung mit meiner beruflichen Zukunft aus.
Immerhin könnte ich jetzt jammern, dass ich jetzt nur am metaphorischen Sparkassenschalter arbeiten muss, statt im weißblonden Toupet teure Bilder zu signieren, weil ich mich nicht zum Linkshänder umerziehen konnte. Denn in der Tat, nach all den Studien scheinen Linkshänder tendenziell anteilig eher in kreativen Berufen zu finden sein, als Rechthänder. Diese verdienen wiederum im Schnitt ein Zehntel mehr, was aber gegebenenfalls auch etwas über den finanziellen Ertrag kreativer Berufe aussagt.

Um zu überprüfen, ob meine Selbsteinschätzung, dass ich ohne Frage ein Rechshänder bin, auch wahr ist, gibt es natürlich Onlinetests. Interessanterweise gibt es diese Tests wohl nur auf Linkshänderseiten. In dem einen habe ich 1 / 4, im anderen 3 / 14 Punkten. Das heißt jeweils, dass ich ganz klar Rechtshänder bin, aber immerhin nicht der rechtshänderigste Rechtshänder, den man sich vorstellen kann. Nur so lässt sich auch erklären, dass ich überhaupt ausreichend Kreativität habe, diese Zeilen zu tippen, bevor ich morgen wieder an den Sparkassenschalter muss.

Offenbar hat sich der erste König von Juda post fight mit Links in den Schritt gefasst, um Goliat zu verhöhnen.
Offenbar hat sich der erste König von Juda post fight mit Links in den Schritt gefasst, um Goliat zu verhöhnen.

Neben der vermeintlich gesteigerten Kreativität gibt es ein paar unschöne Nebeneffekte, Linkshänder sind häufiger krank, neigen eher zum Alkoholismus und haben vergleichweise häufiger “mental issues”. Wobei ich denke, all diese Statistiken bedeuten ja nicht, dass Sinistralität dafür ursächlich ist. Wenn ich mit einer verkehrtherummen Schere schneiden müsste, würde ich mich ständig verletzten und wäre dann krank. Kameras, die für die falsche Hand gemacht sind, trieben mich vielleicht auch in den Alkoholismus. Im Auto den Schalthebel auf der falschen Seite zu finden – davon bekäme ich “mental issues”. Der letzte Punkt erklärt gegebenenfalls auch einige Eigenarten der Briten.

Andere Tests: Ich habe kein dominantes Auge, bei den Ohren ist das linke mein Lieblingsgehörorgan. An einer grün werdenden Fußgängerampel laufe ich meist mit dem linken Bein los. Bälle trete ich mit rechts.
Ich erkenne da kein Muster.

Selbsttest ergab: Touchpad mit Links kann ich. Maus nicht.
Selbsttest ergab: Touchpad mit Links kann ich. Maus nicht.

Also bleibt, entweder ist man kreativ-kränklicher Linkshänder oder ideenlos-besserverdienender Rechtshänder? Nein, es gibt noch die rare Kombination von beidem. Wenn in dem ganz oben beschriebenen Raum statt sieben ganze 100 Personen sind, dann ist einer davon beiderhändig begabt, ambidextrös. Schon das Wort Ambidextrosität klingt exotisch, auch die unvermeidlichen Statistiken zu diesem seltenen Fall lesen sich, als wäre es die Beschreibung einer fremdartigen Elfenrasse in einem Rollenspiel. Ambidextröse Personen haben häufiger sinnesübergreifende Wahrnehmungsfähigkeiten, sind deutlich häufiger bisexuell und neigen vermehrter zu emotionaler Instabilität. Treffen des Ambi-Clubs sind bestimmt eine ausgesprochen interessante Erfahrung.
Vermutlich sind Ambidextrosität und diese Eigenschaften weitgehend unbekannt, sonst gäbe es bestimmt viel mehr Leute, die davon berichten, dass sie umerzogene Ambis sind.

Der letzte Absatz war übrigens ausschließlich mit der linken Hand getippt. Also in meinem Fall mit dem linken Zeigefinger, was gerade mal die Hälfte meines üblichen Zwei-Finger-Systems ist. Dabei kam es mit allerdings so vor, als ob die Mehrzahl der häufig benötigten Buchstaben eher links auf der Tastatur zu finden sind, auch da gibt es sicher eine Statistik zu.
Nach dem Lesen all dieser Statistiken freue ich mich, dass offenbar an ausreichend Universitäten noch genügend Budget übrig ist, um grünes Licht für eine weitere Studie wie “Können Linkshänder besser jonglieren?” zu geben.
Ich glaube, das ist auch ein Fazit meiner Beschäftigung mit dem Thema Sinistralität – Bei so vielen Studien, Statistiken und „surprising facts!“-Klickstrecken, wie es über das Thema gibt, muss bestimmt jeder Linkshänder schon mal ein so einer Untersuchung teilgenommen haben. Dahingehend ist es gut, dass mein Selbstkonvertierungsversuch nicht von Erfolg gekrönt war, auf die Teilnahme an sowas hab ich nämlich gar keine Lust. Dann lieber morgen am Sparkassenschalter stehen und der verpassten Künstlerkarriere nachweinen.

Spectre

Diesmal gibt es Tourifotos aus London mit Bond-Trivia, yay!
Diesmal gibt es bedeutungslose Tourifotos aus London mit Bond-Trivia, yay!

Dies ist ein vollkommen ungeplanter Artikel. Eigentlich wollte ich anfangen, etwas zu Menstruationsbeschwerden zu schreiben, aber dann habe ich gestern Abend Spectre gesehen. Ich weiß, ich bin etwas spät zur Party, aber zum Kinostart war ich krank, und als ich wieder gesund war, lief er nur noch in der synchronisierten Version, und und und. Aber, Segen der neuen Zeit, schon zwei Monate nach der Premiere gibt es den Film online. Damit meine ich legal online, illegal online war er bestimmt auch schon zwei Monate bevor er in die Kinos kam.

Zu meinem Hintergrund, falls vergessen: Ich schaue quasi ständig Bond-Filme, die wenigsten davon halte ich für gut, einen respektablen Anteil würde ich sogar unter “unerträglich” einordnen. Dennoch ist die einmale Langlebigkeit, die mir gut gefällt. Ich halte die kaum unterbrochene Fortführung von den Frühen Sechzigern bis jetzt für eine gute Gelegenheit, gesellschaftliche, soziale, filmische, modische,… – eigentlich so gut wie alle Veränderungen der betroffenen Jahrzehnte abzuleiten.

Für alle, denen auffällt, dass ich letzte Woche noch über Fortsetzungen im Kino meckerte und diese Woche schwärme, wie super eine 24-Teile-Filmserie ist: Stimmt, das klingt für das ungeübte Ohr nach einem Widerspruch.

Gerade mal in zwei Bonds gibt es keine Szene im Londoner MI6-Hauptquartier, You Only Live Twice und Licence to Kill. Bei Dr. No heißt MI6 allerdings MI7.
Gerade mal in zwei Bonds gibt es keine Szene im Londoner MI6-Hauptquartier, You Only Live Twice und Licence to Kill. Bei Dr. No heißt MI6 allerdings MI7.

Um gleich mal die Spannung raus zu nehmen: Ich fand Spectre fürchterlich.In meinem Regal kann er sich zwischen Die Another Day und Moonraker in die Unerträglich-Abteilung stellen. Selbst jetzt, da ich zornig darüber geschlafen habe, mir fällt nichts an dem Film ein, was ich mochte. Spectre versagt bei mir in allen Aspekten.

Fangen wir vorne an. Apropos anfangen, wer den Film noch nicht gesehen hat, bitte jetzt schnell nachholen. Der folgende Text enthält spoiler. Oder nicht weiterlesen, das geht auch.

Wo waren wir? Genau, ganz vorn. Die Eröffnungssequenz. Bei Spectre existiert diese ausschließlich als stilbildende Maßnahme. Für die Charakterentwicklung ist fast, für die Handlung vollständig unnütz. Aber, Stilbildung halte ich auch für legitim, und dafür wird gleich richtig dick aufgetragen. Der Film beginnt mit einer vierminütigen Kamerafahrt durch Mexico City, bevor der erste Schnitt kommt. Das ist schön anzusehen und ob der komplexen Strecke echt beeindruckend, mich hat es allerdings nicht mehr in den Film gesogen, sondern Lust auf das making off gemacht. Aber hübsch gemacht, obwohl ich das colour grading – die Färbung der Bilder – in der Eröffnungssequenz viel zu sandig-erdig-verblasst fand. Aber das ist nur eine Minibeschwerde, bei aktuellen Filmen ist mir alles recht, was nicht das omnipräsente orange-blau ist.

Inhaltlich ist Mexico City auf jeden Fall für den Popo. Nur ein schöner Backdrop, damit Bond den für die Weiterentwicklung der storyunsinnigerweise benötigten italienischen nobody töten kann. Und danach gibt es Vorspann. Da tauchen zu meinem Schock die Leute aus den letzten drei FIlmen auf. Das ist ein bisschen wie bei Sitcoms, in denen der Vorspann auch aus den witzigsten Szenen der letzten Staffel zusammenmontiert wird.

Wer das Titellied von Sam Smith nicht mag, es gab auch einen Versuch von Radiohead, keine Ahnung, ob das besser gewesen wäre.

Als einen der enttäuschendsten Momente des Films empfand ich die Auto-Verfolgungsjagd in Rom. Ich glaube an die Theorie, dass die Sponsoren ihre Produkte nicht mit Unfällen in Verbindung bringen wollen, daher ist die Szene wie schlechter Sex, zwar kann man ein Häkchen an alle formalen Anforderungen an eine Auto-Verfolgungsjagd machen, danach fragt man sich allerdings, ob das wirklich schon alles war. Die trancehafte Harmonie, gemeinsam zügig durch Rom zu fahren, wird die sonderbar chorale Hintergrundmusik unterstützt. Für mich war das allerdings nur eine von mehreren Stellen, in der mir die Musik auffiel, weil sie mich nervte.

Die Witze während der kuscheligen Verfolgung waren ein Flashback in die Siebziger, spätestens das Auftauchen des Italieners im Cinquecento ließ mich wundern, ob nach dem nächsten Schnitt Roger Moore im Aston Martin sitzen würde. Überhaupt kam mir vieles in Spectre wie ein mashup vergangener Bonds vor, was ja bei einer monothematischen Serie unvermeidlich ist, aber irgendwie war mir das zu direkt 1:1 übernommen. Ich bin sicher, einige Dialogzeilen in exakt der gleichen Form in einem Vorgängerfilm gehört zu haben.

Spectre kam 20 Jahre nach Goldeneye raus, welchen ich schon im Kino gesehen habe. Dieser Gedanke lässt mich sehr alt fühlen.
Spectre kam 20 Jahre nach Goldeneye raus, welchen ich schon im Kino gesehen habe. Dieser Gedanke lässt mich sehr alt fühlen.

Eine große Frage bei allen Bonds ist für mich immer “Ist das ernst gemeint?”. Nach ein paar Jahren am Stück werden die Filme regelmäßig so over the top, dass ein reboot zum Erden unvermeidlich wird. Spectre fühlt sich an, als wenn das bald bevorstehen müsste. Das verwundert mich, da sich Casino Royal, Quantum und eingeschränkt auch Skyfall viel Mühe gaben, gritty und bodenständig zu sein. Keine Gadgets, keine Ha-Ha-Witze, mehr Charakterentwicklung. Offenbar hat jemand beschlossen, das für Spectre alles über Bord zu werfen, mit der Ausnahme von gadgets, die immer noch unspektakulär im Hintergrund bleiben. Aber der Rest?

Eine Geheimorganisation, deren Besprechungskultur in den 60ern stecken geblieben ist?

Das Versteck des Bösewichts in Marokko, was ganz offensichtlich aus leicht entflammlichen Sprengstoff gebaut wurde?

Die Schergen, die trotz Waffen keinerlei Gefahr darstellen?
Der unverletzbare Bond, der nur K.O. geht, wenn man es für die Handlung braucht?

Auf die Tochter des netten Bösewichts auspassen, weil sie nur eine Frau ist?

Ich könnte ewig so weiter machen. Ganz offenbar ist die Antwort, dass das nicht ernst gemeint ist. Vielleicht war die Hoffnung, dass sich keiner über den Film lustig macht, weil es einfach zu leicht ist. Spectre ist an der Grenze zwischen James Bond und Austin Powers.

In Spectre taucht Spectre zum sechsten Mal als Bösewichtorganisation auf. Früher hieß Spectre aber noch SPECTRE.
In Spectre taucht Spectre zum sechsten Mal als Bösewichtorganisation auf. Früher hieß Spectre aber noch SPECTRE.

Ich hatte am Abend vor Spectre die letzte Sherlock-Folge gesehen. Sherlock kämpft spätestens seit der dritten Staffel dagegen, eine langweilige Prozeduralserie zu werden, in dem jede Folge noch mehr meta, noch ironischer, noch mehr Post-Sherlock wird. In der letzten Folge ist das so ausgeprägt, dass man vor lauter Metaschichten kaum noch weiß, worum es eigentlich geht. Aber dafür lässt man der Serie jedes Klischee durchgehen, egal wie dick aufgetragen, weil es ja im Zweifel nicht so gemeint ist. Und ganz ähnlich kam mir auch Spectre vor, als ob gleich ein raffinierter Schnitt käme, nach dem zu sehen ist, dass der zuvor gesehene Unsinn mit Bösewichttagungen und Explosionen nur ein Drogentraum eines ehemaligen Agenten ist, der der guten alten Zeit nachweint.

Apropos Sherlock. Mit dem ersten Auftreten von Andrew Scott in Spectre sollte eigentlich jeder wissen: Ah, der ist böse, wir erfahren aber noch, warum. Das ist schade, denn ein bisschen Unklarheit hätte der Handlung echt etwas Reiz geben können.

So bleibt als Aussage des Films, elektronische Überwachung ist schlecht, Terrorismus ist schlecht. Überwachung durch einen Menschen ist gut, Leute im Rahmen von Geheimdiensttätigkeit töten ist auch gut. Warum das einen Unterschied macht, sagen wir nicht.

Ähnlich, wie ich in diesem Artikel ziellos über den Film schreibe, mäandert Spectre durch die länger wirkenden zweieinhalb Stunden. Zu keinem Zeitpunkt musste ich mich fragen, wie es wohl weiter ginge, viel zu gleichmäßig bewegt sich der Film langsam und unvermeidlich voran. Das spannendste ist für mich, ob der nächste Film, Bond #25, dann Totalreinfall oder Reboot ist.

Neues Feature

Da wir gerne mehr schreiben wollen und auch unsere Leser mit einbeziehen wollen, darf man sich jetzt auf der rechten Seite unter den Kommentaren was wünschen. Oder anders gesagt, Beiträge bzw. Beitragsthemen vorschlagen. Dabei sind auch Mehrfachnennungen erlaubt. Je öfter eine Thema vorgeschlagen wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns mit diesem beschäftigen.

Viel Spaß dabei.

Filme 2016

Kino
Fun fact 1: Kodak hatte vier Millionen pro Jahr gezahlt, nur damit der Ort der Oscarverleihung nach ihnen benannt war.

3. Oktober 2013. An diesem Tag war ich zuletzt im Kino. Als Horst “Filme 2016” als Thema für den nächsten Artikel ansagte, wurde mir bewusst, wie wenig Bezug ich zum Thema habe. Natürlich habe ich seit dem aktuelle Filme gesehen, schließlich laufen die gefühlte zwei Wochen nach dem Kinostart schon bei Vudu, Netflix, Amazon, … Aber in meiner sehr subjektiven Vorstellung kamen seit dem 3. Oktober 2013 tausende von Filmen heraus, und die Hälfte davon davon waren Fortsetzungen von Iron Man oder CGI-Kinderfilme. Mit Fortsetzung von Iron Man meine ich im Zweifel sicher all die Comicverfilmungen, die zwar im gleichen Universum spielen, mit den gleichen Akteuren, der gleichen storyline, aber etwas ganz, ganz anderes sind. Daher meine Entschuldigung an die connaisseure.

Kino
Fun fact 2: Die Anzahl der Kinos in Deutschland schrumpft stetig seit über zehn Jahren.

Remember (Startet in den US am 12. Februar, hier weiß ich gar nicht)

Christopher Plummer (dessen Filmographie so divers ist, als wäre sie von einem Zufallsgenerator erstellt worden) als demenzkranker Auschwitzüberlebender, der den für den Tod seiner Familie verantwortlichen Nazi sucht, um ihn zu ermorden.
Nur anhand der story wüsste ich nicht, ob das ein sehr ernster Film oder ein tragischkomischer roadmovie sein wird, der trailer wirkt auf jeden Fall eher getragen.

Um die verpasste Zeit zu überbrücken, habe ich mir mal die Listen der erfolgreichsten Filme der Zwischenjahre angeschaut. Das Jahr 2014 sah im Kino so aus:

  1. Transformers: Age of Extinction
  2. The Hobbit: The Battle of the Five Armies
  3. Guardians of the Galaxy
  4. Maleficent
  5. The Hunger Games: Mockingjay – Part 1
  6. X-Men: Days of Future Past
  7. Captain America: The Winter Soldier
  8. Dawn of the Planet of the Apes
  9. The Amazing Spider-Man 2
  10. Interstellar

Da waren ja gerade mal neun von zehn Filmen Fortsetzungen oder (Neu-)Verfilmungen von bestehendem Content, was für ein innovatives Kinojahr! So sehr Interstellar von 2001: A Space Odyssey und dem Inhalt vorangegangener Nolanfilme inspiriert war, dieser Film war das originelle Highlight dieser Top 10.

2015 war ganz ähnlich:

  1. Jurassic World
  2. Star Wars: The Force Awakens
  3. Furious 7
  4. Avengers: Age of Ultron
  5. Minions
  6. Spectre
  7. Inside Out
  8. Mission: Impossible – Rogue Nation
  9. The Hunger Games: Mockingjay – Part 2
  10. The Martian

Bei Martian als alleinstehender Buchadaption könnte ich ja noch ein Auge zudrücken, aber so richtig neu war nur Inside Out, ein Disney-CGI-Film.

Auch die Anzahl der Kinostandorte befindet sich im freien Fall, das Dorfkino stirbt aus.
Fun fact 3: Die Anzahl der Leinwände dagegen steigt mittlerweile wieder an, soll heißen: Kleine Kinos sterben aus, Multiplexe halten sich.

Valencia (11. März)

Das setting schreit geradezu “low budget”. Frau wird nach Unfall in einem kleinen Kellerraum festgehalten. Mir ist der Film nur aufgefallen, weil er von Dan Trachtenberg ist, der mir aus dem lange nicht mehr laufenden podcast “Totally Rad Show” noch gut in Erinnerung ist. Damals war er ein Typ, der gern Filme machen würde, jetzt ist er ein Typ, der Filme macht. So beruhigend linear kann das Leben doch sein.
Trailer hab ich nicht, dafür einen Kurzfilm von Dan Trachtenberg, auch mit Frau im Keller.

Ich schließe aus den Kinocharts der letzten zwei Jahre, dass sich ein Großteil der Kinogängerschaft derzeit vor allem nach Sicherheit am Kinoabend sehnt. Man will wohl gewohnte Gesichter sehen und duldet Überraschung nur im vorher angesagten Rahmen.
Mich erinnert diese aktuelle Monokultur an die Hollywood-Kinolandschaft der 50er und frühen 60er Jahre. Auch da gab es fast ausschließlich formelhafte Filme in einem Baukastensystem mit den immer wieder gleichen Themen, Darstellern, Produktionen. Statt der Wahl zwischen romantischer Komödie und romatischer Schnulze darf jetzt zwischen Fantasy und SciFi gewählt werden.
Allerdings war Filme machen damals noch ein aufwändiges Unterfangen, so gab es nur ein Monopol von wenigen Studios, die den Markt dominierten. Zwar ist das gerade ähnlich, nur wenige Studios machen die ganz großen Sachen, daneben gibt es jetzt aber eine unüberschaubare Fülle an anderen Produktionen. Es liegt also gerade nicht am mangelnden Angebot. Obwohl im Nachbarkino ein “richtiger Film” lief, gaben Kinobesucher im Jahr 2014 ganz willentlich eine Milliarde Dollar aus, um einen weiteren Teil des Filmremakes einer Fernsehserie zu schauen, die wiederum als Marketingvehikel für Kinderspielzeug lief.
Vielleicht ja ist das genau der Punkt: Was gerade im Kino passiert, ist vielleicht der ultimative Sieg des Fernsehens über das Kino, der Serie über den Film. Die heimelige Vertrautheit, dass Inspector Columbo auch dieses Mal den Mörder findet, hat man jetzt auch im Kino, wenn ein mir nicht bekannter Superheld wieder die Welt rettet. Einziger Unterschied ist, dass man dabei nicht auf der eigenen Couch, sondern in einem Sessel, in den zuvor jemand anders gepupst hat, sitzt. Das passt ja auch ganz gut zur Diskussion, ob Kino seit digitaler Projektion nur noch “TV in public” ist.

Die Anzahl der Kinos in Deutschland schrumpft stetig seit über zehn Jahren.
Fun fact 4: Auch die Anzahl der Kinostandorte befindet sich im freien Fall, das kleine Dorfkino verschwindet.

The Nice Guys (20. Mai)

So very 70s! Und lustige Bärte! Der Film sieht mir zu blöd aus, um auch nur darüber nachzudenken, ob man dafür Geld ausgeben sollte. Ich habe ihn eigentlich nur herausgesucht, um zuzuschauen, wie sehr Russel Crowe und Kim Basinger seit L.A. Confidental gealtert sind.

Serien in Filmform gibt es ja schon immer. Und auch Verfilmungen von Büchern, geschriebenen wie gezeichneten, sind ja auch kein momentanes Phänomen. Ich finde auch einen gewissen Anteil von sicheren Inseln im Meer der Neuerscheinungen durchaus angenehm. Jedoch die aktuell so überwältigende Dominanz vom Gewohnten im Kino diesen verschreckt mich.
Da war ich nun zwei Jahre lang nicht im Kino und lese auch nur wenig zu herauskommenden Filmen, trotzdem traue ich mir zu, für zwei Drittel der Filmplakate am nächsten Mehrsaal-Kettenkino Inhalt und Ende des Films weitgehend korrekt beschreiben zu können.
Glücklicherweise ist ja am Ende des Tunnels immer Licht, auch in den 60ern starben die öden studio systems Filme aus und es folgte eine Phase, in der sich Filme mit revolutionär neuen Ideen überbieten wollten. Das lässt mich hoffen, dass irgendwann auch anderen die gerade erfolgreichen media franchises zu fad sind und sie im Kino in einen Film gehen, bei dem sie noch nicht genau wissen, was sie erwartet.
Ich habe aus der großen Liste der Filme, die 2016 herauskommen, eine handvoll herausgepickt, die auf den ersten und zweiten Blick nicht nach einem Teil einer Serie, einer cross promotion, einer Verfilmung eines comics aussehen. Wobei die Grenzen schwimmend sind, Hail, Caesar! zum Beispiel ist von Idee bis Umsetzung Werk der Coen-Brüder, wirkt aber so sehr wie deren bisherige Filme, dass ich ihn wegen vermutlich mangelnder Innovativität rausließ, obwohl er bestimmt sehr unterhaltsam sein wird.
Insgesamt habe ich mich sehr schwer getan, selbst nach dem Studium einer Liste der 50 most anticipated films of 2016 war gar keiner dabei, den ich wirklich gern sehen wollen würde.
Daher ist es ja gar nicht unpassend, dass ich nicht ins Kino gehe.

Filme 2016 (Horstedition)

Ich geh davon aus, dass ich keinen einzigen Film von dieser Liste im Kino sehen werde.
Ich kann nicht mal mehr sagen welchen Film ich als letztes im Kino gesehen habe. Aber dank der modernen Welt, sieht man
die Filme ja recht schnell on-demand oder bei Sky. Vielmehr wird das eine Vorschlagsliste für Frau Horst und ihren Q-Stall.
Fangen wir also an mit der Kategorie Comicverfilmungen:

Deadpool (Marvel)
Filmstart: 11.02.16
Ist bereits bei den X-Men mal aufgetaucht und wird auch hier wieder von Ryan Reynolds gespielt.
Der Humor im Trailer gefällt mir („Hauptsache der Superheldenanzug ist nicht grün…“).

Batman vs. Superman (DC)
Filmstart: 24.03.16
Ich mag den Superman nicht und ich mag Ben Affleck als Batman nicht. Ach verdammt ich werd den Film trotzdem angucken.

The First Avenger: Civil War (Marvel)
Filmstart: 05.05.16
Ich hab mir doch nicht alle Filme des Marvelunivers (und teilweise die Serien) angeguckt um jetzt aufzuhören. Es wird wahrscheinlich
noch mehr zerstört und noch aussichtsloser Aussehen nur um dann in The Avengers 35 eine noch größere Runde an Superhelden zu haben.

X-Men: Apocalypse (Marvel)
Filmstart: 19.05.16
Zum (vorsicht Wortspiel) x-te X-Men Film braucht man glaub ich nicht viel sagen. Muster ist bekannt. Wird trotzdem geguckt. Allein
schon wegen James McAvoy.

Suicide Squad (DC)
Filmstart: 18.08.16
Böse Superschurken werden mit Aussicht auf Straffreiheit auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Also Das dreckige Dutzend als Comic.

Gambit (Marvel)
Filmstart: 07.10.16
Und nochmal X-Men. Chaning Tatum als Comicheld? Das sind doch gleich zwei Gründe für den Q-Stall 😉

Doctor Strange (Marvel)
Filmstart: 27.10.16
Sagt mir tatsächlich so gar nix. Aber wird bestimmt auch geguckt. Spätestens zu Hause auf der Glotze

Nächste Kategorie sind die Fortsetzungen (außer Comicverfilmungen). Teilweise ohne Kommentar nur als Merker für mich und Frau Horst weil wir die ersten Teile gesehen haben.

Creed – Rocky’s Legacy
Filmstart: 14.01.16
Oder auch Rocky 7. Diesmal geht er überraschenderweise nicht selbst in den Ring sondern bildet den Sohn seines Lieblingsgegners Apollo aus.
Ja was soll man sagen, Herr Stallone wird dieses Jahr 70 und sein Körper wahrscheinlich eher 80. Aber immerhin gabs den Golden Globe als bester
Nebendarsteller. Vielleicht wird ja auf die alten Tage doch noch was mit dem Oscar.

Findet Dory
Filmstart 29.09.16
2. Teil von Findet Nemo.

Die Unfassbaren 2
Filmstart: 18.08.16

Star Trek Beyond
Filmstart: 21.07.16

Bad Neighbors 2
Filmstart: 05.05.16

Nächste Kategorie sind die Filme für Frau Horst und ihren Q-Stall die nicht schon vorher abgehandelt wurden.

The Huntsman & The Ice Queen
Filmstart: 07.04.16

Central Intelligence
Filmstart: 16.06.16
The Rock und Kevin Hart

Die letzte Kategorie sind die sagen wir mal neuen Filme.

Eddie The Eagle
Filmstart: 31.03.16
Ich mag Cool Runnings. Und das ist quasi Cool Runnings auf britisch und beim Skispringen. Der Film basiert auf der Geschichte des echten
Eddie The Eagle der 1988 als erster Britte im Skispringen bei Olympia antratt, und letzter wurde (mit Abstand). Achja und Hugh Jackman
spielt auch mit.

Erschütternde Wahrheit (Concussion)
Filmstart:18.02.16
Will Smith und Alec Baldwin sind der Grund warum der Hase den Film nicht gucken will obwohl es um Football geht.
Tatsächlich geht es um die Gesundheitsschäden durch Football, festgestellt durch einen Pathologen an Leichen.

Legend
Filmstart: 07.01.16
Tom Hardy als Zwillingsbruderpaar die in den 50er und 60er Jahren zu den berüchtigsten Gangster in London werden.

The Big Short
Filmstart: 14.01.16
Bei der Liste der Schauspieler (Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt) ist es fast egal worum es geht.

Green Room
Filmstart:02.06.16
Eine mäßig erfolgreiche Punk Band spielt ein Konzert vor einer Gruppe Neo Nazis (Patrick Stewart als deren Anführer). Dabei stirbt eine
junge Frau und die Nazis wollen natürlich die Punkt Band als Zeugen nicht weglassen aus ihrem sogenannten Green Room

Hail Cesar
Filmstart: 18.02.16
Neues Machwerk der Coen Brüder. Alles dreht sich um einen Filmdreh und die Entführung des Hauptdarstellers (George Clooney)
im Hollywood der 50er. Mit dabei sind u.a. noch Josh Brolin, Scarlett Johansson, Chaning Tatum und Ralph Fiennes.

Wer schreibt 2016 eigentlich noch Blogs?

Als ich anfing mich mit Blogs zu beschäftigen, konnte ich die von mir gelesenen in 3 Kategorien unterteilen.

1. „Mainstream“ Blogs die einfach aufgrund ihrer hohen Position in diversen Blogcharts in meine RSS Liste gewandert sind. Als Beispiele kann man hier sicher Robert Basic, Cache oder Fefe anführen.

2. Spezialitäten-Blogs, also Blogs zu bestimmten Themen, die von den größeren Informationensseiten sträflich vernachlässigt werden/wurden.

3. Zu guter letzt sind da zahlreiche (kleinere) Blogs von Bekannten.

Als erstes ja – ich nutze noch RSS-Feeds.
Im Laufe der Zeit sind viele Blogs aus verschiedenen Gründen aus meiner Liste geflogen. Der häufigste Grund ist sicher Inaktivität. Ich (wir?) habs selbst gemerkt, man wird älter und hat weniger Zeit, weil z.B. Familie gegründet wurde oder der Beruf zeitintensiver geworden ist. Nicht nur, dass die Zeit zum Schreiben begrenzter ist, nein auch die Kreativität leidet darunter und man liest selbst nicht mehr soviel, was wiederum auch die Ideen schwinden lässt.

Einige Blogs sind auch einfach „kommerziell“ geworden. Zumindest so wie ich das für mich definiere. Der Reiz/Spaß/Mehrwert am Blog lesen (und schreiben) liegt für mich darin, dass jemand seine Gedanken  niederschreibt in der Form und auf die Art wie er es für richtig hält. Das reicht allerdings nicht, um Blogs gewinnbringend zu führen. Man unterliegt dem ständigen Druck Content zu liefern. Und dann nicht nur irgendwas, sondern dass was die Leser erwarten. Die Themenvielfalt schwindet und auch die Form muss stimmen um „Werbebanden“ zu füllen. Viele dieser Blogs sind mittlerweile eher sowas wie Magazine.

Laut aktueller Statistik laufen über 1/4 aller Webseiten im großen Internet mittlerweile auf Basis der Blogsoftware WordPress. Das spiegelt allerdings nicht die Anzahl der Blogs im Internet. WordPress hat sich mittlerweile zu einem Content-Management-System entwickelt und hat auf diesem Feld vor allem durch seine Autoupdate Funktion und die schier endlosen Plugins einen Marktanteil von fast 70%.

Zu meiner Freude scheinen einige meiner Blogs im neuen Jahr ebenfalls den guten Vorsatz zu haben, wieder aktiver zu werden. Neue Blogs werden wohl eher nicht in die Liste kommen, da sich heutzutage die Meisten über Twitter, Instagram und facebook mitteilen und das bloggen (genauso wie RSS) in die Jahre gekommen und nicht mehr Hipp ist. Was früher die Blogger sind heute die Youtube Stars.

Um zum Ende nochmal das Thema dieses Posts aufzugreifen, anscheinend schreiben wir 2016 immer noch (oder wieder) an unserem kleinen liebgewonnen Blog. Vielleicht nicht mehr so oft wie früher und wahrscheinlich auch nicht mehr mit ganz sovielen Lesern, aber dafür mit längeren Texten als „früher“ 🙂

Wer liest 2016 überhaupt noch Blogs?

So ist 2016. Da starrt der Restaurantbesucher auf sein Handy, statt die obskure Gottheit über sich wahrzunehmen.
So ist 2016. Da starrt der Restaurantbesucher auf sein Handy, statt die obskure Gottheit über sich wahrzunehmen.

Das habe ich mir selbst eingebrockt, ich habe Horst vorgeschlagen, für ein Horst working Revival etwas zum Thema “Wer liest 2016 überhaupt noch Blogs?” zu schreiben.

Um diesen Artikel anzufangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Vielleicht mit einer Statistik?

Um zunächst nachzuschauen, wie viele Leute noch Blogs lesen, googlete ich “top ranking blogs” und stieß auf die übliche Statistik bei Alexa oder ähnlichem, die die Top 20 oder 15 Blogs auflistete, nebst der monatlichen unique page impressions.
Allerdings überrollte da die Huffington Post alles andere, hat allein so viele Zugriffe wie die Plätze zwei bis fünf kombiniert. Und in meinem Weltbild ist die Huffngton Post gar kein Blog, sondern eine Onlinezeitung oder – zeitschrift. In Deutschland ist die Huff sogar nur eine Alternativ-URL für Focus Online. Also quasi, gegebenenfalls ich habe das etwas vereinfacht aufgefasst. Aber auch die weiteren Plätze sind nicht das, was ich mir unter einem Blog vorstelle, vielmehr diverse Onlineangebote deren Blogcharakter nur davon kommt, dass halt hintereinander weg Content gepostet wird.
Der Start in den Artikel mit einer Statistik fällt also aus, denn so richtig die Blogcharts auch sein mögen, sie passen nicht zu meiner Vorstellung zum Thema Blog.

Um den Rahmen dieses Begriffs zu umreißen, könnte ich ja auch mit einer Definition anfangen.

Das oder auch der Blog /blɔg/ oder auch Weblog /ˈwɛb.lɔg/ (Wortkreuzung aus engl. Web und Log für Logbuch) ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.
(von Wikipedia)

Aber ganz ehrlich? Mit einer Definition anzufangen, klingt nach dem quälenden Vortrag einer Mitschülerin, den man sich an einem Donnerstag Nachmittag, in der siebten oder achten Stunde, im Rahmen des Wahlpflichtfachs “Wirtschaft und Soziales” zum Thema Cournotscher Punkt in der elften Klasse anhören musste. Da hat die stets motivierte Marlene das so schwierig klingende Thema mit einer Definition begonnen, damit auch die Verständnisherausgeforderten in der Klasse gleich wissen, worum es in den nächsten dreißig Minuten gehen würde.
Allerdings – und daran erkennt man, dass ich die Zeit, seit dem ich an jenem imaginären Donnerstag Nachmittag die Definition des Cournotschen Punktes rezitiert bekam, in Jahrzehnten und nicht mehr in Jahren zählen kann – hätte die imaginäre Marlene damals nicht Wikipedia, sondern die lokale Bibliothek für die Definition bemüht. Ich gehe sogar davon aus, dass es in einer heutigen elften Klasse gerade die verständnisherausgeforderten Mitschüler sind, die halbherzig aus Wikipedia kopieren.
Daher scheidet eine Definition als Start in den Artikel auch aus, schließlich will ich ja nicht als fauler Elftklässler rüberkommen.

Die dritte Möglichkeit, und damit das Ende meines Skillsets, routiniert in ein Thema zu führen, wäre eine eigene Anekdote, eine Erzählung mit persönlichem Bezug.
Ich war spät zur Blogparty, ganz einfach in Ermangelung an Internet. Bis Anfang der 2000er gab es Internet für mich nur da, wo man eine Mark pro Stunde Surfen an einem altersschwachen PC bezahlte, während sich im Nachbarraum eine Gruppe nach Schweiß und Red Bull riechender junger Herren Counterstrike spielte. Und für eine Mark die Stunde hatte ich keine Lust darauf, die wenig mitreißenden Erlebnisse eines Regaleinräumers bei Lidl zu lesen. Dies war nach meinem damaligen Verständnis nämlich das, was Blogs ausmachte. Vor allem, weil ich mal beim Durchschalten einen 2-Minuten-Beitrag bei RTL regional gesehen hatte, der vom großen Erfolg des Weblogs eines Lidl-Regaleinräumers berichtete. Das muss wirklich schon lange her sein, da ich noch nicht resigniert hatte, Fernsehen zu schauen.
Und so bildete sich meine Meinung zu Blogs – unangemessen lange Abhandlungen zu irrelevanten Themen. Und tatsächlich, so falsch ist das ja gar nicht. Denn war es vor allem die Irrelevanz der Themen, wegen derer ich mich später zu diversen Blogs hingezogen fühlte.
Während in Zeitungen und Fernsehen inklusive deren jeweiliger Onlinedependanzen die gleiche Meldung eines Nachrichtendienst roboterartig wiederholt wurde, fand ich in Blogs Artikel, die mich abseits der aktuellen Schlagzeilen interessierten. Endlich konnte ich etwas zu mechanischen Uhren lesen, ohne eine ganze Zeitschrift voller widerlicher Luxusspielzeuge für den Herrn kaufen zu müssen. Das Thema mechanischer Uhren lässt sich mit quasi jedem anderen Auswechseln.
Auch die Darreichungsform war oft weniger effekt- und damit klickheischend, alles war ruhiger und ausführlicher. Gutes, übersichtliches Layout mit klarer Grenze zwischen Content und dem drumherum, weiterführende Links, die immer Sinn machten. Ein gutes Blog wirkte nüchterner und ernsthafter als das typische Newsportal jedes Medienkonzern.

Bahnhöfe und Züge sind ja immer eine schöne Illustration für "Wie sich die Zeiten ändern"-Geheule.
Bahnhöfe und Züge sind ja immer eine schöne Illustration für „Wie sich die Zeiten ändern“-Geheule.

Aber wer liest nun 2016 noch Blogs? Wenn ich ganz genau bin, folge ich mittlerweile nur noch sehr wenigen Blogs, ich könnte sie vermutlich an den Fingern abzählen, und ich folge diesen nur sehr halbherzig. Vielleicht liegt das an der Funktion, die sie für ich haben.
In meiner Vorstellung waren Blogs für eine Weile so etwas wie eine Zeitung ohne den Mittelsmann. Mein naives, filmbeeinflusstes Weltbild stellt sich den Weg zum Zeitungsartikel so vor:
Der dynamische Reporter, der übrigens einen Hut trägt, bekommt den Auftrag, etwas zum Thema XY zu schreiben. “1000 Wörter bis Redaktionsschluss.”. Daraufhin schnappt er sich seinen Notizblock und los geht die Recherche, deren Ergebnis er mit seiner Meinung zu 1000 schmissigen Wörtern verschmilzt. Diese gibt er dann just in time in seiner Redaktion ab, die den Artikel nicht mag und stattdessen was anderes druckt.
Und ein Blog wäre dann das gleiche, nur ohne die Redaktion dazwischen. Ich selbst bin die Redaktion, weil ich zwischen gefühlt nie versiegenden Quellen wählen kann, was ich lesen möchte.
Aber wie so oft, wenn man denkt, jeder könne das mal machen, was sonst dafür trainierte Personen im Rahmen ihrer Arbeit abliefern, ist das Ergebnis zwar ähnlich, aber in den meisten Fällen halt dilettantisch. Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, meine Recherche waren eine Google-Anfrage und einmal copy and paste aus Wikipedia, der Rest ist unqualifiziertes Gelabere. Wobei das hier auch ein sehr ausgeprägtes Beispiel für einen schlechten Artikel ist.
Aber selbst die guten Blogs, die ich lese, erreichen für mich eher selten die Qualität eines guten Zeitungsartikels, auch, wenn ich mich thematisch einfacher in der Vielzahl von Blogs als in Zeitungen zu Hause fühle. Häufig beschleicht mich das Gefühl, dass ich am Ende eines Blogartikels zwar die Meinung der Autorin, des Autors gut kenne, aber nicht wirklich viel zum Thema des Posts gelernt habe. Das ist vollkommen in Ordnung, aber bedeutet auch, dass ich meinen naiven Glaube an Graswurzeljournalismus in Form von Blogs verloren habe. Das Pendant in Zeitungen ist dann nur eine Glosse, jedenfalls bei den Sachen, die ich lese.
Irgendwie beschleicht mich ohnehin das Gefühl, das ernstzunehmende Blogger ohnehin nur Buchautoren sind, die noch bei keinem Verlag untergekommen sind. Oder Fotografen ohne Agentur. Oder Motivationscoaches ohne Vortragsreihenveranstalter. Also Personen, die das, was sie eigentlich machen wollen, (noch) nicht machen können und in der Wartezeit Blogzeilen füllen.

Alle Fotos in diesem Artikel sind auf Film aufgenommen, um die Vergänglichkeit des Themas widerzuspiegeln oder so.
Alle Fotos in diesem Artikel sind auf Film aufgenommen, um die Vergänglichkeit des Themas widerzuspiegeln oder so.

Wenn nicht Zeitungsersatz, dann das Blog als reines Unterhaltungsmedium? In diesem Bereich ist die Konkurrenz beinahe grenzenlos. Bücher, Magazine, Spiele, Videos, Podcasts, Hörbücher oder sogar mal rausgehen… Und außerdem heißt es ja immer, dass sich unser Contentkonsumverhalten verändert hat und wir alle gar nicht mehr in der Lage sind, so lange Inhalte wie die ausführlichen Geschichten des Regaleinräumers zu schauen. Entertainment findet heute meist auf einem sechs mal zehn Zentimeter großen Display statt und sollte möglichst nicht mehrere Minuten dauern.
Auf mich trifft das zu, bis auf schnelles auf-dem-Telefon-lesen in den zehn-Minuten-Pausen des wohlgeplanten Alltags bleiben mir wenig Möglichkeiten, Blogs zu lesen. Es wäre interessant zu wissen, ob wir nur noch kleine Infohäppchen vertragen, weil wir doof geworden sind; oder ob wir doof geworden sind, weil wir nur noch kleine Infohäppchen bekommen.
Auch die Darreichungsform von Blogs allgemein finde ich unästhetisch. Eigentlich hatte ich mal gedacht, das Blogs mit RSS als Verteilungsform perfekt wären, um so etwas wie eine individuelle elektronische Zeitschrift zu füllen, bei der es dann ein Vergnügen ist, durch die eigenen Lieblingsthemen zu blättern. Aber spätestens Blogs, die nur einen verkürzten Feed anbieten, um einen zum Werbebannerklicken auf die Seite zu locken, versauen diese Vision. Und ganz ehrlich, es ist 2016, jeder Toaster ist appfähig, ich bin nicht mehr bereit, irgendetwas längeres zu lesen, indem ich eine URL im Browser eingebe. Das ist Internet für Höhlentiere!
Deswegen schau ich mir nur noch Blogs mit vollem Feed in Feedly an, aber auch das ist weit vom gewünschten Blättern in einer Zeitschrift entfernt.
Lesen ist sowieso schwierig, wenn man keine Zeit hat. Youtubekanälen kann man auch nebenbei beim Kochen folgen, Podcasts hört man beim Putzen, Hörbücher sind super Begleiter beim Laufen. Aber zum Lesen braucht man halt viel Zeit und es geht nicht nebenbei.

Auch dieses Bild hat nichts mit dem Artikel zu tun, aber nun ist es auch egal.
Auch dieses Bild hat nichts mit dem Artikel zu tun, na und?

Zur Frage des Artikels, wer liest 2016 überhaupt noch Blogs? Ich bin es auf jeden Fall nicht.
Aber wenn Du bis hierher gelesen hast, Dich durch 1400 Wörter und vier Fotos gekämpft hast, scheint es auf jeden Fall noch eine Person zu geben, die 2016 noch Blogs liest.