88. Oscarverleihung

Was ich in der Berichterstattung über die Oscarverleihung nie wieder lesen möchte: "Unser Mann in Hollywood"
Was ich bei der Berichterstattung über die Oscarverleihung nie wieder lesen möchte:
„Unser Mann in Hollywood“

Ich bin schockiert, dass offenbar noch keiner auf das mittelmäßige Wortspiel kam, aus dem Slogan der diesjährigen Verleihung “We all dream in gold” ein “We all dream in white” zu machen.
Diese Zeilen werden veröffentlicht, während die 88. Oscarverleihung gerade läuft, ich schreibe das also, bevor wir wissen, wer was gewonnen hat. Allerdings können wir sicher sein, und das war auch das große Thema im Vorfeld des Events, der Oscar für den besten Hauptdarsteller wird an einen weißen Mann gehen. Beste Hauptdarstellerin? Weiße Frau. Passend wird als beste Nebendarstellerin eine weiße Frau ausgezeichnet werden. Keine Überraschung beim besten Nebendarsteller, weißer Mann, gegebenenfalls sogar Sylvester Stallone, was ich neben aller Rassismusdiskussion sehr verstörend fände.
Der beste Film wird generell sehr weiß sein, soll vor allem heißen, dass es Straight Outta Compton nicht sein wird. Immerhin werden dessen vier weiße Drehbuchschreiber eine Chance auf das beste Originaldrehbuch haben.
Die größte Abwechslung gibt es bei der besten Regie, einer der fünf nominierten Regisseure ist aus Mexiko. Immerhin wird keine Frau gewinnen, das relativiert die Diversität doch ein wenig.

"Stars und Sternchen"
„Stars und Sternchen“

Die Farblosigkeit der Nominierungen wurde intensiv diskutiert. Viel mehr als die gewöhnlichen Prognosen, war effektive Ausschluss von schwarzen Schauspielern das Thema der Berichterstattung. Und wie zu erwarten, ist dies ein polarisierenden Thema mit sehr verschiedenen Meinungen. Schnell gab es die unvermeidlichen Statistiken, die zeigen, wie hoch der Anteil von schwarzen, asiatischen, lateinamerikanischen Leuten an der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung ist, und den Ansatz, diese Quote auf die Oscarnominierungen umzulegen. Diese Strategie provoziert natürlich eine Gegenargumentation, dass man dann ja gleich passend zur Quote die Auszeichnungen herschenken könne, dass es dann auf die jeweilige Leistung gar nicht ankäme. Was natürlich in den USA, wo competitiveness ja quasi teil der gemeinschaftlichen DNA ist, selbst den dort Linkesten suspekt vorkommt.

"Leonardo DiCaprio&quot:
„Leonardo DiCaprio hat wieder nicht gewonnen“

Mit so einer schwarz-weißen Sichtweise kommt man ja zu nichts, daher differenzierter.
Der Oscar geht ja weder an den erfolgreichsten Film eines Kinojahres, noch an einen von den Kritiken als den besten Film eingeschätzten Film, sondern an den Film, der einer Jury von knapp 6000 Personen am besten gefallen hat. Oder von dessen Produzenten sich die Mehrheit der 6000 Personen hat bestechen lassen, aber das ist ein anderes Thema.
Die jurierenden 6000 sind Clubmitglieder, die hauptberuflich irgendwie beim Film arbeiten. Vor allem Schauspieler, aber auch Kameraleute, Beleuchtung, Ton, Make Up und so weiter. Diese 6000 sind nicht veröffentlicht, aber nach einer 2012er Statistik sind 94 % davon weiß, 77 % sind Männer, da liegt die Schlussfolgerung nah, dass eine Gruppe von weißen Männern natürlich nur weiße Männer für begehrte Preise auswählt. Oder notgedrungen auch weiße Frauen, wenn die Kategorien “Beste Haupt- und Nebendarstellerin” es erforderlich machen. Immerhin, bei den “kleinen” Kategorien wie Kostüm und Make Up sind Frauen offenbar auch wählbar.
Und genau an der Stelle soll jetzt die Lösung für die unausgeglichen weiße Auswahl der Nominierungen angesetzt werden – die Jury soll diverser zusammengestellt werden, mit mehr Frauen, Schwarzen, Latinos und Asiaten. So soll sichergestellt werden, dass die Quotierung der auswählenden Personen eine Entsprechung des Kinopublikums ist.

Ich bin mir aber gar nicht sicher, dass das viel ändern sollte. Ich finde die Unterstellung, dass ein weißer Juror ausschließlich weiße Männer in Filmen gut findet, und dass sich auch das Kinopublikum nur mit der eigenen Rasse und dem eigenen Geschlecht zurechtfindet, klingt einleuchtend – aber ist meiner Meinung nach nicht zutreffend.
Hinter zehn Filmen, die irgendwie menschliche Antagonisten haben, ist Shrek 2 der finanziell elfterfolgreichste Film aller Zeiten in den USA. Ich wage zu bezweifeln, dass viele Oger die Einnahmen an den Kinokassen klingeln ließen. Also scheint es doch die menschliche Fähigkeit zu geben, einen Film gut zu finden, obwohl der Hauptdarsteller nicht der eigenen Rasse und dem eigenen Geschlecht entspricht. Wenn sich Millionen von Kinogängern mit einer grünen, computeranimierten Figur identifizieren können, warum dann nicht mit einem Menschen mit anderer Hautfarbe?

Ob es also hilft, als Maßnahme die Jury heterogener zu besetzen, mit dem Ziel, dass die Demographie des Auswahlkomitees der der gesamten Kinogänger in den USA entspricht?
Ich hoffe eigentlich, dass diese Maßnahme nichts bringt. Ein Erfolg würde ja nur bestätigen, dass selbst professionelle Filmschaffende nur das gut finden, was zu ihrem Geschlecht, Ihrer Hautfarbe und Herkunft passt – und das fände ich ziemlich peinlich. Und außerdem ist das natürlich ein sehr nationaler Ansatz, der internationale Kinogänger wäre dann ja im Umkehrschluss egal.
Überhaupt wäre es doch merkwürdig, wenn die Oscar-Jury farbenfroh besetzt würde, während die überragende Mehrheit der in Hollywood produzierten Filme doch schneeweiß daherkommt.

"Auf dem roten Teppich" Übrigens, Fotos haben nichts mit dem Thema zu tun, bitte nicht nach Sinn suchen.
„Auf dem roten Teppich“
Übrigens, Fotos haben nichts mit dem Thema zu tun, bitte nicht nach Sinn suchen.

Neben Straight Outta Compton war Beasts of No Nation mit Idris Elba in Nebenrolle der Film, dessen Fehlen bei den Nominierungen kritisiert wurde. Neben der ausschließlich schwarzen Besetzung, die inkompatibel zur Juryzusammensetzung sein soll, bleibt mir unklar, ob der Film überhaupt bei der Oscarauswahl berücksichtigt werden könnte. Die Regeln dafür erscheinen mir relativ komplex, ein Film muss soundsolang in den amerikanischen Kinos gelaufen sein, um nominiert werden zu dürfen. Beasts of No Nation kam nur sehr eingeschränkt in den Kinos, dafür kam er gleichzeitig auf Netflix raus. Ich finde die Frage interessant, ob Filme, deren Verleih von streaming services wie Netflix übernommen werden, für den Oscar berücksichtigt werden dürfen. Denn ist das derzeit vor allem ein Modell für Serien, aber zukünftig wird es sicher zunehmend Filme geben, die trotz Onlinepremiere qualitativ gut genug sind, um der bis dann farbenfrohen Jury gut genug zu gefallen, um eine Nominierung zu bekommen.
Bis dahin kann sich dann ohnehin keiner mehr über irgendwelche rassistisch motivierten Entscheidungen beschweren, schließlich durfte uns Chris Rock ja schon mehrfach bei der Verleihungszeremonie unterhalten. Diese Begründung gab es allerdings vor 50 Jahren auch schon.

Links aus dem Artikel nochmal zum weiterlesen:
Statistik zum Thema Film und Rasse
Zusammensetzung der Jury 2012
Finanziell erfolgreichste Filme aller Zeiten
Hollywood whitewashing
Entertainment vor 50 Jahren

Linke Sportler

Als ich die aktuelle Challenge vom Hasen vorgesetzt bekommen hab, dachte ich nur, dass wird nix. Dazu fällt mir nix ein.  Dann hab ich aber doch eine überraschende Parallele zwischen Hase und Horst gefunden.

Auch ich wollte eine Zeit lang Linkshänder sein. Gute bei mir hat es nichts mit Kunst oder Kreativität zu tun. Wer meine Bilder aus der Schulzeit sieht, könnte meinen, dass war ein Rechtshänder der mit Links gemalt hat. Und auch sonstige künstlerische Begabung sucht man bei mir vergebens. Aber ich wollte mit Links Bälle werfen können. Linkshänder haben es im Handball viel einfacher als Rechtshänder, weil die Konkurrenz nicht so groß ist. Wie oft hab ich mich geärgert, wenn der Trainer mich ausgewechselt oder gar nicht erst aufgestellt hat, während der Linkshänder mangels Alternativen weiter Fahrkarten schießen durfte. Der einzige Spieler, mit dem ich zusammenspielen durfte, der es später zu Nationalmannschaftsehren gebracht hat, war ein Linkshänder.

Gibt es also im Sport große Unterschiede zwischen links und rechts und wie wirkt sich das auf die Chance der Linkshänder aus?

Fangen wir an mit der Volkssportart Fussball und der Frage, sind Linkshänder auch gleichzeitig Linksfüssig. Tatsächlich habe ich bis zu diesem Artikel nie darüber nachgedacht. Es fällt auch weniger auf, ob man Links- oder Rechtsfuß ist, außer man spielt Fussball. Ich bin z.B. auch immer mit dem linken Fuss abgesprungen, aber den Ball hab ich trotzdem mit Rechts geschossen. Um die Frage zu beantworten, ja im Normalfall sind Linkshänder auch Linksfüßer. Zwar wird heute bei der Ausbildung der Spieler viel Wert auf Beidfüßigkeit gelegt, aber dennoch sind die Problempositionen, aufgrund der mangelnden Alternativen, doch eher links (vor allem in der Abwehr) zu suchen. Einen richtigen Linken ersetzt auch ein antrainierter Rechter nicht. Der Mangel an Linksverteidigern führt derzeit dazu, dass immer öfter von 4er auf 3er Kette (zurück-)gestellt wird. Und als Nebeneffekt sind die Linksverteidiger auch teurer als ihre Pendants auf der rechte Seite. Von daher denke ich, dass bei gleicher Eignung ein Linksfuss/händer eher Karriere machen wird als ein Rechsfuss/händer.

Bei den meisten Wintersportarten ist es wahrscheinlich bis auf „Kleinigkeiten“ eher unerheblich ob Links oder Rechts. Beim Biathlon würde mir Simon Eder als sogenannter Linksschütze einfallen. Einziger Nachteil ist wahrscheinlich die Sonderanfertigung des Gewehrs für Linksschützen. Allerdings fällt das ab einem gewissen Level nicht mehr ins Gewicht, weil alle Gewehre auf die Athleten zugeschnitten werden. Achja und ragt halt aus der Maße am Schießstand heraus, weil er genau andersherum liegt/steht. Beim Eishockey gibt es auch wie beim Fussball Positionen in denen Linkshänder Vorteile gegenüber den Rechtshändern haben. Allerdings ist es dort nicht so stark ausgeprägt wie z.B. beim Handball. Dort ist es ganz klar vom Vorteil, wenn man auf der rechten Seite Linkshänder hat. Auch hier gilt wieder, wenig Angebot, viel Nachfrage, so dass es die wenigen Linkshänder vielleicht einen Tick leichter haben.

Einen massiven Vorteil kommt hinzu, wenn es um Interaktion mit einem Gegner geht, wie z.B. Boxen, Tennis, Tischtennis, Fechten aber auch Volley- und Handball. Da der Großteil der Bevölkerung mit der rechten Hand agiert, ist auch das Training meistens auf rechtshändige Gegner eingestellt. Und selbst das Hirn kann die Bewegungen/Angriffe/Schläge einer Rechtshand besser antizipieren, als die der Linkshand. Klar weil das Gehirn (des Rechtshänder) ja weiß, was man selbst in diesem Augenblick machen würde. Dazu kommt, dass man im Training (aufgrund des größeren Angebotes) meistens mit Rechtshändern zu tun hat, so dass die Erfahrung gegen Linkshänder weitaus geringer ist und damit weniger Automatismen in den Bewegungen gegen Linkshänder drin sind. Das geht übrigens auch Linkshändern so, die gegen Linkshänder agieren. Ein weitere Vorteil für den Linkshänder ist oftmals die Taktik, die mehr auf Rechtshänder ausgerichtet ist. Da sei als Beispiel der Block beim Hand- oder Volleyball genannt, der darauf abzielt, „den Weg“ des Balles von der rechten Hand zum Ziel zu versperren.

Zum Abschluss noch ein paar sportliche Zahlen und Funfacts.

10-15% der Weltbevölkerung sind Linkshänder, beim Tennis,Tischtennis,Badminton, manchen Fechtdisziplinen, Boxen, Baseball und Cricket gehören aber 25 – 55 % dieser Randgruppe an

Maradonnas Hand Gottes 1986 war die linke Hand

Berühmte linkshändige Sportler sind z.B. Martina Navratilova, Monica Seles, Muhammad Ali,Henry Maske, Mesut Özil.

 

Filme 2016

Kino
Fun fact 1: Kodak hatte vier Millionen pro Jahr gezahlt, nur damit der Ort der Oscarverleihung nach ihnen benannt war.

3. Oktober 2013. An diesem Tag war ich zuletzt im Kino. Als Horst “Filme 2016” als Thema für den nächsten Artikel ansagte, wurde mir bewusst, wie wenig Bezug ich zum Thema habe. Natürlich habe ich seit dem aktuelle Filme gesehen, schließlich laufen die gefühlte zwei Wochen nach dem Kinostart schon bei Vudu, Netflix, Amazon, … Aber in meiner sehr subjektiven Vorstellung kamen seit dem 3. Oktober 2013 tausende von Filmen heraus, und die Hälfte davon davon waren Fortsetzungen von Iron Man oder CGI-Kinderfilme. Mit Fortsetzung von Iron Man meine ich im Zweifel sicher all die Comicverfilmungen, die zwar im gleichen Universum spielen, mit den gleichen Akteuren, der gleichen storyline, aber etwas ganz, ganz anderes sind. Daher meine Entschuldigung an die connaisseure.

Kino
Fun fact 2: Die Anzahl der Kinos in Deutschland schrumpft stetig seit über zehn Jahren.

Remember (Startet in den US am 12. Februar, hier weiß ich gar nicht)

Christopher Plummer (dessen Filmographie so divers ist, als wäre sie von einem Zufallsgenerator erstellt worden) als demenzkranker Auschwitzüberlebender, der den für den Tod seiner Familie verantwortlichen Nazi sucht, um ihn zu ermorden.
Nur anhand der story wüsste ich nicht, ob das ein sehr ernster Film oder ein tragischkomischer roadmovie sein wird, der trailer wirkt auf jeden Fall eher getragen.

Um die verpasste Zeit zu überbrücken, habe ich mir mal die Listen der erfolgreichsten Filme der Zwischenjahre angeschaut. Das Jahr 2014 sah im Kino so aus:

  1. Transformers: Age of Extinction
  2. The Hobbit: The Battle of the Five Armies
  3. Guardians of the Galaxy
  4. Maleficent
  5. The Hunger Games: Mockingjay – Part 1
  6. X-Men: Days of Future Past
  7. Captain America: The Winter Soldier
  8. Dawn of the Planet of the Apes
  9. The Amazing Spider-Man 2
  10. Interstellar

Da waren ja gerade mal neun von zehn Filmen Fortsetzungen oder (Neu-)Verfilmungen von bestehendem Content, was für ein innovatives Kinojahr! So sehr Interstellar von 2001: A Space Odyssey und dem Inhalt vorangegangener Nolanfilme inspiriert war, dieser Film war das originelle Highlight dieser Top 10.

2015 war ganz ähnlich:

  1. Jurassic World
  2. Star Wars: The Force Awakens
  3. Furious 7
  4. Avengers: Age of Ultron
  5. Minions
  6. Spectre
  7. Inside Out
  8. Mission: Impossible – Rogue Nation
  9. The Hunger Games: Mockingjay – Part 2
  10. The Martian

Bei Martian als alleinstehender Buchadaption könnte ich ja noch ein Auge zudrücken, aber so richtig neu war nur Inside Out, ein Disney-CGI-Film.

Auch die Anzahl der Kinostandorte befindet sich im freien Fall, das Dorfkino stirbt aus.
Fun fact 3: Die Anzahl der Leinwände dagegen steigt mittlerweile wieder an, soll heißen: Kleine Kinos sterben aus, Multiplexe halten sich.

Valencia (11. März)

Das setting schreit geradezu “low budget”. Frau wird nach Unfall in einem kleinen Kellerraum festgehalten. Mir ist der Film nur aufgefallen, weil er von Dan Trachtenberg ist, der mir aus dem lange nicht mehr laufenden podcast “Totally Rad Show” noch gut in Erinnerung ist. Damals war er ein Typ, der gern Filme machen würde, jetzt ist er ein Typ, der Filme macht. So beruhigend linear kann das Leben doch sein.
Trailer hab ich nicht, dafür einen Kurzfilm von Dan Trachtenberg, auch mit Frau im Keller.

Ich schließe aus den Kinocharts der letzten zwei Jahre, dass sich ein Großteil der Kinogängerschaft derzeit vor allem nach Sicherheit am Kinoabend sehnt. Man will wohl gewohnte Gesichter sehen und duldet Überraschung nur im vorher angesagten Rahmen.
Mich erinnert diese aktuelle Monokultur an die Hollywood-Kinolandschaft der 50er und frühen 60er Jahre. Auch da gab es fast ausschließlich formelhafte Filme in einem Baukastensystem mit den immer wieder gleichen Themen, Darstellern, Produktionen. Statt der Wahl zwischen romantischer Komödie und romatischer Schnulze darf jetzt zwischen Fantasy und SciFi gewählt werden.
Allerdings war Filme machen damals noch ein aufwändiges Unterfangen, so gab es nur ein Monopol von wenigen Studios, die den Markt dominierten. Zwar ist das gerade ähnlich, nur wenige Studios machen die ganz großen Sachen, daneben gibt es jetzt aber eine unüberschaubare Fülle an anderen Produktionen. Es liegt also gerade nicht am mangelnden Angebot. Obwohl im Nachbarkino ein “richtiger Film” lief, gaben Kinobesucher im Jahr 2014 ganz willentlich eine Milliarde Dollar aus, um einen weiteren Teil des Filmremakes einer Fernsehserie zu schauen, die wiederum als Marketingvehikel für Kinderspielzeug lief.
Vielleicht ja ist das genau der Punkt: Was gerade im Kino passiert, ist vielleicht der ultimative Sieg des Fernsehens über das Kino, der Serie über den Film. Die heimelige Vertrautheit, dass Inspector Columbo auch dieses Mal den Mörder findet, hat man jetzt auch im Kino, wenn ein mir nicht bekannter Superheld wieder die Welt rettet. Einziger Unterschied ist, dass man dabei nicht auf der eigenen Couch, sondern in einem Sessel, in den zuvor jemand anders gepupst hat, sitzt. Das passt ja auch ganz gut zur Diskussion, ob Kino seit digitaler Projektion nur noch “TV in public” ist.

Die Anzahl der Kinos in Deutschland schrumpft stetig seit über zehn Jahren.
Fun fact 4: Auch die Anzahl der Kinostandorte befindet sich im freien Fall, das kleine Dorfkino verschwindet.

The Nice Guys (20. Mai)

So very 70s! Und lustige Bärte! Der Film sieht mir zu blöd aus, um auch nur darüber nachzudenken, ob man dafür Geld ausgeben sollte. Ich habe ihn eigentlich nur herausgesucht, um zuzuschauen, wie sehr Russel Crowe und Kim Basinger seit L.A. Confidental gealtert sind.

Serien in Filmform gibt es ja schon immer. Und auch Verfilmungen von Büchern, geschriebenen wie gezeichneten, sind ja auch kein momentanes Phänomen. Ich finde auch einen gewissen Anteil von sicheren Inseln im Meer der Neuerscheinungen durchaus angenehm. Jedoch die aktuell so überwältigende Dominanz vom Gewohnten im Kino diesen verschreckt mich.
Da war ich nun zwei Jahre lang nicht im Kino und lese auch nur wenig zu herauskommenden Filmen, trotzdem traue ich mir zu, für zwei Drittel der Filmplakate am nächsten Mehrsaal-Kettenkino Inhalt und Ende des Films weitgehend korrekt beschreiben zu können.
Glücklicherweise ist ja am Ende des Tunnels immer Licht, auch in den 60ern starben die öden studio systems Filme aus und es folgte eine Phase, in der sich Filme mit revolutionär neuen Ideen überbieten wollten. Das lässt mich hoffen, dass irgendwann auch anderen die gerade erfolgreichen media franchises zu fad sind und sie im Kino in einen Film gehen, bei dem sie noch nicht genau wissen, was sie erwartet.
Ich habe aus der großen Liste der Filme, die 2016 herauskommen, eine handvoll herausgepickt, die auf den ersten und zweiten Blick nicht nach einem Teil einer Serie, einer cross promotion, einer Verfilmung eines comics aussehen. Wobei die Grenzen schwimmend sind, Hail, Caesar! zum Beispiel ist von Idee bis Umsetzung Werk der Coen-Brüder, wirkt aber so sehr wie deren bisherige Filme, dass ich ihn wegen vermutlich mangelnder Innovativität rausließ, obwohl er bestimmt sehr unterhaltsam sein wird.
Insgesamt habe ich mich sehr schwer getan, selbst nach dem Studium einer Liste der 50 most anticipated films of 2016 war gar keiner dabei, den ich wirklich gern sehen wollen würde.
Daher ist es ja gar nicht unpassend, dass ich nicht ins Kino gehe.

Filme 2016 (Horstedition)

Ich geh davon aus, dass ich keinen einzigen Film von dieser Liste im Kino sehen werde.
Ich kann nicht mal mehr sagen welchen Film ich als letztes im Kino gesehen habe. Aber dank der modernen Welt, sieht man
die Filme ja recht schnell on-demand oder bei Sky. Vielmehr wird das eine Vorschlagsliste für Frau Horst und ihren Q-Stall.
Fangen wir also an mit der Kategorie Comicverfilmungen:

Deadpool (Marvel)
Filmstart: 11.02.16
Ist bereits bei den X-Men mal aufgetaucht und wird auch hier wieder von Ryan Reynolds gespielt.
Der Humor im Trailer gefällt mir („Hauptsache der Superheldenanzug ist nicht grün…“).

Batman vs. Superman (DC)
Filmstart: 24.03.16
Ich mag den Superman nicht und ich mag Ben Affleck als Batman nicht. Ach verdammt ich werd den Film trotzdem angucken.

The First Avenger: Civil War (Marvel)
Filmstart: 05.05.16
Ich hab mir doch nicht alle Filme des Marvelunivers (und teilweise die Serien) angeguckt um jetzt aufzuhören. Es wird wahrscheinlich
noch mehr zerstört und noch aussichtsloser Aussehen nur um dann in The Avengers 35 eine noch größere Runde an Superhelden zu haben.

X-Men: Apocalypse (Marvel)
Filmstart: 19.05.16
Zum (vorsicht Wortspiel) x-te X-Men Film braucht man glaub ich nicht viel sagen. Muster ist bekannt. Wird trotzdem geguckt. Allein
schon wegen James McAvoy.

Suicide Squad (DC)
Filmstart: 18.08.16
Böse Superschurken werden mit Aussicht auf Straffreiheit auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Also Das dreckige Dutzend als Comic.

Gambit (Marvel)
Filmstart: 07.10.16
Und nochmal X-Men. Chaning Tatum als Comicheld? Das sind doch gleich zwei Gründe für den Q-Stall 😉

Doctor Strange (Marvel)
Filmstart: 27.10.16
Sagt mir tatsächlich so gar nix. Aber wird bestimmt auch geguckt. Spätestens zu Hause auf der Glotze

Nächste Kategorie sind die Fortsetzungen (außer Comicverfilmungen). Teilweise ohne Kommentar nur als Merker für mich und Frau Horst weil wir die ersten Teile gesehen haben.

Creed – Rocky’s Legacy
Filmstart: 14.01.16
Oder auch Rocky 7. Diesmal geht er überraschenderweise nicht selbst in den Ring sondern bildet den Sohn seines Lieblingsgegners Apollo aus.
Ja was soll man sagen, Herr Stallone wird dieses Jahr 70 und sein Körper wahrscheinlich eher 80. Aber immerhin gabs den Golden Globe als bester
Nebendarsteller. Vielleicht wird ja auf die alten Tage doch noch was mit dem Oscar.

Findet Dory
Filmstart 29.09.16
2. Teil von Findet Nemo.

Die Unfassbaren 2
Filmstart: 18.08.16

Star Trek Beyond
Filmstart: 21.07.16

Bad Neighbors 2
Filmstart: 05.05.16

Nächste Kategorie sind die Filme für Frau Horst und ihren Q-Stall die nicht schon vorher abgehandelt wurden.

The Huntsman & The Ice Queen
Filmstart: 07.04.16

Central Intelligence
Filmstart: 16.06.16
The Rock und Kevin Hart

Die letzte Kategorie sind die sagen wir mal neuen Filme.

Eddie The Eagle
Filmstart: 31.03.16
Ich mag Cool Runnings. Und das ist quasi Cool Runnings auf britisch und beim Skispringen. Der Film basiert auf der Geschichte des echten
Eddie The Eagle der 1988 als erster Britte im Skispringen bei Olympia antratt, und letzter wurde (mit Abstand). Achja und Hugh Jackman
spielt auch mit.

Erschütternde Wahrheit (Concussion)
Filmstart:18.02.16
Will Smith und Alec Baldwin sind der Grund warum der Hase den Film nicht gucken will obwohl es um Football geht.
Tatsächlich geht es um die Gesundheitsschäden durch Football, festgestellt durch einen Pathologen an Leichen.

Legend
Filmstart: 07.01.16
Tom Hardy als Zwillingsbruderpaar die in den 50er und 60er Jahren zu den berüchtigsten Gangster in London werden.

The Big Short
Filmstart: 14.01.16
Bei der Liste der Schauspieler (Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt) ist es fast egal worum es geht.

Green Room
Filmstart:02.06.16
Eine mäßig erfolgreiche Punk Band spielt ein Konzert vor einer Gruppe Neo Nazis (Patrick Stewart als deren Anführer). Dabei stirbt eine
junge Frau und die Nazis wollen natürlich die Punkt Band als Zeugen nicht weglassen aus ihrem sogenannten Green Room

Hail Cesar
Filmstart: 18.02.16
Neues Machwerk der Coen Brüder. Alles dreht sich um einen Filmdreh und die Entführung des Hauptdarstellers (George Clooney)
im Hollywood der 50er. Mit dabei sind u.a. noch Josh Brolin, Scarlett Johansson, Chaning Tatum und Ralph Fiennes.

Wer schreibt 2016 eigentlich noch Blogs?

Als ich anfing mich mit Blogs zu beschäftigen, konnte ich die von mir gelesenen in 3 Kategorien unterteilen.

1. „Mainstream“ Blogs die einfach aufgrund ihrer hohen Position in diversen Blogcharts in meine RSS Liste gewandert sind. Als Beispiele kann man hier sicher Robert Basic, Cache oder Fefe anführen.

2. Spezialitäten-Blogs, also Blogs zu bestimmten Themen, die von den größeren Informationensseiten sträflich vernachlässigt werden/wurden.

3. Zu guter letzt sind da zahlreiche (kleinere) Blogs von Bekannten.

Als erstes ja – ich nutze noch RSS-Feeds.
Im Laufe der Zeit sind viele Blogs aus verschiedenen Gründen aus meiner Liste geflogen. Der häufigste Grund ist sicher Inaktivität. Ich (wir?) habs selbst gemerkt, man wird älter und hat weniger Zeit, weil z.B. Familie gegründet wurde oder der Beruf zeitintensiver geworden ist. Nicht nur, dass die Zeit zum Schreiben begrenzter ist, nein auch die Kreativität leidet darunter und man liest selbst nicht mehr soviel, was wiederum auch die Ideen schwinden lässt.

Einige Blogs sind auch einfach „kommerziell“ geworden. Zumindest so wie ich das für mich definiere. Der Reiz/Spaß/Mehrwert am Blog lesen (und schreiben) liegt für mich darin, dass jemand seine Gedanken  niederschreibt in der Form und auf die Art wie er es für richtig hält. Das reicht allerdings nicht, um Blogs gewinnbringend zu führen. Man unterliegt dem ständigen Druck Content zu liefern. Und dann nicht nur irgendwas, sondern dass was die Leser erwarten. Die Themenvielfalt schwindet und auch die Form muss stimmen um „Werbebanden“ zu füllen. Viele dieser Blogs sind mittlerweile eher sowas wie Magazine.

Laut aktueller Statistik laufen über 1/4 aller Webseiten im großen Internet mittlerweile auf Basis der Blogsoftware WordPress. Das spiegelt allerdings nicht die Anzahl der Blogs im Internet. WordPress hat sich mittlerweile zu einem Content-Management-System entwickelt und hat auf diesem Feld vor allem durch seine Autoupdate Funktion und die schier endlosen Plugins einen Marktanteil von fast 70%.

Zu meiner Freude scheinen einige meiner Blogs im neuen Jahr ebenfalls den guten Vorsatz zu haben, wieder aktiver zu werden. Neue Blogs werden wohl eher nicht in die Liste kommen, da sich heutzutage die Meisten über Twitter, Instagram und facebook mitteilen und das bloggen (genauso wie RSS) in die Jahre gekommen und nicht mehr Hipp ist. Was früher die Blogger sind heute die Youtube Stars.

Um zum Ende nochmal das Thema dieses Posts aufzugreifen, anscheinend schreiben wir 2016 immer noch (oder wieder) an unserem kleinen liebgewonnen Blog. Vielleicht nicht mehr so oft wie früher und wahrscheinlich auch nicht mehr mit ganz sovielen Lesern, aber dafür mit längeren Texten als „früher“ 🙂

Wer liest 2016 überhaupt noch Blogs?

So ist 2016. Da starrt der Restaurantbesucher auf sein Handy, statt die obskure Gottheit über sich wahrzunehmen.
So ist 2016. Da starrt der Restaurantbesucher auf sein Handy, statt die obskure Gottheit über sich wahrzunehmen.

Das habe ich mir selbst eingebrockt, ich habe Horst vorgeschlagen, für ein Horst working Revival etwas zum Thema “Wer liest 2016 überhaupt noch Blogs?” zu schreiben.

Um diesen Artikel anzufangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Vielleicht mit einer Statistik?

Um zunächst nachzuschauen, wie viele Leute noch Blogs lesen, googlete ich “top ranking blogs” und stieß auf die übliche Statistik bei Alexa oder ähnlichem, die die Top 20 oder 15 Blogs auflistete, nebst der monatlichen unique page impressions.
Allerdings überrollte da die Huffington Post alles andere, hat allein so viele Zugriffe wie die Plätze zwei bis fünf kombiniert. Und in meinem Weltbild ist die Huffngton Post gar kein Blog, sondern eine Onlinezeitung oder – zeitschrift. In Deutschland ist die Huff sogar nur eine Alternativ-URL für Focus Online. Also quasi, gegebenenfalls ich habe das etwas vereinfacht aufgefasst. Aber auch die weiteren Plätze sind nicht das, was ich mir unter einem Blog vorstelle, vielmehr diverse Onlineangebote deren Blogcharakter nur davon kommt, dass halt hintereinander weg Content gepostet wird.
Der Start in den Artikel mit einer Statistik fällt also aus, denn so richtig die Blogcharts auch sein mögen, sie passen nicht zu meiner Vorstellung zum Thema Blog.

Um den Rahmen dieses Begriffs zu umreißen, könnte ich ja auch mit einer Definition anfangen.

Das oder auch der Blog /blɔg/ oder auch Weblog /ˈwɛb.lɔg/ (Wortkreuzung aus engl. Web und Log für Logbuch) ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.
(von Wikipedia)

Aber ganz ehrlich? Mit einer Definition anzufangen, klingt nach dem quälenden Vortrag einer Mitschülerin, den man sich an einem Donnerstag Nachmittag, in der siebten oder achten Stunde, im Rahmen des Wahlpflichtfachs “Wirtschaft und Soziales” zum Thema Cournotscher Punkt in der elften Klasse anhören musste. Da hat die stets motivierte Marlene das so schwierig klingende Thema mit einer Definition begonnen, damit auch die Verständnisherausgeforderten in der Klasse gleich wissen, worum es in den nächsten dreißig Minuten gehen würde.
Allerdings – und daran erkennt man, dass ich die Zeit, seit dem ich an jenem imaginären Donnerstag Nachmittag die Definition des Cournotschen Punktes rezitiert bekam, in Jahrzehnten und nicht mehr in Jahren zählen kann – hätte die imaginäre Marlene damals nicht Wikipedia, sondern die lokale Bibliothek für die Definition bemüht. Ich gehe sogar davon aus, dass es in einer heutigen elften Klasse gerade die verständnisherausgeforderten Mitschüler sind, die halbherzig aus Wikipedia kopieren.
Daher scheidet eine Definition als Start in den Artikel auch aus, schließlich will ich ja nicht als fauler Elftklässler rüberkommen.

Die dritte Möglichkeit, und damit das Ende meines Skillsets, routiniert in ein Thema zu führen, wäre eine eigene Anekdote, eine Erzählung mit persönlichem Bezug.
Ich war spät zur Blogparty, ganz einfach in Ermangelung an Internet. Bis Anfang der 2000er gab es Internet für mich nur da, wo man eine Mark pro Stunde Surfen an einem altersschwachen PC bezahlte, während sich im Nachbarraum eine Gruppe nach Schweiß und Red Bull riechender junger Herren Counterstrike spielte. Und für eine Mark die Stunde hatte ich keine Lust darauf, die wenig mitreißenden Erlebnisse eines Regaleinräumers bei Lidl zu lesen. Dies war nach meinem damaligen Verständnis nämlich das, was Blogs ausmachte. Vor allem, weil ich mal beim Durchschalten einen 2-Minuten-Beitrag bei RTL regional gesehen hatte, der vom großen Erfolg des Weblogs eines Lidl-Regaleinräumers berichtete. Das muss wirklich schon lange her sein, da ich noch nicht resigniert hatte, Fernsehen zu schauen.
Und so bildete sich meine Meinung zu Blogs – unangemessen lange Abhandlungen zu irrelevanten Themen. Und tatsächlich, so falsch ist das ja gar nicht. Denn war es vor allem die Irrelevanz der Themen, wegen derer ich mich später zu diversen Blogs hingezogen fühlte.
Während in Zeitungen und Fernsehen inklusive deren jeweiliger Onlinedependanzen die gleiche Meldung eines Nachrichtendienst roboterartig wiederholt wurde, fand ich in Blogs Artikel, die mich abseits der aktuellen Schlagzeilen interessierten. Endlich konnte ich etwas zu mechanischen Uhren lesen, ohne eine ganze Zeitschrift voller widerlicher Luxusspielzeuge für den Herrn kaufen zu müssen. Das Thema mechanischer Uhren lässt sich mit quasi jedem anderen Auswechseln.
Auch die Darreichungsform war oft weniger effekt- und damit klickheischend, alles war ruhiger und ausführlicher. Gutes, übersichtliches Layout mit klarer Grenze zwischen Content und dem drumherum, weiterführende Links, die immer Sinn machten. Ein gutes Blog wirkte nüchterner und ernsthafter als das typische Newsportal jedes Medienkonzern.

Bahnhöfe und Züge sind ja immer eine schöne Illustration für "Wie sich die Zeiten ändern"-Geheule.
Bahnhöfe und Züge sind ja immer eine schöne Illustration für „Wie sich die Zeiten ändern“-Geheule.

Aber wer liest nun 2016 noch Blogs? Wenn ich ganz genau bin, folge ich mittlerweile nur noch sehr wenigen Blogs, ich könnte sie vermutlich an den Fingern abzählen, und ich folge diesen nur sehr halbherzig. Vielleicht liegt das an der Funktion, die sie für ich haben.
In meiner Vorstellung waren Blogs für eine Weile so etwas wie eine Zeitung ohne den Mittelsmann. Mein naives, filmbeeinflusstes Weltbild stellt sich den Weg zum Zeitungsartikel so vor:
Der dynamische Reporter, der übrigens einen Hut trägt, bekommt den Auftrag, etwas zum Thema XY zu schreiben. “1000 Wörter bis Redaktionsschluss.”. Daraufhin schnappt er sich seinen Notizblock und los geht die Recherche, deren Ergebnis er mit seiner Meinung zu 1000 schmissigen Wörtern verschmilzt. Diese gibt er dann just in time in seiner Redaktion ab, die den Artikel nicht mag und stattdessen was anderes druckt.
Und ein Blog wäre dann das gleiche, nur ohne die Redaktion dazwischen. Ich selbst bin die Redaktion, weil ich zwischen gefühlt nie versiegenden Quellen wählen kann, was ich lesen möchte.
Aber wie so oft, wenn man denkt, jeder könne das mal machen, was sonst dafür trainierte Personen im Rahmen ihrer Arbeit abliefern, ist das Ergebnis zwar ähnlich, aber in den meisten Fällen halt dilettantisch. Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, meine Recherche waren eine Google-Anfrage und einmal copy and paste aus Wikipedia, der Rest ist unqualifiziertes Gelabere. Wobei das hier auch ein sehr ausgeprägtes Beispiel für einen schlechten Artikel ist.
Aber selbst die guten Blogs, die ich lese, erreichen für mich eher selten die Qualität eines guten Zeitungsartikels, auch, wenn ich mich thematisch einfacher in der Vielzahl von Blogs als in Zeitungen zu Hause fühle. Häufig beschleicht mich das Gefühl, dass ich am Ende eines Blogartikels zwar die Meinung der Autorin, des Autors gut kenne, aber nicht wirklich viel zum Thema des Posts gelernt habe. Das ist vollkommen in Ordnung, aber bedeutet auch, dass ich meinen naiven Glaube an Graswurzeljournalismus in Form von Blogs verloren habe. Das Pendant in Zeitungen ist dann nur eine Glosse, jedenfalls bei den Sachen, die ich lese.
Irgendwie beschleicht mich ohnehin das Gefühl, das ernstzunehmende Blogger ohnehin nur Buchautoren sind, die noch bei keinem Verlag untergekommen sind. Oder Fotografen ohne Agentur. Oder Motivationscoaches ohne Vortragsreihenveranstalter. Also Personen, die das, was sie eigentlich machen wollen, (noch) nicht machen können und in der Wartezeit Blogzeilen füllen.

Alle Fotos in diesem Artikel sind auf Film aufgenommen, um die Vergänglichkeit des Themas widerzuspiegeln oder so.
Alle Fotos in diesem Artikel sind auf Film aufgenommen, um die Vergänglichkeit des Themas widerzuspiegeln oder so.

Wenn nicht Zeitungsersatz, dann das Blog als reines Unterhaltungsmedium? In diesem Bereich ist die Konkurrenz beinahe grenzenlos. Bücher, Magazine, Spiele, Videos, Podcasts, Hörbücher oder sogar mal rausgehen… Und außerdem heißt es ja immer, dass sich unser Contentkonsumverhalten verändert hat und wir alle gar nicht mehr in der Lage sind, so lange Inhalte wie die ausführlichen Geschichten des Regaleinräumers zu schauen. Entertainment findet heute meist auf einem sechs mal zehn Zentimeter großen Display statt und sollte möglichst nicht mehrere Minuten dauern.
Auf mich trifft das zu, bis auf schnelles auf-dem-Telefon-lesen in den zehn-Minuten-Pausen des wohlgeplanten Alltags bleiben mir wenig Möglichkeiten, Blogs zu lesen. Es wäre interessant zu wissen, ob wir nur noch kleine Infohäppchen vertragen, weil wir doof geworden sind; oder ob wir doof geworden sind, weil wir nur noch kleine Infohäppchen bekommen.
Auch die Darreichungsform von Blogs allgemein finde ich unästhetisch. Eigentlich hatte ich mal gedacht, das Blogs mit RSS als Verteilungsform perfekt wären, um so etwas wie eine individuelle elektronische Zeitschrift zu füllen, bei der es dann ein Vergnügen ist, durch die eigenen Lieblingsthemen zu blättern. Aber spätestens Blogs, die nur einen verkürzten Feed anbieten, um einen zum Werbebannerklicken auf die Seite zu locken, versauen diese Vision. Und ganz ehrlich, es ist 2016, jeder Toaster ist appfähig, ich bin nicht mehr bereit, irgendetwas längeres zu lesen, indem ich eine URL im Browser eingebe. Das ist Internet für Höhlentiere!
Deswegen schau ich mir nur noch Blogs mit vollem Feed in Feedly an, aber auch das ist weit vom gewünschten Blättern in einer Zeitschrift entfernt.
Lesen ist sowieso schwierig, wenn man keine Zeit hat. Youtubekanälen kann man auch nebenbei beim Kochen folgen, Podcasts hört man beim Putzen, Hörbücher sind super Begleiter beim Laufen. Aber zum Lesen braucht man halt viel Zeit und es geht nicht nebenbei.

Auch dieses Bild hat nichts mit dem Artikel zu tun, aber nun ist es auch egal.
Auch dieses Bild hat nichts mit dem Artikel zu tun, na und?

Zur Frage des Artikels, wer liest 2016 überhaupt noch Blogs? Ich bin es auf jeden Fall nicht.
Aber wenn Du bis hierher gelesen hast, Dich durch 1400 Wörter und vier Fotos gekämpft hast, scheint es auf jeden Fall noch eine Person zu geben, die 2016 noch Blogs liest.