Die anderen 50% von zehn Büchern, die man gelesen haben sollte

Mmh wieder kein leichtes Thema. Fangen wir erstmal damit an, dass hier glaub ich keine Klassiker erwartet werden dürfen. Mit Belletristik kann ich ja mal gleich gar nichts anfangen. Oder zumindest wenig. Auch meine lieben Deutsch (und Englisch-)lehrer haben es nicht geschafft, mich dafür zu begeistern. In der Grundschule sah es noch gut aus. Da war man noch kein Streber wenn man schon weiter gelesen hatte, sondern fast so was wie cool (ich glaub ich war in einer komischen Klasse). Danach ging aber mit der Lesebegeisterung für die Schullektüre rapide bergab, bis hin zu „lass uns mal das Video dazu ausleihen, dann müssen wir nicht lesen“. Was nicht heißen soll, dass ich nicht gerne lese. Allerdings doch eher in der Abteilung Sachbücher. Und was liegt da näher als die „wichtigsten“ Sportlerbiografien zu nehmen. Damit es nicht zu Fussballlastig wird, werde ich pro Sportart nur einen Vertreter ins Rennen schicken.

top5

Wenn ich mir die Top5 zu Sportlerbiografien angucke, dann habe ich 4 davon gelesen oder zumindest schonmal angeguckt. Allerdings zähle ich weder Pilgern zum Jakobsweg noch unsere Erde und die Jahreszeiten zu wirklich sportlichen Events. Deswegen ist das erste Buch:

„Ich bin Zlatan.“

In den letzten Jahren gab es immer 3 sichere Anwärter für den Titel Weltfussballer des Jahres. Der brave und von allen geliebte Lionel Messi. Der „schöne“ und nur von Frauen geliebte Christiano Ronaldo. Und der Bad Boy. Zlatan Ibrahimovic. Ein bosnischer Schwede. Was kann da rauskommen? Okay das Buch ist nur geghostwritet aber es trotzdem versteht man diesen komischen Typen danach besser.  Kindheit in der Sozialsiedlung und immer auf dem schmalen grad zwischen Genie und Wahnsinn. Letztendlich hat er es doch geschafft, einer der besten Fussballer der Welt zu werden. Aber bis heute ist er kein glatgebügelter Einheitsprofi, sondern eckt immer wieder an.

Buch 2 ist „Der Domestik“ von Charles Weglius.

Die dazugehörige Sportart ist, der Radsport. Als Sportler auf dem ersten Blick eher wenig erfolgreich (kein einziger Profisieg) hat er es doch zu einer langen Profikarriere im Radsport geschafft. Nach dem Buch weiß man auch, dass ihn das allein erfolgreich macht. Er ist einer der Role Player ohne den die oberflächlich erfolgreichen Fahrer bei weitem nicht so erfolgreich wären. Man bekommt Einblicke in die tiefen des Radsportgeschäfts ohne ständig über Doping nachdenken zu müssen. Ich fand das Buch sehr interessant und hab es auch in einem Rutsch durchgelesen. Und ich weiß auch, dass mindestens 2 weitere der Stammleser bzw. Autoren das Buch ebenfalls gelesen haben.

„Bad as I wann be“ von und mit Dennis Rodman

das Buch hab ich mit 14 glaube ich gelesen (oh Gott das ist schon 20 Jahre her) und bis heute ist es auch das Buch, welches ich am häufigsten gelesen hab. Mir gefällt der Mix aus persönlichem und sportlichem. Anstrengend hingegen fand ich den ständigen Wechsel der Schriftgröße, aber auch daran gewöhnt man sich. Worum gehts? Natürlich um Dennis Rodman und seinen Weg zum Paradiesvogel der NBA. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnisse, macht ein plötzlicher Wachstumsschub ihn zum Basketballer. Auf dem College noch Scoring King merkt er in der NBA schnell, dass sein „Lücke“ im System die Reboundarbeit ist. Die Drecksarbeit zum Geschäft machen. Natürlich kommt auch das Privatleben in dem Buch nicht zu kurz. Denn immerhin ist das ja der Punkt der ihn weltweit bekannt gemacht hat.

Das 4. Buch mag auf den ersten Blick nicht in die Sammlung passen. Guckt man sich aber „Rangers and the famous ICF“ genauer an, ist es genau so eine Sportlerbiografie wie die anderen. In den 80er gab es noch kein UFC um sich offiziel im regellosen Ganzkörperkampf zu messen. Also sind in ganz Großbritannien Gruppen unterwegs um sich gegenseitig „Aufs Maul zu hauen“. Nach dem Lesen des Buches wird man immer noch nicht verstehen, warum die das wirklich machen. Aber das wie, wo und wann lernt man schon. Alles unter dem Deckmantel des Fussballfanseins. Auch die sogenannten „Firms“ sind im weitesten Sinne nichts anderes als Sportvereine. An Spieltage muss ebenso eine Aufstellung und Strategie geplant werden wie beim Fussball.

Last but not Least ein Buch das ich selber noch nicht gelesen habe, aber auf jeden Fall in nächster Zeit angehen werde. „Aufgeben gilt nicht“ ist die Biografie über das Sportlerleben des Frank Busemann. Der ist einfach so sympathisch und immer noch auf dem Boden geblieben, dass ich mir seine Biografie einfach mal reinziehen muss.

50 % von zehn Büchern, die man gelesen haben sollte

Den Müll nicht richtig getrennt, schon kommt die Polizei. Darum geht es bei Dostojewski ungefähr.
Den Müll nicht richtig getrennt, schon kommt die Polizei. Darum geht es bei Dostojewski ungefähr.

Fjodor Dostojewski, Преступление и наказание, Verbrechen und Strafe / Schuld und Sühne / Raskolnikow, veröffentlicht 1866

Dieses Buch sollte man mal gelesen haben, weil es eigentlich immer cool ist, über russische Literatur reden zu können. Und dabei ist das gar nicht schwer, Dostojewskis Erstlingswerk liest sich einfach und recht flink und macht – Interesse vorausgesetzt – sogar Spaß. Zwar ist das setting antiquiert und recht fremd, es spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in Sankt Petersburg, das Grundmotiv hat aber noch immer eine ziemliche Relevanz. Das Konzept, dass die Gesellschaft einem definierten Verbrechen mit einer Strafe begegnet, ist ja noch immer unser kindlich-simpler Grundsatz. Am Buch nervt unter Umständen die übertriebene Symbolik und das zwar nicht richtig ausgesprochene aber doch deutlich spürbare religiöse Konversionsfazit.
Die verwirrend vielen deutschen Titel liegen daran, dass sich Преступление и наказание offenbar nicht so recht übertragen lässt, ich finde aber anhand des Inhalts des Buches “Verbrechen und Strafe” am passendsten.

Die Quelle beinahe sämtlicher Artikelinspiration, die Vorschlagsbox unten rechts, schlug vor, dass wir etwas zu 10 Büchern schreiben sollten, die man in seinem Leben gelesen haben sollte. Die Fragestellung klingt zwar sehr einschlägig, aber gibt es sowas überhaupt? Zehn Bücher, die wirklich jeder lesen sollte?
Eigentlich nicht, schließlich kommt man ja sogar durch das Leben, ganz ohne irgend ein Buch gelesen zu haben. Aber das wäre ja kein schöner Inhalt für einen Artikel, einfach nur “Gibt es nicht.” zu posten.

Das moderne Businesshotel ist ein guter Ort, um über die Sinnhaftigkeit des Daseins zu grübeln.
Das moderne Businesshotel ist ein guter Ort, um über die Sinnhaftigkeit des Daseins zu grübeln.

Jean-Paul Sartre, La nausée, Der Ekel, veröffentlicht 1938

Dieses Buch sollte man gelesen haben, weil Existentialismus der kleinste gemeinsame Nenner für uns alle ist. Ich mag das Buch etwas überhöhen, weil es, mit 14 oder 15 Jahren gelesen, der perfekte Untertitel für mein pubertierendes Wesen war. Es gibt keinen besseren Begeiter für den mittelschichtigen Teenager, der zornig auf einer Treppe der Fußgängerzone sitzt, als französische Zigaretten und die knallrote Ausgabe von Sartres Frühwerk.
Die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz sollte jeder von Zeit zu Zeit überdenken, dabei hilft dieses Buch.

Wir haben die zehn Bücher untereinander aufgeteilt, also muss ich mich nur auf fünf festlegen.
Für Inspiration habe ich bei mehreren mir irgendwie bekannten Personen nachgefragt, ob es so etwas gäbe, fünf Bücher, die man gelesen haben muss. Und wenig überraschend, die meisten antworteten intuitiv mit “Die Bibel!”. Das halte ich für Quatsch. Christlich-abendländische Prägung in allen Ehren, aber wenn bei weit über 50 % Christianisierungsquote in Deutschland nur 13 % die Bedienungsanleitung dazu lesen, sollte das keine Allgemeinempfehlung sein. Allein schon, weil sich die Bibel nicht eben mal so liest, viel zu fremd ist der Stil. Ist halt ein sehr altes Buch, egal ob altes oder neues Testament.

Als No Logo auf den Bestsellerlisten war, konnte man T-Shirts mit No Logo!-Logo darauf kaufen.
Als No Logo auf den Bestsellerlisten war, konnte man T-Shirts mit No Logo!-Logo darauf kaufen.

Naomi Klein, No Logo!, No Logo! – der Kampf der Global Players um Marktmacht – ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, veröffentlicht 2000

Dieses Buch sollte man gelesen haben, um auf “Wir wissen ja gar nicht, woher die Sachen kommen, die wir kaufen” mit “Doch.” antworten zu können. Außerdem wollte ich auch etwas non-Belletristik auf der Liste haben, um ausgeglichener zu wirken. Der Aufbau des Buchs wirkt etwas inkohärent, es liest sich aber ausgesprochen flüssig und schnell.
No Logo enthält viel Stoff für den werdenden Globalisierungsgegner, ironischerweise ist es in einem Verlag erschienen, der zur Bertelsmann gehört.
No Logo ist auch ein tolles Beispiel dafür, wie widerlich es endet, wenn sich deutsche Verlage bei der Übersetzung auch gleich mal einen schmissigen Titel für das Germanenvolk ausdenken. Volk der Dichter und Denker, my ass.

Überhaupt habe ich allzu alte Bücher verworfen, als Generalempfehlung herzuhalten. Ich finde, wenn man schon kämpfen muss, sich den Inhalt überhaupt zu erschließen, braucht es sicher mehrere Versuche, um das entsprechende Buch schätzen zu können. Deswegen haben es einige Superstars im Cocktailparty small talk nicht auf meine Liste geschafft, keine Bibel, kein Shakespeare, kein Sun Tsu, keine göttliche Komödie, kein verlorenes Paradies, keine Ilias. Ich habe mich da zwar überall mal versucht, durchzukämpfen, aber das will ich echt niemanden empfehlen. Nach wochenlangem Gewürge durch die Gesänge der Ilias war mein Fazit nur, dass die coolen Geschichten des Trojanischen Krieges vor oder nach dem Buch passiert sein müssen, ich wartete bis zur letzten Seite auf das Pferd. Das soll nicht heißen, dass das Buch nicht lesenswert und relevant sei, ganz im Gegenteil, aber in meine persönliche Top 5 ist es nicht geraten.

Bei 1984 denken immer alle nur an Überwachung,  die zahlreichen fantasiebenannten Behörden kommen mir in alltäglichen Referenzen zu kurz.
Bei 1984 denken immer alle nur an Überwachung, die zahlreichen fantasiebenannten Behörden kommen mir in alltäglichen Referenzen zu kurz.

George Orwell, Nineteen Eighty-Four, 1984 / Neunzehnhundertvierundachtzig, veröffentlicht 1949

Dieses Buch sollte man gelesen haben, um die ständigen aktuellen Referenzen nachvollziehen zu können. Videoüberwachung vor dem Kaufhof? 1984-Verhältnisse! NSA liest Emails? 1984-Verhältnisse! Interpretierbare Fakten in einem Geschichtsbuch? 1984-Verhältnisse!
Ich glaube, dass die 1984-Rufer oft gar nicht speziell dieses Buch meinen, sondern es exemplarisch für die Vielzahl von dystopischen Zukunftsvisionen nennen. Animal Farm, Brave New Word, Fahrenheit 451; all das sind lesenswerte Bücher, 1984 ist aber das Aushängeschild. Und das durchaus zu recht, von den genannten ist George Orwells Roman von 1949 mein Favorit der hoffnungslosen Zukunftsvisionen.

Unter dem Strich ist meine Liste recht wahllos geworden, ich habe mehr oder weniger fünf Bücher herausgesucht, die ich sowohl allgemein lesenswert, als auch relevant finde. Für besonders gute Bücher halte ich nicht alle, aber literarische Qualität ist für mich kein K.O.-Kriterium bei einer Empfehlung. In der Tat sind es alles auch keine ausgesprochenen Lieblingsbücher von mir, aber die Aufgabenstellung beschrieb ja Bücher, die man gelesen haben sollte, nicht Bücher, die mir gut gefallen. Das wäre ein ganz anderer – und gegebenenfalls recht eintöniger Artikel.
Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr so recht, warum es genau diese fünf geworden sind, seit dem Losschreiben sind mir fünf weitere eingefallen, die eigentlich noch lesenswerter sind. Das finde ich allerdings tröstlich, es gibt eigentlich immer noch fünf weitere Bücher, die man gelesen haben sollte.

Je länger man liest, desto schlimmer und gruseliger stellt man sich das Anwesen in Sturmhöhe vor.
Je länger man liest, desto schlimmer und gruseliger stellt man sich das Anwesen in Sturmhöhe vor.

Emily Brontë, Wuthering Heights, Sturmhöhe, veröffentlicht 1847

Dieses Buch sollte man gelesen haben, weil jeder wissen sollte, welche der Brontë-Schwestern besser ist. Im direkten Vergleich der jeweils populärsten Werke, Wuthering Heights und Jane Eyre, gewinnt Emilys Sturmhöhe bei mir. Mir gefallen die doppelte Erzählerperspektive und die Generationen überspannende Handlung, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie verstörend schonungslos das Buch beim Erscheinen 1847 gewirkt haben muss. Die Erzähltechnik wirkt viel moderner als bei anderen Büchern des 19. Jahrhunderts, ganz anders als bei den tediös realistischen Gesellschaftsromanen, die so einschlägig für das britische 19. Jahrhundert sind. So recht gibt es in Wuthering Heights keine sympathischen Personen, keine Hauptheldin, was den Verlauf des Buchs so trostlos wie das darin beschriebene Wetter macht.
Übrigens, wahrscheinlich war dies das erste Mal, dass ich ein ë getippt habe. Und dann gleich drei mal!

Links aus dem Artikel:
Religionsverteilung in Deutschland
Anteil Bibelleser
Leidenschaftliche Beschreibung der Ilias (Video, Englisch, 14 Minuten)

Wikipedia zu:
Verbrechen und Strafe
Der Ekel
No Logo!
1984
Sturmhöhe

The Talented Mr. Ripley

Jetzt mal was brandaktuelles: Ein Buch wurde 1955 geschrieben, 1999 verfilmt, und jetzt schreibe ich darüber.
Ich hatte den Film mal teilweise im Fernsehen gesehen, konnte mich aber nur diffus erinnern und wusste, dass es mir ganz gut gefallen hat. Das fiel mir ein, als mir die freundliche Amazon-Suchhilfe das Buch als 3 Euro irgendwas-Sonderangebot für kindle anbot. Ich schlug zu, und nur ein paar Zugfahrten später war das Buch gelesen und ich beschloss, im Anschluss den Film “noch mal richtig” zu gucken.

Mein Fazit, echt gutes Buch, guter Film, aber irgendwie ausgesprochen unterschiedlich. Die Handlung natürlich ist die selbe: Tom Ripley wird von einem amerikanischen Industriellen nach Europa geschickt, um den dort hingezogenen Sohn wieder zurück zu holen. Das endet mit Morden und einem Tom Ripley, der die Identität des abtrünnigen Sohns annimmt.

Die Unterschiede liegen in der Gestaltung der Charakter, dort liegen zwischen Buch und Film Welten. Während Tom Ripley im Film eiskalt berechnend wirkt, hatte ich im Buch den Eindruck, dass er sich die ganze Handlung über stets zur nächsten noch verheerenderen Handlung getrieben fühlte. Auch der verlorene Sohn Dickie Greenleaf, der im Buch noch ein unangenehm gutgelaunter netter Typ ist, wird im Film zu seinem fremdgehenden Halbsoziopathen.

So ist der Film für mich ein Thriller mit tollem Bildern und Musik, der etwas zu kräftig holzhammerpsychologisiert, während das Buch zwischentöniger ist. Besonders schätzte ich am Buch, dass ich bis zur letzten Seite mit dem Bösewicht mitfieberte.

Retro Roundup: 1979

So, mal was Neues – ich schreib über was Altes. Für’s erste hab ich mir vollkommen zufällig das Jahr 1979 herausgepickt. Statt der minireviews aktueller Sachen gibt es hier etwas zu den Sachen, die in einem bestimmten Jahr herausgekommen sind, bei den horst-workingigen Themen Musik, Film, Buch. Wer etwas zu Politik und Nachrichten des Jahres will sollte sich den gefühlt jede zweite Woche auf Phoenix laufenden 100 Jahre – Der Countdown anschauen.
Im Falle von 1979 lassen sich die großen, nachrichtenbildenden Ereignisse ohnehin zu einem Wort zusammenfassen: Iran. Wen das jetzt verwirrt – wie gesagt

In Sachen Populärmusik starben die Disco-70er endlich aus, Michael Jackson veröffentlichte sein erstes Soloalbum und Punk war poppig – oder Pop war punkig. Die nahenden 80er kündigten sich mit frühen New Wave-Sachen an, insgesamt wirkt das Jahr ganz erinneringswürdig.
Leider kann ich meinen Favoriten nicht in das mp3-widget nebenan packen, weil es das Album bei Amazon nicht zum download gibt: 1979 veröffentlichte Frank Zappa (neben erstaunlich vielen anderen Alben) Sheik Yerbouti, das neben einem verwirrenden Titel auch den evergreen Bobby Brown Goes Down enthält. Für den Rest hier mein 1979 sampler im widget, inklusive des supernervigen Ring My Bell, stellvertretend für die schlimme Discozeit.

Widget geht nicht? Hier ist die unattraktive Liste.

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37signals – Rework

Ich hab keine Ahnung, wo ich eine Empfehlung für dieses Buch gelesen habe. Aber wenn ich es noch wüsste – ich würde mich beschweren gehen.
Rework ist ein Buch von 37signals, der Softwarefilma hinter dem PM-Tool Basecamp und dem Ruby on Rails-framework. Die scheinen ausgesprochen erfolgreiche Software mit einer minimalistischen Firma zu machen, das wirkte interessant für ein Buch.
Wie weit gefehlt! Rework ist eine sauschlecht geschriebene Sammlung von Allgemeinwissen und selektiven Beispielen. Nur unterbrochen von Word-Art-Kapitelüberschriften.

Ein typisches Kapitel sieht etwa so aus:

Bereiten Sie sich nicht auf das Scheitern vor, sondern auf den Erfolg. Dann kommt auch nur der Erfolg.
Schuhhersteller sowieso erfand den Turnschuh und plante nicht, zu scheitern. Jetzt sind dort alle reich und gutaussehend.
Bäcker irgendwie startete die Brötchenproduktion ohne zu zögern. Jetzt sind dort alle reich und gutaussehend.

(Ich dramatisiere gegebenenfalls ein wenig)

Wer also ein Buch haben will, was in unangemessen euphorischer Weise beschreibt, was man ohnehin schon weiß, könnte hier fündig werden.
In Bahnhofsbuchhandlungen gibt es meist drehbare Aufsteller mit Heftchen wie “Yoga für Manager”, “Sicherers Auftreten für Anfänger” und “Web 2.0 für Führungskräfte”. Und genau da reiht sich Rework auch ein. Kombiniert mit dem Stil von Motivationspostern. Wenigstens ist es sehr kurz.

Hier der Link zum eBook auf englisch:

Und auf deutsch:

Michael Pollan – The Omnivore’s Dilemma

In irgendeinem Blog, Podcast, ich erinnere mich nicht mehr, hatte ich eine begeisterte Kritik zu diesem Buch gelesen, gesehen oder gehört. Und dann bei einer flinken Recherche festgestellt, dass Autor Michael Pollan so etwas wie Satan persönlich für die internetaktiven Vegetarier darstellt.
Und da ich kontroverse Dinge generell interessant finde, landete dieses Buch bei mir, bevor ich viel über den Inhalt wusste. Nach dem Kauf beschlich mich dann plötzlich eine ganz konkrete Angst: Ein kontroverses Buch über Nahrungsmittel, das könnte so was wie ein literarischer Michael Moore sein. Doch schon mal zur Entwarnung, das ist gar nicht der Fall. Das Buch ist weder schlecht recherchiert (ganz im Gegenteil) noch sensationsgierig. Ganz davon abgesehen ist es ausgesprochen fluffig geschrieben und liest sich angenehm schnell, flinker als so mancher Roman.

Die Grundidee des Buches ist simpel: Michael Pollan verfolgt vier Abendessen zurück zu ihren Grundstoffen, oder besser folgt von den Grundstoffen bis zum fertigen Essen. Zunächst ein McDonald’s Meal, dann Essen von einer kleinen sehr lokalen Farm, aus dem Bio-Supermarkt und schließlich – am ausführlichsten beschrieben – eine Mahlzeit, die er (so gut wie) komplett selbst angebaut, gesammelt und gejagt hat.

Inhaltlich gibt es keine größeren Überraschungen: Inhalte von fast food sind widerlich, Essen aus dem Supermarkt auch, eine landesweite Biosupermarktkette kann sich gar nicht nur von freundlichen familienbetriebenen Farmen beliefern lassen, der kleine Überzeugungstäterbauernhof hat glücklichere Tiere und selbstgejagtes Essen ist eine Spur unpraktisch für den Alltag. So weit so gut.

Dennoch ist das ganze sehr unterhaltsam, da das Buch sehr subjektiv und wertend geschrieben ist, sich gar keine Mühe gibt, aufdeckerisch zu sein. Aber in dieser Subjektivität stören sich viele kritische Stimmen zu dem Buch, zu Recht, wenn man eine dicke Portion Anprangern erwünscht hat. Aber dazu ist der Autor nicht der richtige Typ – ein Schriftsteller, der in Berkeley wohnt, dinner parties gibt, viel Geld für Essen, vor allem Fleisch, auszugeben bereit ist und jede Menge Feinschmeckerrestaurantköche im Freundeskreis hat. Ziemlich logisch, dass weder Lebensmittelindustrielle noch Tierschützer viel Gefallen an diesem Buch finden.
Zwar erfährt man sicher einiges neues während des Lesens – vor allem über Maisanbau in den USA – allerdings gefiel mir die Geschichtenhaftigkeit an diesem Buch.

Hier noch die Links, kindle-Buch auf englisch:

Und natürlich auf Deutsch auf Papier, komplett mit dazuerfundenem bekloppten Untertitel:

Max Barry – Machine Man

Als Lektüre für den Urlaubsflug hatte ich mir Machine Man von Max Barry gekauft. Ich hab mich hier ja schon als Fan des Australiers geoutet und so war der letzte Roman, der im letzten August erschien, ein Selbstkäufer.

Zunächst bin ich glücklich, das Max Barry sich nicht mehr Maxx Barry nennt. Ich fand immer, Maxx Barry klingt wie ein Pornodarstellername.

Die andere Sache – Ich hab das Buch kindle sei Dank im Original gelesen – aber ich bin schon voller Vorfreude auf die Titelübersetzung durch den deutschen Verlag. Denn bisher waren die Versuche der Übersetzung bei Max Barry immer besonders bekloppt und hatten nichts mit dem richtigen Titel zu tun. So wurde aus “Syrup” im deutschen “Fukk”. Aus “Jennifer Government” wurde “Logoland”. “Company”? Das heißt auf deutsch “Chefsache”.

Edit: Hab gerade gesehen, dass Buch kommt im Mai in Deutschland raus und heißt dann “Maschinenmann”. Wie langweilig!

Interessant an Machine Man ist schon die Entstehungsgeschichte. Herr Barry hat das Buch Seitenweise geschrieben, online gestellt und feedback von seinen Kommentatoren eingeholt, wie die Geschichte weiter gehen soll. Buch 2.0 quasi.

Die story lebt sehr von ihrer Überzeichnung und der krassen Grundidee, auf der sie basiert. Deshalb sollte man sich vorher gar nicht anschauen, worum es dabei geht, das würde viel Reiz des Lesens nehmen.
Das Ganze ist in Ich-Perspektive geschrieben – etwas, womit ich mich für gewöhnlich schwer tue. Meist brauche ich recht lang, um einen emotionalen Bezug zum Protagonisten aufzubauen. Bei Machine Man erwischte es mich allerdings sofort innerhalb der ersten drei Seiten. Die Geschichte beginnt mit unserem aufwachenden Haupthelden, der feststellt, dass sein smartphone nicht da ist, und in rationaler Panik versucht, die wahrscheinlichen Aufenthaltsorte des Telefons durchzugehen. Dies war mir so greifbar, dass ich mich im Buch gar nicht an der Ich-Form gestört habe.
Die erste Hälfte las sich gut und schnell, ab dann wurde es etwas zähflüssig, da es dann wirkte, als ob es eher eine Pflichtarbeit war, die Geschehnisse bis zum logischen Ende des Buches aufzuzählen.

Aber alles in allem ein ausgesprochen unterhaltsamen Buch mit Max Barry-typischen Themen.

Hier noch die Links, einmal zum jetzt lesen (kindle):

Und dann ab Mai auf Deutsch und auf Papier: