Fluch oder Segen?

Nach den 1139 Wörtern die sich mehr mit dem Mysterium Menstruation an sich beschäftigen, nun mein kleiner Versuch auf das Wunschthema Menstruationsbeschwerden einzugehen.

Wie schon treffend festgestellt wurde, sind auch meine Erfahrungen zu dem Thema eher Second-Hand und dann auch noch mit dem männlichen Auge betrachtet. Man(Frau) möge mir verzeihen. Meine erste Erfahrung mit dem Wort Menstruationsbeschwerde geht auf die 6. oder 7. Klasse zurück. Ich hatte allerdings keinen Enrico Lange (wenn wir den Namen in jedem Artikel benutzten, wird der Mann noch weltbekannt) sondern eher Mitschülerinnen die pünktlich zur Sport- oder Schwimmstunde „Menstruationsbeschwerden“ hatten. Gut damals hieß das noch „Mädchenprobleme“ und scheinbar konnten die nicht nur mehrmals monatlich auftauchen, sondern konnten sich an und abschalten lassen. Zumindest war sie 3 Stunden später am Baggersee wieder verschwunden. Kein Wunder das bei uns da Missverständnisse aufkommen.

Aber warum schreib ich das überhaupt? Zum Einen brauchte ich einen Einstieg in das Thema und zum Anderen war eine der ersten Erkenntnisse bei den Recherchen zu dem Artikel, dass bei Menstruationsbeschwerden Sport hilft. War es also nur eine billige Ausrede der Mitschülerinnen und die Menstruationsbeschwerden sind nur ein willkommener Segen? Oder ist es doch ein Fluch wie uns die Weiblichkeit erfolgreich weisgemacht hat?Vieles können Frauen auf die Arbeitsweise Ihres Körpers schieben. Keine Lust auf Sportunterricht? Regelbeschwerden. Kein Bock auf das Date? Regelblutung und kein Tampon dabei -> muss schnell nach Hause. Sexueller Unlust? „Ich hab meine Tage“.

Allein schon beim Lesen des Wikipedia Artikel zu Menstruationsbeschwerden hab ich das Gefühl, der Begriff ist ein Sammelbecken für alle Formen der physischen und psychischen Beschwerden. Spätestens beim Thema PMS könnte man glauben, jemand hat sich einen Scherz mit den Frauen erlaubt. Durch diese unglaubliche Vielzahl an Symptomen, die teilweise vollkommen widersprüchlich sind (“ Appetitlosigkeit oder Heißhunger“), sollte PMS in einer eigenen Wissenschaft ergründet werden und nicht einfach nur als Aussagensammelbecken von gelangweilten, abzockenden Gynäkologen dienen. Ich stell mir das ungefähr so vor. Die Frau kommt zum Gynäkologen. Der fragt erst gar nicht nach den Beschwerden, sondern in welcher Phase des Monatszyklus die Dame sich befindet. Ist die Dame vor der Regelblutung ist es PMS, während der Blutung gibts n Schmerzmittel und nur im Falle das die beiden Sachen nicht zutreffen, hört sich der Arzt die Beschwerden an. Ich schreibe hier mit Absicht DER Arzt, denn bis vor wenigen Jahren war der Großteil in der Gynäkologie noch männlich. Mittlerweile geht der Trend aber wohl zur weiblichen Frauenärztin. Finde nur ich das komisch, dass jahrzehntelang Männer Frauen behandelt haben, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen was da vor sich geht (also auf rein emotionaler Ebene zumindest)? Das wäre ja so, als ob eine Frau ernsthaft die Gefahr der weit verbreiteten oftmals lebensgefährlichen Männergrippe bzw. Männerschnupfens einschätzen könnte. Vielleicht sind viele der Symptome gar nicht auf die Menstruation zurückzuführen sondern es ist wirklich was kaputt?

Menstruationsbeschwerden können also sehr wohl Segen sein für die Frauen, als einfache Ausrede für alles. Aber eben auch Fluch weil der Mann an sich, damit nichts anfangen kann. Er weiß nicht wie schmerzhaft, anstrengend oder auch emotional aufwühlend diese Phase sein kann. Er wird es auch nie verstehen und dementsprechend auch nie richtig würdigen/bemitleiden können, geschweige denn ernst nehmen.