Michael Pollan – The Omnivore’s Dilemma

In irgendeinem Blog, Podcast, ich erinnere mich nicht mehr, hatte ich eine begeisterte Kritik zu diesem Buch gelesen, gesehen oder gehört. Und dann bei einer flinken Recherche festgestellt, dass Autor Michael Pollan so etwas wie Satan persönlich für die internetaktiven Vegetarier darstellt.
Und da ich kontroverse Dinge generell interessant finde, landete dieses Buch bei mir, bevor ich viel über den Inhalt wusste. Nach dem Kauf beschlich mich dann plötzlich eine ganz konkrete Angst: Ein kontroverses Buch über Nahrungsmittel, das könnte so was wie ein literarischer Michael Moore sein. Doch schon mal zur Entwarnung, das ist gar nicht der Fall. Das Buch ist weder schlecht recherchiert (ganz im Gegenteil) noch sensationsgierig. Ganz davon abgesehen ist es ausgesprochen fluffig geschrieben und liest sich angenehm schnell, flinker als so mancher Roman.

Die Grundidee des Buches ist simpel: Michael Pollan verfolgt vier Abendessen zurück zu ihren Grundstoffen, oder besser folgt von den Grundstoffen bis zum fertigen Essen. Zunächst ein McDonald’s Meal, dann Essen von einer kleinen sehr lokalen Farm, aus dem Bio-Supermarkt und schließlich – am ausführlichsten beschrieben – eine Mahlzeit, die er (so gut wie) komplett selbst angebaut, gesammelt und gejagt hat.

Inhaltlich gibt es keine größeren Überraschungen: Inhalte von fast food sind widerlich, Essen aus dem Supermarkt auch, eine landesweite Biosupermarktkette kann sich gar nicht nur von freundlichen familienbetriebenen Farmen beliefern lassen, der kleine Überzeugungstäterbauernhof hat glücklichere Tiere und selbstgejagtes Essen ist eine Spur unpraktisch für den Alltag. So weit so gut.

Dennoch ist das ganze sehr unterhaltsam, da das Buch sehr subjektiv und wertend geschrieben ist, sich gar keine Mühe gibt, aufdeckerisch zu sein. Aber in dieser Subjektivität stören sich viele kritische Stimmen zu dem Buch, zu Recht, wenn man eine dicke Portion Anprangern erwünscht hat. Aber dazu ist der Autor nicht der richtige Typ – ein Schriftsteller, der in Berkeley wohnt, dinner parties gibt, viel Geld für Essen, vor allem Fleisch, auszugeben bereit ist und jede Menge Feinschmeckerrestaurantköche im Freundeskreis hat. Ziemlich logisch, dass weder Lebensmittelindustrielle noch Tierschützer viel Gefallen an diesem Buch finden.
Zwar erfährt man sicher einiges neues während des Lesens – vor allem über Maisanbau in den USA – allerdings gefiel mir die Geschichtenhaftigkeit an diesem Buch.

Hier noch die Links, kindle-Buch auf englisch:

Und natürlich auf Deutsch auf Papier, komplett mit dazuerfundenem bekloppten Untertitel: