88. Oscarverleihung

Was ich in der Berichterstattung über die Oscarverleihung nie wieder lesen möchte: "Unser Mann in Hollywood"
Was ich bei der Berichterstattung über die Oscarverleihung nie wieder lesen möchte:
„Unser Mann in Hollywood“

Ich bin schockiert, dass offenbar noch keiner auf das mittelmäßige Wortspiel kam, aus dem Slogan der diesjährigen Verleihung “We all dream in gold” ein “We all dream in white” zu machen.
Diese Zeilen werden veröffentlicht, während die 88. Oscarverleihung gerade läuft, ich schreibe das also, bevor wir wissen, wer was gewonnen hat. Allerdings können wir sicher sein, und das war auch das große Thema im Vorfeld des Events, der Oscar für den besten Hauptdarsteller wird an einen weißen Mann gehen. Beste Hauptdarstellerin? Weiße Frau. Passend wird als beste Nebendarstellerin eine weiße Frau ausgezeichnet werden. Keine Überraschung beim besten Nebendarsteller, weißer Mann, gegebenenfalls sogar Sylvester Stallone, was ich neben aller Rassismusdiskussion sehr verstörend fände.
Der beste Film wird generell sehr weiß sein, soll vor allem heißen, dass es Straight Outta Compton nicht sein wird. Immerhin werden dessen vier weiße Drehbuchschreiber eine Chance auf das beste Originaldrehbuch haben.
Die größte Abwechslung gibt es bei der besten Regie, einer der fünf nominierten Regisseure ist aus Mexiko. Immerhin wird keine Frau gewinnen, das relativiert die Diversität doch ein wenig.

"Stars und Sternchen"
„Stars und Sternchen“

Die Farblosigkeit der Nominierungen wurde intensiv diskutiert. Viel mehr als die gewöhnlichen Prognosen, war effektive Ausschluss von schwarzen Schauspielern das Thema der Berichterstattung. Und wie zu erwarten, ist dies ein polarisierenden Thema mit sehr verschiedenen Meinungen. Schnell gab es die unvermeidlichen Statistiken, die zeigen, wie hoch der Anteil von schwarzen, asiatischen, lateinamerikanischen Leuten an der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung ist, und den Ansatz, diese Quote auf die Oscarnominierungen umzulegen. Diese Strategie provoziert natürlich eine Gegenargumentation, dass man dann ja gleich passend zur Quote die Auszeichnungen herschenken könne, dass es dann auf die jeweilige Leistung gar nicht ankäme. Was natürlich in den USA, wo competitiveness ja quasi teil der gemeinschaftlichen DNA ist, selbst den dort Linkesten suspekt vorkommt.

"Leonardo DiCaprio&quot:
„Leonardo DiCaprio hat wieder nicht gewonnen“

Mit so einer schwarz-weißen Sichtweise kommt man ja zu nichts, daher differenzierter.
Der Oscar geht ja weder an den erfolgreichsten Film eines Kinojahres, noch an einen von den Kritiken als den besten Film eingeschätzten Film, sondern an den Film, der einer Jury von knapp 6000 Personen am besten gefallen hat. Oder von dessen Produzenten sich die Mehrheit der 6000 Personen hat bestechen lassen, aber das ist ein anderes Thema.
Die jurierenden 6000 sind Clubmitglieder, die hauptberuflich irgendwie beim Film arbeiten. Vor allem Schauspieler, aber auch Kameraleute, Beleuchtung, Ton, Make Up und so weiter. Diese 6000 sind nicht veröffentlicht, aber nach einer 2012er Statistik sind 94 % davon weiß, 77 % sind Männer, da liegt die Schlussfolgerung nah, dass eine Gruppe von weißen Männern natürlich nur weiße Männer für begehrte Preise auswählt. Oder notgedrungen auch weiße Frauen, wenn die Kategorien “Beste Haupt- und Nebendarstellerin” es erforderlich machen. Immerhin, bei den “kleinen” Kategorien wie Kostüm und Make Up sind Frauen offenbar auch wählbar.
Und genau an der Stelle soll jetzt die Lösung für die unausgeglichen weiße Auswahl der Nominierungen angesetzt werden – die Jury soll diverser zusammengestellt werden, mit mehr Frauen, Schwarzen, Latinos und Asiaten. So soll sichergestellt werden, dass die Quotierung der auswählenden Personen eine Entsprechung des Kinopublikums ist.

Ich bin mir aber gar nicht sicher, dass das viel ändern sollte. Ich finde die Unterstellung, dass ein weißer Juror ausschließlich weiße Männer in Filmen gut findet, und dass sich auch das Kinopublikum nur mit der eigenen Rasse und dem eigenen Geschlecht zurechtfindet, klingt einleuchtend – aber ist meiner Meinung nach nicht zutreffend.
Hinter zehn Filmen, die irgendwie menschliche Antagonisten haben, ist Shrek 2 der finanziell elfterfolgreichste Film aller Zeiten in den USA. Ich wage zu bezweifeln, dass viele Oger die Einnahmen an den Kinokassen klingeln ließen. Also scheint es doch die menschliche Fähigkeit zu geben, einen Film gut zu finden, obwohl der Hauptdarsteller nicht der eigenen Rasse und dem eigenen Geschlecht entspricht. Wenn sich Millionen von Kinogängern mit einer grünen, computeranimierten Figur identifizieren können, warum dann nicht mit einem Menschen mit anderer Hautfarbe?

Ob es also hilft, als Maßnahme die Jury heterogener zu besetzen, mit dem Ziel, dass die Demographie des Auswahlkomitees der der gesamten Kinogänger in den USA entspricht?
Ich hoffe eigentlich, dass diese Maßnahme nichts bringt. Ein Erfolg würde ja nur bestätigen, dass selbst professionelle Filmschaffende nur das gut finden, was zu ihrem Geschlecht, Ihrer Hautfarbe und Herkunft passt – und das fände ich ziemlich peinlich. Und außerdem ist das natürlich ein sehr nationaler Ansatz, der internationale Kinogänger wäre dann ja im Umkehrschluss egal.
Überhaupt wäre es doch merkwürdig, wenn die Oscar-Jury farbenfroh besetzt würde, während die überragende Mehrheit der in Hollywood produzierten Filme doch schneeweiß daherkommt.

"Auf dem roten Teppich" Übrigens, Fotos haben nichts mit dem Thema zu tun, bitte nicht nach Sinn suchen.
„Auf dem roten Teppich“
Übrigens, Fotos haben nichts mit dem Thema zu tun, bitte nicht nach Sinn suchen.

Neben Straight Outta Compton war Beasts of No Nation mit Idris Elba in Nebenrolle der Film, dessen Fehlen bei den Nominierungen kritisiert wurde. Neben der ausschließlich schwarzen Besetzung, die inkompatibel zur Juryzusammensetzung sein soll, bleibt mir unklar, ob der Film überhaupt bei der Oscarauswahl berücksichtigt werden könnte. Die Regeln dafür erscheinen mir relativ komplex, ein Film muss soundsolang in den amerikanischen Kinos gelaufen sein, um nominiert werden zu dürfen. Beasts of No Nation kam nur sehr eingeschränkt in den Kinos, dafür kam er gleichzeitig auf Netflix raus. Ich finde die Frage interessant, ob Filme, deren Verleih von streaming services wie Netflix übernommen werden, für den Oscar berücksichtigt werden dürfen. Denn ist das derzeit vor allem ein Modell für Serien, aber zukünftig wird es sicher zunehmend Filme geben, die trotz Onlinepremiere qualitativ gut genug sind, um der bis dann farbenfrohen Jury gut genug zu gefallen, um eine Nominierung zu bekommen.
Bis dahin kann sich dann ohnehin keiner mehr über irgendwelche rassistisch motivierten Entscheidungen beschweren, schließlich durfte uns Chris Rock ja schon mehrfach bei der Verleihungszeremonie unterhalten. Diese Begründung gab es allerdings vor 50 Jahren auch schon.

Links aus dem Artikel nochmal zum weiterlesen:
Statistik zum Thema Film und Rasse
Zusammensetzung der Jury 2012
Finanziell erfolgreichste Filme aller Zeiten
Hollywood whitewashing
Entertainment vor 50 Jahren

Spectre

Diesmal gibt es Tourifotos aus London mit Bond-Trivia, yay!
Diesmal gibt es bedeutungslose Tourifotos aus London mit Bond-Trivia, yay!

Dies ist ein vollkommen ungeplanter Artikel. Eigentlich wollte ich anfangen, etwas zu Menstruationsbeschwerden zu schreiben, aber dann habe ich gestern Abend Spectre gesehen. Ich weiß, ich bin etwas spät zur Party, aber zum Kinostart war ich krank, und als ich wieder gesund war, lief er nur noch in der synchronisierten Version, und und und. Aber, Segen der neuen Zeit, schon zwei Monate nach der Premiere gibt es den Film online. Damit meine ich legal online, illegal online war er bestimmt auch schon zwei Monate bevor er in die Kinos kam.

Zu meinem Hintergrund, falls vergessen: Ich schaue quasi ständig Bond-Filme, die wenigsten davon halte ich für gut, einen respektablen Anteil würde ich sogar unter “unerträglich” einordnen. Dennoch ist die einmale Langlebigkeit, die mir gut gefällt. Ich halte die kaum unterbrochene Fortführung von den Frühen Sechzigern bis jetzt für eine gute Gelegenheit, gesellschaftliche, soziale, filmische, modische,… – eigentlich so gut wie alle Veränderungen der betroffenen Jahrzehnte abzuleiten.

Für alle, denen auffällt, dass ich letzte Woche noch über Fortsetzungen im Kino meckerte und diese Woche schwärme, wie super eine 24-Teile-Filmserie ist: Stimmt, das klingt für das ungeübte Ohr nach einem Widerspruch.

Gerade mal in zwei Bonds gibt es keine Szene im Londoner MI6-Hauptquartier, You Only Live Twice und Licence to Kill. Bei Dr. No heißt MI6 allerdings MI7.
Gerade mal in zwei Bonds gibt es keine Szene im Londoner MI6-Hauptquartier, You Only Live Twice und Licence to Kill. Bei Dr. No heißt MI6 allerdings MI7.

Um gleich mal die Spannung raus zu nehmen: Ich fand Spectre fürchterlich.In meinem Regal kann er sich zwischen Die Another Day und Moonraker in die Unerträglich-Abteilung stellen. Selbst jetzt, da ich zornig darüber geschlafen habe, mir fällt nichts an dem Film ein, was ich mochte. Spectre versagt bei mir in allen Aspekten.

Fangen wir vorne an. Apropos anfangen, wer den Film noch nicht gesehen hat, bitte jetzt schnell nachholen. Der folgende Text enthält spoiler. Oder nicht weiterlesen, das geht auch.

Wo waren wir? Genau, ganz vorn. Die Eröffnungssequenz. Bei Spectre existiert diese ausschließlich als stilbildende Maßnahme. Für die Charakterentwicklung ist fast, für die Handlung vollständig unnütz. Aber, Stilbildung halte ich auch für legitim, und dafür wird gleich richtig dick aufgetragen. Der Film beginnt mit einer vierminütigen Kamerafahrt durch Mexico City, bevor der erste Schnitt kommt. Das ist schön anzusehen und ob der komplexen Strecke echt beeindruckend, mich hat es allerdings nicht mehr in den Film gesogen, sondern Lust auf das making off gemacht. Aber hübsch gemacht, obwohl ich das colour grading – die Färbung der Bilder – in der Eröffnungssequenz viel zu sandig-erdig-verblasst fand. Aber das ist nur eine Minibeschwerde, bei aktuellen Filmen ist mir alles recht, was nicht das omnipräsente orange-blau ist.

Inhaltlich ist Mexico City auf jeden Fall für den Popo. Nur ein schöner Backdrop, damit Bond den für die Weiterentwicklung der storyunsinnigerweise benötigten italienischen nobody töten kann. Und danach gibt es Vorspann. Da tauchen zu meinem Schock die Leute aus den letzten drei FIlmen auf. Das ist ein bisschen wie bei Sitcoms, in denen der Vorspann auch aus den witzigsten Szenen der letzten Staffel zusammenmontiert wird.

Wer das Titellied von Sam Smith nicht mag, es gab auch einen Versuch von Radiohead, keine Ahnung, ob das besser gewesen wäre.

Als einen der enttäuschendsten Momente des Films empfand ich die Auto-Verfolgungsjagd in Rom. Ich glaube an die Theorie, dass die Sponsoren ihre Produkte nicht mit Unfällen in Verbindung bringen wollen, daher ist die Szene wie schlechter Sex, zwar kann man ein Häkchen an alle formalen Anforderungen an eine Auto-Verfolgungsjagd machen, danach fragt man sich allerdings, ob das wirklich schon alles war. Die trancehafte Harmonie, gemeinsam zügig durch Rom zu fahren, wird die sonderbar chorale Hintergrundmusik unterstützt. Für mich war das allerdings nur eine von mehreren Stellen, in der mir die Musik auffiel, weil sie mich nervte.

Die Witze während der kuscheligen Verfolgung waren ein Flashback in die Siebziger, spätestens das Auftauchen des Italieners im Cinquecento ließ mich wundern, ob nach dem nächsten Schnitt Roger Moore im Aston Martin sitzen würde. Überhaupt kam mir vieles in Spectre wie ein mashup vergangener Bonds vor, was ja bei einer monothematischen Serie unvermeidlich ist, aber irgendwie war mir das zu direkt 1:1 übernommen. Ich bin sicher, einige Dialogzeilen in exakt der gleichen Form in einem Vorgängerfilm gehört zu haben.

Spectre kam 20 Jahre nach Goldeneye raus, welchen ich schon im Kino gesehen habe. Dieser Gedanke lässt mich sehr alt fühlen.
Spectre kam 20 Jahre nach Goldeneye raus, welchen ich schon im Kino gesehen habe. Dieser Gedanke lässt mich sehr alt fühlen.

Eine große Frage bei allen Bonds ist für mich immer “Ist das ernst gemeint?”. Nach ein paar Jahren am Stück werden die Filme regelmäßig so over the top, dass ein reboot zum Erden unvermeidlich wird. Spectre fühlt sich an, als wenn das bald bevorstehen müsste. Das verwundert mich, da sich Casino Royal, Quantum und eingeschränkt auch Skyfall viel Mühe gaben, gritty und bodenständig zu sein. Keine Gadgets, keine Ha-Ha-Witze, mehr Charakterentwicklung. Offenbar hat jemand beschlossen, das für Spectre alles über Bord zu werfen, mit der Ausnahme von gadgets, die immer noch unspektakulär im Hintergrund bleiben. Aber der Rest?

Eine Geheimorganisation, deren Besprechungskultur in den 60ern stecken geblieben ist?

Das Versteck des Bösewichts in Marokko, was ganz offensichtlich aus leicht entflammlichen Sprengstoff gebaut wurde?

Die Schergen, die trotz Waffen keinerlei Gefahr darstellen?
Der unverletzbare Bond, der nur K.O. geht, wenn man es für die Handlung braucht?

Auf die Tochter des netten Bösewichts auspassen, weil sie nur eine Frau ist?

Ich könnte ewig so weiter machen. Ganz offenbar ist die Antwort, dass das nicht ernst gemeint ist. Vielleicht war die Hoffnung, dass sich keiner über den Film lustig macht, weil es einfach zu leicht ist. Spectre ist an der Grenze zwischen James Bond und Austin Powers.

In Spectre taucht Spectre zum sechsten Mal als Bösewichtorganisation auf. Früher hieß Spectre aber noch SPECTRE.
In Spectre taucht Spectre zum sechsten Mal als Bösewichtorganisation auf. Früher hieß Spectre aber noch SPECTRE.

Ich hatte am Abend vor Spectre die letzte Sherlock-Folge gesehen. Sherlock kämpft spätestens seit der dritten Staffel dagegen, eine langweilige Prozeduralserie zu werden, in dem jede Folge noch mehr meta, noch ironischer, noch mehr Post-Sherlock wird. In der letzten Folge ist das so ausgeprägt, dass man vor lauter Metaschichten kaum noch weiß, worum es eigentlich geht. Aber dafür lässt man der Serie jedes Klischee durchgehen, egal wie dick aufgetragen, weil es ja im Zweifel nicht so gemeint ist. Und ganz ähnlich kam mir auch Spectre vor, als ob gleich ein raffinierter Schnitt käme, nach dem zu sehen ist, dass der zuvor gesehene Unsinn mit Bösewichttagungen und Explosionen nur ein Drogentraum eines ehemaligen Agenten ist, der der guten alten Zeit nachweint.

Apropos Sherlock. Mit dem ersten Auftreten von Andrew Scott in Spectre sollte eigentlich jeder wissen: Ah, der ist böse, wir erfahren aber noch, warum. Das ist schade, denn ein bisschen Unklarheit hätte der Handlung echt etwas Reiz geben können.

So bleibt als Aussage des Films, elektronische Überwachung ist schlecht, Terrorismus ist schlecht. Überwachung durch einen Menschen ist gut, Leute im Rahmen von Geheimdiensttätigkeit töten ist auch gut. Warum das einen Unterschied macht, sagen wir nicht.

Ähnlich, wie ich in diesem Artikel ziellos über den Film schreibe, mäandert Spectre durch die länger wirkenden zweieinhalb Stunden. Zu keinem Zeitpunkt musste ich mich fragen, wie es wohl weiter ginge, viel zu gleichmäßig bewegt sich der Film langsam und unvermeidlich voran. Das spannendste ist für mich, ob der nächste Film, Bond #25, dann Totalreinfall oder Reboot ist.

Filme 2016

Kino
Fun fact 1: Kodak hatte vier Millionen pro Jahr gezahlt, nur damit der Ort der Oscarverleihung nach ihnen benannt war.

3. Oktober 2013. An diesem Tag war ich zuletzt im Kino. Als Horst “Filme 2016” als Thema für den nächsten Artikel ansagte, wurde mir bewusst, wie wenig Bezug ich zum Thema habe. Natürlich habe ich seit dem aktuelle Filme gesehen, schließlich laufen die gefühlte zwei Wochen nach dem Kinostart schon bei Vudu, Netflix, Amazon, … Aber in meiner sehr subjektiven Vorstellung kamen seit dem 3. Oktober 2013 tausende von Filmen heraus, und die Hälfte davon davon waren Fortsetzungen von Iron Man oder CGI-Kinderfilme. Mit Fortsetzung von Iron Man meine ich im Zweifel sicher all die Comicverfilmungen, die zwar im gleichen Universum spielen, mit den gleichen Akteuren, der gleichen storyline, aber etwas ganz, ganz anderes sind. Daher meine Entschuldigung an die connaisseure.

Kino
Fun fact 2: Die Anzahl der Kinos in Deutschland schrumpft stetig seit über zehn Jahren.

Remember (Startet in den US am 12. Februar, hier weiß ich gar nicht)

Christopher Plummer (dessen Filmographie so divers ist, als wäre sie von einem Zufallsgenerator erstellt worden) als demenzkranker Auschwitzüberlebender, der den für den Tod seiner Familie verantwortlichen Nazi sucht, um ihn zu ermorden.
Nur anhand der story wüsste ich nicht, ob das ein sehr ernster Film oder ein tragischkomischer roadmovie sein wird, der trailer wirkt auf jeden Fall eher getragen.

Um die verpasste Zeit zu überbrücken, habe ich mir mal die Listen der erfolgreichsten Filme der Zwischenjahre angeschaut. Das Jahr 2014 sah im Kino so aus:

  1. Transformers: Age of Extinction
  2. The Hobbit: The Battle of the Five Armies
  3. Guardians of the Galaxy
  4. Maleficent
  5. The Hunger Games: Mockingjay – Part 1
  6. X-Men: Days of Future Past
  7. Captain America: The Winter Soldier
  8. Dawn of the Planet of the Apes
  9. The Amazing Spider-Man 2
  10. Interstellar

Da waren ja gerade mal neun von zehn Filmen Fortsetzungen oder (Neu-)Verfilmungen von bestehendem Content, was für ein innovatives Kinojahr! So sehr Interstellar von 2001: A Space Odyssey und dem Inhalt vorangegangener Nolanfilme inspiriert war, dieser Film war das originelle Highlight dieser Top 10.

2015 war ganz ähnlich:

  1. Jurassic World
  2. Star Wars: The Force Awakens
  3. Furious 7
  4. Avengers: Age of Ultron
  5. Minions
  6. Spectre
  7. Inside Out
  8. Mission: Impossible – Rogue Nation
  9. The Hunger Games: Mockingjay – Part 2
  10. The Martian

Bei Martian als alleinstehender Buchadaption könnte ich ja noch ein Auge zudrücken, aber so richtig neu war nur Inside Out, ein Disney-CGI-Film.

Auch die Anzahl der Kinostandorte befindet sich im freien Fall, das Dorfkino stirbt aus.
Fun fact 3: Die Anzahl der Leinwände dagegen steigt mittlerweile wieder an, soll heißen: Kleine Kinos sterben aus, Multiplexe halten sich.

Valencia (11. März)

Das setting schreit geradezu “low budget”. Frau wird nach Unfall in einem kleinen Kellerraum festgehalten. Mir ist der Film nur aufgefallen, weil er von Dan Trachtenberg ist, der mir aus dem lange nicht mehr laufenden podcast “Totally Rad Show” noch gut in Erinnerung ist. Damals war er ein Typ, der gern Filme machen würde, jetzt ist er ein Typ, der Filme macht. So beruhigend linear kann das Leben doch sein.
Trailer hab ich nicht, dafür einen Kurzfilm von Dan Trachtenberg, auch mit Frau im Keller.

Ich schließe aus den Kinocharts der letzten zwei Jahre, dass sich ein Großteil der Kinogängerschaft derzeit vor allem nach Sicherheit am Kinoabend sehnt. Man will wohl gewohnte Gesichter sehen und duldet Überraschung nur im vorher angesagten Rahmen.
Mich erinnert diese aktuelle Monokultur an die Hollywood-Kinolandschaft der 50er und frühen 60er Jahre. Auch da gab es fast ausschließlich formelhafte Filme in einem Baukastensystem mit den immer wieder gleichen Themen, Darstellern, Produktionen. Statt der Wahl zwischen romantischer Komödie und romatischer Schnulze darf jetzt zwischen Fantasy und SciFi gewählt werden.
Allerdings war Filme machen damals noch ein aufwändiges Unterfangen, so gab es nur ein Monopol von wenigen Studios, die den Markt dominierten. Zwar ist das gerade ähnlich, nur wenige Studios machen die ganz großen Sachen, daneben gibt es jetzt aber eine unüberschaubare Fülle an anderen Produktionen. Es liegt also gerade nicht am mangelnden Angebot. Obwohl im Nachbarkino ein “richtiger Film” lief, gaben Kinobesucher im Jahr 2014 ganz willentlich eine Milliarde Dollar aus, um einen weiteren Teil des Filmremakes einer Fernsehserie zu schauen, die wiederum als Marketingvehikel für Kinderspielzeug lief.
Vielleicht ja ist das genau der Punkt: Was gerade im Kino passiert, ist vielleicht der ultimative Sieg des Fernsehens über das Kino, der Serie über den Film. Die heimelige Vertrautheit, dass Inspector Columbo auch dieses Mal den Mörder findet, hat man jetzt auch im Kino, wenn ein mir nicht bekannter Superheld wieder die Welt rettet. Einziger Unterschied ist, dass man dabei nicht auf der eigenen Couch, sondern in einem Sessel, in den zuvor jemand anders gepupst hat, sitzt. Das passt ja auch ganz gut zur Diskussion, ob Kino seit digitaler Projektion nur noch “TV in public” ist.

Die Anzahl der Kinos in Deutschland schrumpft stetig seit über zehn Jahren.
Fun fact 4: Auch die Anzahl der Kinostandorte befindet sich im freien Fall, das kleine Dorfkino verschwindet.

The Nice Guys (20. Mai)

So very 70s! Und lustige Bärte! Der Film sieht mir zu blöd aus, um auch nur darüber nachzudenken, ob man dafür Geld ausgeben sollte. Ich habe ihn eigentlich nur herausgesucht, um zuzuschauen, wie sehr Russel Crowe und Kim Basinger seit L.A. Confidental gealtert sind.

Serien in Filmform gibt es ja schon immer. Und auch Verfilmungen von Büchern, geschriebenen wie gezeichneten, sind ja auch kein momentanes Phänomen. Ich finde auch einen gewissen Anteil von sicheren Inseln im Meer der Neuerscheinungen durchaus angenehm. Jedoch die aktuell so überwältigende Dominanz vom Gewohnten im Kino diesen verschreckt mich.
Da war ich nun zwei Jahre lang nicht im Kino und lese auch nur wenig zu herauskommenden Filmen, trotzdem traue ich mir zu, für zwei Drittel der Filmplakate am nächsten Mehrsaal-Kettenkino Inhalt und Ende des Films weitgehend korrekt beschreiben zu können.
Glücklicherweise ist ja am Ende des Tunnels immer Licht, auch in den 60ern starben die öden studio systems Filme aus und es folgte eine Phase, in der sich Filme mit revolutionär neuen Ideen überbieten wollten. Das lässt mich hoffen, dass irgendwann auch anderen die gerade erfolgreichen media franchises zu fad sind und sie im Kino in einen Film gehen, bei dem sie noch nicht genau wissen, was sie erwartet.
Ich habe aus der großen Liste der Filme, die 2016 herauskommen, eine handvoll herausgepickt, die auf den ersten und zweiten Blick nicht nach einem Teil einer Serie, einer cross promotion, einer Verfilmung eines comics aussehen. Wobei die Grenzen schwimmend sind, Hail, Caesar! zum Beispiel ist von Idee bis Umsetzung Werk der Coen-Brüder, wirkt aber so sehr wie deren bisherige Filme, dass ich ihn wegen vermutlich mangelnder Innovativität rausließ, obwohl er bestimmt sehr unterhaltsam sein wird.
Insgesamt habe ich mich sehr schwer getan, selbst nach dem Studium einer Liste der 50 most anticipated films of 2016 war gar keiner dabei, den ich wirklich gern sehen wollen würde.
Daher ist es ja gar nicht unpassend, dass ich nicht ins Kino gehe.

Filme 2016 (Horstedition)

Ich geh davon aus, dass ich keinen einzigen Film von dieser Liste im Kino sehen werde.
Ich kann nicht mal mehr sagen welchen Film ich als letztes im Kino gesehen habe. Aber dank der modernen Welt, sieht man
die Filme ja recht schnell on-demand oder bei Sky. Vielmehr wird das eine Vorschlagsliste für Frau Horst und ihren Q-Stall.
Fangen wir also an mit der Kategorie Comicverfilmungen:

Deadpool (Marvel)
Filmstart: 11.02.16
Ist bereits bei den X-Men mal aufgetaucht und wird auch hier wieder von Ryan Reynolds gespielt.
Der Humor im Trailer gefällt mir („Hauptsache der Superheldenanzug ist nicht grün…“).

Batman vs. Superman (DC)
Filmstart: 24.03.16
Ich mag den Superman nicht und ich mag Ben Affleck als Batman nicht. Ach verdammt ich werd den Film trotzdem angucken.

The First Avenger: Civil War (Marvel)
Filmstart: 05.05.16
Ich hab mir doch nicht alle Filme des Marvelunivers (und teilweise die Serien) angeguckt um jetzt aufzuhören. Es wird wahrscheinlich
noch mehr zerstört und noch aussichtsloser Aussehen nur um dann in The Avengers 35 eine noch größere Runde an Superhelden zu haben.

X-Men: Apocalypse (Marvel)
Filmstart: 19.05.16
Zum (vorsicht Wortspiel) x-te X-Men Film braucht man glaub ich nicht viel sagen. Muster ist bekannt. Wird trotzdem geguckt. Allein
schon wegen James McAvoy.

Suicide Squad (DC)
Filmstart: 18.08.16
Böse Superschurken werden mit Aussicht auf Straffreiheit auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Also Das dreckige Dutzend als Comic.

Gambit (Marvel)
Filmstart: 07.10.16
Und nochmal X-Men. Chaning Tatum als Comicheld? Das sind doch gleich zwei Gründe für den Q-Stall 😉

Doctor Strange (Marvel)
Filmstart: 27.10.16
Sagt mir tatsächlich so gar nix. Aber wird bestimmt auch geguckt. Spätestens zu Hause auf der Glotze

Nächste Kategorie sind die Fortsetzungen (außer Comicverfilmungen). Teilweise ohne Kommentar nur als Merker für mich und Frau Horst weil wir die ersten Teile gesehen haben.

Creed – Rocky’s Legacy
Filmstart: 14.01.16
Oder auch Rocky 7. Diesmal geht er überraschenderweise nicht selbst in den Ring sondern bildet den Sohn seines Lieblingsgegners Apollo aus.
Ja was soll man sagen, Herr Stallone wird dieses Jahr 70 und sein Körper wahrscheinlich eher 80. Aber immerhin gabs den Golden Globe als bester
Nebendarsteller. Vielleicht wird ja auf die alten Tage doch noch was mit dem Oscar.

Findet Dory
Filmstart 29.09.16
2. Teil von Findet Nemo.

Die Unfassbaren 2
Filmstart: 18.08.16

Star Trek Beyond
Filmstart: 21.07.16

Bad Neighbors 2
Filmstart: 05.05.16

Nächste Kategorie sind die Filme für Frau Horst und ihren Q-Stall die nicht schon vorher abgehandelt wurden.

The Huntsman & The Ice Queen
Filmstart: 07.04.16

Central Intelligence
Filmstart: 16.06.16
The Rock und Kevin Hart

Die letzte Kategorie sind die sagen wir mal neuen Filme.

Eddie The Eagle
Filmstart: 31.03.16
Ich mag Cool Runnings. Und das ist quasi Cool Runnings auf britisch und beim Skispringen. Der Film basiert auf der Geschichte des echten
Eddie The Eagle der 1988 als erster Britte im Skispringen bei Olympia antratt, und letzter wurde (mit Abstand). Achja und Hugh Jackman
spielt auch mit.

Erschütternde Wahrheit (Concussion)
Filmstart:18.02.16
Will Smith und Alec Baldwin sind der Grund warum der Hase den Film nicht gucken will obwohl es um Football geht.
Tatsächlich geht es um die Gesundheitsschäden durch Football, festgestellt durch einen Pathologen an Leichen.

Legend
Filmstart: 07.01.16
Tom Hardy als Zwillingsbruderpaar die in den 50er und 60er Jahren zu den berüchtigsten Gangster in London werden.

The Big Short
Filmstart: 14.01.16
Bei der Liste der Schauspieler (Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt) ist es fast egal worum es geht.

Green Room
Filmstart:02.06.16
Eine mäßig erfolgreiche Punk Band spielt ein Konzert vor einer Gruppe Neo Nazis (Patrick Stewart als deren Anführer). Dabei stirbt eine
junge Frau und die Nazis wollen natürlich die Punkt Band als Zeugen nicht weglassen aus ihrem sogenannten Green Room

Hail Cesar
Filmstart: 18.02.16
Neues Machwerk der Coen Brüder. Alles dreht sich um einen Filmdreh und die Entführung des Hauptdarstellers (George Clooney)
im Hollywood der 50er. Mit dabei sind u.a. noch Josh Brolin, Scarlett Johansson, Chaning Tatum und Ralph Fiennes.

You hit like a Vegetarien

Oder anders gesagt „Escape Plan“.

Oder der erste Film mit Stallone und Schwarzenegger in den Hauptrollen (Expandables zählt nich ;-))

Oder Over the Top 2.

Herr Stallone versucht derzeit seinen 10.Frühling bestmöglich auszuschlachten. Aber egal. Ich guck mir den Film trotzdem an (wahrscheinlich genauso wie Rocky 7, Rambo 5 und Expandables 3)

Hier der Trailer:

Ted

Gestern waren Familie Horst mit ihrem Jokerman in der Preview von Ted. Mehr konnten/wollten sich nicht zu diesem Highlight begeistern lassen. Aber alleine für den Thunder-Song mussten wir hin. Was kann man zu dem Film sagen?

  •  Ich mag Mark Wahlberg in Komödien immer noch nicht.
  • Der Humor ist nicht so platt wie man anhand des Trailer meinen könnte.
  • Ted kann auch süß sein.
  • Der Film garantiert Lacher bis zum Schluss.
  • Der Donner-Song wurde sogar halbwegs gut übersetzt.
  • Kann man sich ruhig mal anschaun.
  • Mila Kunis is schon n Schnuckelchen.
  • Flash Gordon ist Kult.
  • Man verpasst die beste Kampfszene ever und Armstrongs Ei wenn man den Film nicht guckt.

The Iron Lady

Zwei wichtige Infos vorab: Ich kann Meryl Streep nicht leiden. Klar ist sie eine Superschauspielerin, wie auch ihre 14 Oscars beweisen, aber ich mag sie einfach nicht. Und das nicht mal nur weil sie in der schlimmen Verfilmung eines schlimmen Musicals über eine schlimme Band aus einem schlimmen Wettbewerb mitgespielt hat, ich kann Meryl Streep einfach nicht leiden.
Zweite Info: Ich hab keine absolute Meinung zu Margaret Thatcher. Es scheint, die meisten Leute (die wissen, wer das ist) scheinen sie alternativ für die böseste Person aller Zeiten oder die Retterin in den 80ern zu halten – ähnlich wie bei ihrem Regierungspendant Ronald Reagan. (Über den ein biopic echt überfällig ist) Bei mir klappt der Polarisierungsfilter dieser Personen nicht so recht.

Nun zum Film… Die ersten Minuten des Films, die ausschließlich die demente Mrs. Thatcher im Jetzt zeigen, sind ausgesprochen zermürbend und verschrecken beim Gedanken an weitere zwei Stunden. Allerdings bekommt der Film nach eine Weile dann eine Dynamik, die fluffig genug ist, um den Biographieanspruch zu genügen, aber nicht in eine distanzierte Schilderungsebene abdriftet, da die Sprünge zwischen chronologischer Erzählung und dem Jetzt meist sehr gut gewählt sind.
Und obwohl ich, wie erwähnt, Frau Streep nicht mag, auch in diesem Film überragt sie als Hauptdarstellerin. Allerdings wundert mich schon, dass für die britische Verfilmung eines sehr britischen Themas keine Britin gefunden wurde. Vermutlich waren die beiden englischen Schauspielerinnen, die gefühlt abwechselnd in allen Filmen von der Insel mitspielen, gerade busy. Doch selbst wenn nicht, ich denke dass weder Helen Mirren noch Judi Dench den Job besser gemacht hätten.

Der Film ist neben seinem Biographieformat gut gemacht, sieht deutlich nach britischen Kino und nicht nach Hollywood aus. Das einzige, was mich störte, waren einige Szenen, die wirkten, als ob Kameramann und Regisseur sich in eine spezielle Einstellung verliebt hätten und daher in den filmisch recht bodenständigen Film theatralische Bilder eingebaut haben, die wie Hochglanzfremdkörper daherkommen. Aber diese sind an einer Hand abzuzählen.

Alles in allem mochte ich den Film trotz meiner Indifferenz zum Thema und meine Antistreepigkeit gern. Kein überragender, doch eine überragende Darstellung.

Die Drumherumhighlights des Kinobesuches gab es, da es sich um ein Kino in einem kleinen Dorf handelte. So kam der Vorführer vor der Vorstellung in den Saal, um zu schauen, ob alle da sind und um vor der Originaltonigkeit des Films zu warnen. Sehr freundlich und auch befremdlich.

Das andere Highlight war das Belauschen der Kinobesucher beim Herausgehen. Hinter mir liefen zwei Frauen, die die frischen Eindrücke des Films besprachen. Zur Untermalung, man kommt gerade aus einem Film, der als großen Bestandteil die Beschreibung hatte, dass es Margaret Thatcher echt hart hatte, da sie eine eine Frau war, die sich mit dem traditionellen Rollenverständnis ihrer Zeit nicht zufrieden geben konnte.

“Siehst Du, die hat nur so schlechte und menschenfeindliche Politik gemacht, weil sie eine Frau war und die Politik halt Männersache ist!”
“Ja alles nur weil sie nicht der richtige Mann geheiratet hat, der ihr sagt, dass sie zu Hause bleiben soll!”

Vielleicht sind Filme ja doch nur dazu da, für jeden Zuschauer die eigene Meinung zu bestätigen?